Öko-Tochter Innogy E.on und RWE wollen Strommarkt neu ordnen

Es wäre ein bedeutender Deal: E.on und RWE planen, die RWE-Öko-Tochter Innogy unter sich aufzuteilen. Das Vorhaben kommt überraschend, Kritiker fürchten einen Anstieg der Strompreise.

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Die größten deutschen Stromkonzerne E.on und RWE wollen sich komplett neu aufstellen und damit die gesamte Branche umkrempeln. Die beiden Energieriesen kündigten in der Nacht zu Sonntag überraschend an, ihre Geschäfte aufteilen zu wollen.

E.on will dazu in einem ersten Schritt die RWE-Ökostrom- und Netztochter Innogy kaufen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. E.on würde das lukrative Netzgeschäft von Innogy Chart zeigen erhalten, während die erneuerbaren Energien unter dem Dach von RWE Chart zeigen vereint werden sollen. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit zerschlagen.

Kritiker befürchten steigende Preise

Die beiden Versorger haben eine Grundsatzeinigung erzielt, bindende Verträge wurden noch nicht abgeschlossen. Die Gremien beider Konzerne und die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Kritiker warnten am Wochenende vor Nachteilen für den Wettbewerb auf dem Strommarkt und höheren Preisen für Verbraucher.

RWE hatte das eigene Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz erst im Oktober 2016 unter dem Namen Innogy an die Börse gebracht. Seitdem hält RWE noch knapp 76,8 Prozent an Innogy. RWE behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Strom-Großhandel.

RWE wird größter Einzelaktionär bei E.on

Durch den Deal mit E.on sollen die Erneuerbaren jetzt zu RWE zurückkehren. Zudem soll RWE das bisherige E.on-Geschäft mit den Ökoenergien übernehmen. E.on würde im Gegenzug zu einem Unternehmen, das sich ganz auf die Energienetze und das Endkundengeschäft konzentriert. Die Stromnetze sind schon jetzt der verlässlichste Gewinnbringer von E.on, zuletzt steuerten sie rund 65 Prozent der Erträge bei.

Der Vereinbarung zufolge soll RWE für den Verkauf von Innogy eine Beteiligung an E.on Chart zeigen in Höhe von knapp 16,7 Prozent erhalten. RWE würde damit der größte Einzelaktionär von E.on. An RWE sollen zudem Innogys Gasspeichergeschäft und die Beteiligung am österreichischen Energieversorger Kelag gehen. Außerdem soll RWE von E.on die Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten.

Kommunale RWE-Eigentümer gespalten

Von den bei RWE wichtigen kommunalen Eigentümern kamen unterschiedliche Reaktionen. Die Energiewende stelle die Unternehmen vor große Herausforderungen, sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. "In einer solchen Situation Kräfte zu bündeln, kann ein sinnvoller Weg sein." Der Dortmunder Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke äußerte dagegen Sorgen um Standorte und Beschäftigte. Die kommunalen Aktionäre halten rund 20 Prozent der Anteile von RWE.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßt die Pläne: "Ganz grundsätzlich glaube ich, dass es eine sehr innovative Entscheidung sein kann, ein Unternehmen zu haben, das sich zur Versorgungssicherheit sowohl den konventionellen Energien als auch den Erneuerbaren widmet, und ein anderes, was sehr auf den Vertrieb und die Netze in Deutschland achtet."

Damit gebe es auch im internationalen Wettbewerb zwei leistungsstarke Unternehmen, sagte er der "Rheinischen Post". Er betonte, es handele sich um eigenständige unternehmerische Entscheidungen.

"Megakonzern mit großer Marktmacht"

Der Ökostrom-Anbieter Lichtblick warnte vor einem "Megakonzern mit großer Marktmacht". Das gefährde den Wettbewerb und könnte auf Dauer zu höheren Strompreisen für Verbraucher führen: "Diese Fusion muss das Kartellamt sehr kritisch prüfen."

Der Wettbewerbsexperte Justus Haucap sieht in der Übernahme von Innogy durch E.on kein großes kartellrechtliches Problem. Der "Rheinischen Post" sagte er, die Netze unterstünden ohnehin der Regulierung durch die Bundesnetzagentur oder Landesbehörden. Dabei sei es völlig egal, ob Innogy oder E.on die Eigentümer seien.

Innogy stand zunehmend unter Druck

Innogy als bislang wichtigster Gewinnbringer von RWE steht seit geraumer Zeit unter Druck. Wegen andauernder Probleme auf dem britischen Markt musste Innogy die Gewinnprognose für 2017 kappen. Nach einem Absturz des Börsenkurses räumte Vorstandschef Peter Terium seinen Posten.

Der Aufsichtsrat um den Mehrheitseigentümer RWE mahnte Kostendisziplin und eine fokussierte Investitionsstrategie an. Seitdem führt Personalvorstand Uwe Tigges kommissarisch den Vorstand.

Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther war am Sonntag vergangener Woche Opfer einer Säureattacke geworden. Unbekannte hatten ihn angegriffen und zu Boden geworfen. Sie schütteten ihm Säure ins Gesicht und verschwanden. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

ans/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Überfünfzig, 11.03.2018
1. Sind das auch dies selben....
...Kritiker die lautstark protestieren, wenn der Staat mit seiner Abgabenpolitik und der Verteilung von unten nach oben, neudeutsch EEG, den Preis ins Absurde nach oben schraubt! Ach ne das eine ist ja eine gute Ideologie, das andere die bösen Konzerne und das geht nun mal gar nicht. Die erdreisten sich sogar Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung wegen Unretabilität außer Betrieb zu nehmen und drehen somit den Fernwärmekunden eine lange Nase. Beschwerde bei der Energieagentur zwecklos, weil dafür nicht zuständig! Als Ausgleich müssen jetzt die Stadtwerke eigene Wärmekraftwerke bauen, die kein Wirkungsgrad von mehr als 45% haben und auch nicht mit Wind und Solar betrieben werden können. Da wird sich dann, ob der Kosten und monatlicher Gebühr, noch so mancher Fernwärmekunde die Augen reiben.
Andre V 11.03.2018
2.
Die Strompreise werden sicherlich nicht steigen, wenn zwei fußlahme Konzerne enger zusammenarbeiten. Die Preissteigerungen der letzten 10 Jahre kamen durch "Energiewende" und Atomausstieg; außerdem der Subventionierung von Arbeitsplätzen durch Rabatte an energieintensive Betriebe auf Kosten der Privathaushalte sowie die Umverteilung von unten (Mietwohnungen) nach oben (Eigenheimbesitzern mit Solardach).
wire-less 11.03.2018
3. Oben ist falsch
Zitat von Andre VDie Strompreise werden sicherlich nicht steigen, wenn zwei fußlahme Konzerne enger zusammenarbeiten. Die Preissteigerungen der letzten 10 Jahre kamen durch "Energiewende" und Atomausstieg; außerdem der Subventionierung von Arbeitsplätzen durch Rabatte an energieintensive Betriebe auf Kosten der Privathaushalte sowie die Umverteilung von unten (Mietwohnungen) nach oben (Eigenheimbesitzern mit Solardach).
die mit den Solardächern sind hochsubventionierte Bauern die Ihre riesigen Scheunen mit Solarmodulen vollgepflastert haben (und auch noch die ein oder andere Scheune die sie eigentlich nicht brauchen). Darum hört man die CSU auch nicht gegen den Umweltkram schimpfen. Wenn ich das Wort Subventionen höre krieg ich das K... da geht es immer um Umverteilung von Geld. Politiker tun immer so als würden Sie das Geld bezahlen aber sie nehmen es jemanden weg. Ich befinde mich leider immer in der Gruppe der Zahler.
paula_f 11.03.2018
4. früher nannte man das Monopol
wir brauchen eine neue Ausrichtung der SDP Energiepolitik - die SPD hat daran mitgearbeitet - dass es den kleinen Stromanbieter zunehmend unmöglich gemacht wird strom wirtschaftliche zu verkaufen. Dazu gibt es Vorschriften und Beschränkungen die mit dem Segen und sogar durch Initiative der SPD beschlossen wurde. Wir brauchen Marktwirtschaft und Chancen für kleine innovative Anbieter von Strom und Stromspeicher. So verkommt nicht nur unsere Demokratie sondern auch der Wettbewerb und die Innovationskraft des Wettbewerbs. - Gerade diese Argumente sollte sich die CDU auch mal wieder zu eigen machen.
pierrotlalune 11.03.2018
5.
Bin gerade in Frankreich, da kostet der Strom ca. 11 ct pro kwh. Ich weiss viel atomstrom, dennoch in deutschland wird der strom für die bevölkerung teuer verkauft, Konzerne machen riesen Gewinne. Andereserseits produziert de soviel Strom, dass es unter anderem an Frankreich verkauft für 4 ct. Ich denke da ist noch Rabatt für die einheimische Bevölkerung. Doch wie für die Autoindustrie spielen lobby und politik ein dreckiges spiel
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