Sorge um steigende Preise EU nimmt Innogy-Deal unter die Lupe

Das Geschäft würde Deutschlands Strommarkt umwälzen: E.on will die RWE-Tochter Innogy kaufen. Die EU-Kommission befürchtet steigende Preise und kündigte nun eine eingehendere Prüfung an.

RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz (r.) mit E.on-Boss Johannes Teyssen
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RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz (r.) mit E.on-Boss Johannes Teyssen


Die EU-Kommission leitet eine vertiefte Prüfung der geplanten Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch E.on ein. Es gebe Bedenken, dass das Vorhaben den Wettbewerb im Strom- und Gaseinzelhandel beeinträchtigen könne, teilte die Behörde mit. Ähnliche Warnungen hatten zuvor auch Konkurrenten der beiden Konzerne ausgesprochen.

Die Rivalen haben einen Deal eingefädelt, der den Strommarkt in Deutschland umwälzen würde. E.on will die RWE-Netz- und Vertriebstochter Innogy kaufen. Im Gegenzug soll RWE Chart zeigen die Ökostromproduktion von E.on und Innogy erhalten und mit knapp 16,7 Prozent an E.on beteiligt werden. E.on würde damit zum mit weitem Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland. Nach erfolgreichem Tausch stünden mehr als 12 Millionen Kunden zu Buche.

Doch die EU-Kommission könnte der Sache nun einen Riegel vorschieben. Auf den Einzelhandelsmärkten in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ungarn hätten die beiden Unternehmen eine starke Stellung, teilten die Wettbewerbshüter mit. Durch die Übernahme würde ein wichtiger Wettbewerber wegfallen.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Kommission Bedenken, dass der verbleibende Wettbewerbsdruck nicht ausreichen würde, um die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens zu beschränken und Preiserhöhungen für die Verbraucher zu vermeiden", hieß es weiter.

"Weiterhin gut im Zeitplan"

E.on bezeichnete die vertiefte Prüfung als "völlig üblich" bei einer Transaktion dieser Größe. "Wir sind von vorneherein davon ausgegangen, dass die EU-Kommission für die kartellrechtliche Prüfung über die erste Phase hinaus mehr Zeit benötigt", teilte ein Unternehmenssprecher mit. Deshalb habe E.on immer betont, nicht vor Mitte dieses Jahres mit einer Genehmigung der Kartellbehörden zu rechnen. "Wir liegen weiterhin gut im Zeitplan."

"Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Die Untersuchung solle gewährleisten, dass die Übernahme keine Preiserhöhungen nach sich ziehe.

E.on-Chef Johannes Teyssen hatte in der vergangenen Woche betont, dass der Preiswettbewerb in Deutschland auch nach einer Übernahme von Innogy Chart zeigen hart bleibe. Die Kunden hätten fast überall die Auswahl unter rund 100 Anbietern.

Während der Voruntersuchung hätten E.on und Innogy keine Zusagen abgegeben, hieß es in Brüssel weiter. Die EU-Kommission hat nun bis zum 23. Juli Zeit, um den Deal durchzuwinken, zu blockieren, oder den Unternehmen Auflagen zu erteilen.

dab/dpa

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