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15. Februar 2013, 22:46 Uhr

Verdacht auf Insiderhandel

US-Börsenaufsicht prüft Heinz-Übernahme

Die US-Börsenaufsicht untersucht die Übernahme des Ketchup-Herstellers Heinz: Die Ermittler ließen ein auffälliges Depot einfrieren, von dem aus massenhaft Optionen auf Heinz-Aktien gekauft wurden - kurz bevor Starinvestor Warren Buffett verkündete, das Unternehmen für 28 Milliarden Dollar zu übernehmen.

New York - Die amerikanische Börsenaufsicht SEC untersucht die Übernahme des Ketchup-Herstellers H.J. Heinz. Wegen des Verdachts auf Insiderhandel ließ die Behörde das Vermögen in einem auffälligen Depot einfrieren. Ein entsprechender Gerichtsbeschluss sei am Freitag in New York erwirkt worden, teilte die SEC mit.

Wer hinter dem Depot steckt, ist demnach unbekannt. Es handele sich entweder um ausländische Anleger oder um Anleger, die über das Ausland gehandelt hätten, hieß es. Die US-Börsenaufseher konnten die Spur nach eigenen Angaben bis zu einem Konto in Zürich zurückverfolgen.

Die Holding Berkshire Hathaway von Starinvestor Warren Buffett und sein Partner 3G Capital hatten am Donnerstag die Übernahme von Heinz verkündet. Insgesamt zahlten die Investoren demnach rund 23 Milliarden Dollar. Inklusive der Übernahme von Altschulden soll sie der Deal sogar 28 Milliarden Dollar gekostet haben. Die Investoren hatten 72,50 Dollar je Heinz-Aktie geboten. Der Kurs der Papiere stieg daraufhin um 20 Prozent.

Doch womöglich war die Information schon vor dem offiziellen Termin durchgesickert: Laut einem Bericht der "New York Times" prüfen die Aufseher ungewöhnliche Handelsbewegungen kurz vor der Verkündung des Deals. Demnach sei den Börsenaufsehern ein Anstieg sogenannter Optionsgeschäfte am Tag vor der Pressekonferenz aufgefallen. Mit Optionen lässt sich auf den Kursanstieg einer Aktie wetten.

Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre das insbesondere für Warren Buffett ein heftiger Schlag - ganz gleich, wer die Übernahme letztlich ausgeplaudert haben sollte. Der 82-Jährige legt besonderen Wert auf saubere Geschäfte. Schon vor zwei Jahren trennte er sich wegen zweifelhafter Aktienkäufe von seinem wichtigen Manager und möglichen Nachfolger David Sokol.

Insiderhandel ist verboten, weil Börsengeschäfte auf Basis vertraulicher Informationen andere Anleger benachteiligen. Es gab in den USA zuletzt eine ganze Reihe von Verurteilungen in derartigen Fällen.

Auch der Name von Buffetts Partnerfirma 3G Capital fiel bereits in einem anderem Fall von möglichem Insiderhandel im vergangenen Jahr. In dem Fall ging es um die Übernahme der Fastfood-Kette Burger King im Jahr 2010. Die Börsenaufsicht SEC ließ vergangenen September das Vermögen eines Bankers einfrieren, weil sie verbotenen Handel witterte. Der Insidertipp soll dabei von einem Geschäftspartner von 3G gekommen sein. Gegen den Finanzinvestor selbst wurden keine Vorwürfe erhoben.

usp/dpa/AP

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