Insolvente Drogeriekette Schlecker-Betriebsrat fordert Staatshilfe

Die Drogeriekette Schlecker braucht dringend Geld - jetzt bittet der Betriebsrat den Staat um Hilfe. Das Argument: Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen.

Schlecker-Filiale in Mainz: "Staatliche Förderung ist erforderlich"
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Schlecker-Filiale in Mainz: "Staatliche Förderung ist erforderlich"

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Hamburg - Schlecker-Betriebsräte setzen auf eine staatliche Rettung der insolventen Drogeriekette. Mit öffentlichen Fördergeldern, so die Hoffnung, könnten zumindest die Läden in Dörfern und Kleinstädten erhalten bleiben. "Schlecker-Filialen sind für die Grundversorgung auf dem Land unverzichtbar", sagte Elke Lill, Rechtsanwältin und Beraterin des Gesamtbetriebsrats, zu manager magazin Online.

Schon heute müssten Dorfbewohner oft mehr als 20 Kilometer fahren, um den nächsten Einzelhändler zu erreichen, sagt die Insolvenzexpertin. Sie fürchte, dass weitere Schließungen die Situation verschlimmern: "Insbesondere ältere Menschen ohne Auto und Internetzugang würden erhebliche Probleme bekommen, überhaupt noch Waren einkaufen zu können", warnt Lill. "Eine staatliche Förderung wäre deshalb nicht nur möglich, sondern unseres Erachtens auch erforderlich."

Schlecker hat Ende Januar Insolvenz angemeldet. Rund 30.000 Mitarbeiter bangen seitdem um ihre Jobs. Derzeit prüfen McKinsey-Berater das Sparpotential im Unternehmen. Sie sollen einen Plan für Schleckers Zukunft erstellen. Ein solcher Plan könnte drastischer ausfallen als gedacht. So wird laut manager magazin intern diskutiert, die 650 Ihr-Platz-Läden des Konzerns zum neuen Kern der Kette zu machen und die verbleibenden Schlecker-Filialen lediglich zu integrieren. Das hieße: Die Marke Schlecker könnte ganz verschwinden.

Baden-Württemberg stellt Bürgschaft in Aussicht

Wie eine Unterstützung durch den Staat aussehen könnte - da hat der Betriebsrat bereits klare Vorstellungen: Mittel könnte beispielsweise der Europäische Sozialfonds (ESF) bereitstellen, der speziell für die Förderung strukturschwacher Regionen gegründet wurde. Mit Hilfe der Staatsgelder, so die Kalkulation der Betriebsräte, könnte Schlecker dann die Verluste seiner häufig defizitären Dorfläden ausgleichen.

Auch direkte Landeshilfen wären denkbar: Das Land Schleswig-Holstein beispielsweise unterstützt schon seit längerem kleinere Lebensmittelläden in ländlichen Gegenden, die sich ohne staatliche Hilfe kaum halten könnten.

Zuletzt hatten einige Landespolitiker bereits Unterstützung für Schlecker in Aussicht gestellt. So nannte beispielsweise der baden-württembergische Minister für Wirtschaft und Finanzen, Nils Schmid (SPD), eine Landesbürgschaft für mögliche Schlecker-Investoren als denkbare Lösung. Zudem erklärte Manuela Schwesig (SPD), Arbeitsministerin in Mecklenburg-Vorpommern: "Es muss alles getan werden, dem Unternehmen eine tragfähige Zukunft zu eröffnen und den Beschäftigten eine Perspektive zu geben."

Nun will der Schlecker-Betriebsrat die Politiker beim Wort nehmen.



insgesamt 203 Beiträge
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theodorheuss 23.02.2012
1. Auf jeden Fall
Zitat von sysopdapdDie Drogeriekette Schlecker braucht dringend Geld - jetzt bittet der Betriebsrat den Staat um Hilfe. Das Argument: Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817113,00.html
wäre hier staatliche Hilfe weitaus sinnvoller angelegt als in dem Fass ohne Boden Griechenland!
frubi 23.02.2012
2. .
Zitat von sysopdapdDie Drogeriekette Schlecker braucht dringend Geld - jetzt bittet der Betriebsrat den Staat um Hilfe. Das Argument: Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817113,00.html
"Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen." Stimmt. Es wäre ja auch eine Schande wenn Dorfbewohner mit fettigen Haaren oder "Naturgeruch" aus dem Haus gehen müsste. Ich kenne bei uns im Umkreis auch keinen Bauern, der nicht ohne mehrstündige Badezimmerspiegel-Session aus dem Haus geht. Ohne Haargel wird keine Kuh gemolken.
HaioForler 23.02.2012
3.
Zitat von sysopdapdDie Drogeriekette Schlecker braucht dringend Geld - jetzt bittet der Betriebsrat den Staat um Hilfe. Das Argument: Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817113,00.html
Anders ausgedrueckt: nur Schlecker sichert das Ueberleben der Landbewohner und ist somit ein Garant gegen Seuchen, Hunger, Krankheiten sowie ertragsloser Bauern.
Wololooo 23.02.2012
4.
Zitat von theodorheusswäre hier staatliche Hilfe weitaus sinnvoller angelegt als in dem Fass ohne Boden Griechenland!
Falls Schleckerfilialen verschwinden sollten, werden diese doch ganz schnell wieder ersetzt. So kann z.B. die Dorfgemeinschaft einen Laden betreiben, der die Grundversorgung sicherstellt, aber gleichzeitig auch kostendeckend ist.
sttn 23.02.2012
5. Staatshilfe Unsinnig
Zitat von sysopdapdDie Drogeriekette Schlecker braucht dringend Geld - jetzt bittet der Betriebsrat den Staat um Hilfe. Das Argument: Das Unternehmen erfülle eine gesellschaftliche Aufgabe, Dorfbewohner seien auf die Versorgung durch Schlecker angewiesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817113,00.html
Das Ergebnis von einer Unterstützung ist eine Ladenkette die unwirtschaftlich arbeitet und andere, gesunde Läden verdrängt, was wiederum dort zu Problemen und Jobverlust führt. Jobverluist ist hart für die Beschäftigten, jedoch kommt der so oder so und gerade jetzt sind die Chancen für viele besser wo anders einen Job zu bekommen als in wirtschaftlich schlechten Zeiten.
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