Frankfurt am Main - Nur etwas mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze soll erhalten bleiben: Bei der insolventen Drogeriekette Schlecker stehen harte Einschnitte bevor. 11.750 Stellen werden gestrichen, von zurzeit rund 6000 Filialen bleiben lediglich 3000 bestehen. Das hat Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Mittwoch angekündigt.
Geiwitz bezeichnete die drastischen Maßnahmen als unabdingbar für die weitere Existenz der Drogeriekette mit Stammsitz im schwäbischen Ehingen. "Das ist ein überlebensnotwendiger Einschnitt", sagte er. Momentan gehe er davon aus, dass 11.750 Beschäftigte in den Schlecker-Filialen vom Arbeitsplatzabbau betroffen sein werden.
Als gute Nachricht bezeichnete Geiwitz die Einschätzung, dass der Stellenabbau zumindest das Überleben Schleckers sichern könne. Die Zukunft der Drogeriekette sehe er in der Rolle als Nahversorger in Groß- und Vorstädten. Dazu sollen ab Mai das Sortiment ergänzt und die Preise gesenkt werden. Mit dieser strategischen Positionierung stellte sich der Insolvenzverwalter gegen das von Experten ins Gespräch gebrachte Dorfladen-Konzept.
Die Schuld an dem Jobkahlschlag gab Geiwitz eindeutig der bisherigen Unternehmensführung um Firmengründer Anton Schlecker. Die deutlich zu spät eingeleitete Restrukturierung habe keine Alternative zugelassen, erklärte der Insolvenzverwalter. "Viele Probleme sind zu spät angegangen worden." In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen jeweils zweistellige Millionenverluste erlitten und drastische Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen.
Ab Ende März muss Schlecker operativ schwarze Zahlen schreiben
Es sei für langjährige Mitarbeiter "eine harte Konsequenz, ihren Arbeitsplatz zu verlieren", sagte Geiwitz. Dazu werde man in den kommenden Wochen einen Vorschlag erarbeiten, "der dies so sozialverträglich wie möglich macht". Mit der Arbeitnehmerseite wolle er in Verhandlungen zu einer schnellen Einigung kommen.
Die Gewerkschaft Ver.di und der Betriebsrat gaben sich kämpferisch: "Es ist natürlich bitter, dass jetzt so viele von uns Schlecker-Frauen ihren Arbeitsplatz verlieren werden", sagte die Betriebsratschefin Christel Hoffmann. Ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erneuerte die Forderung nach staatlicher Hilfe: Sie erwarte, dass die Politik alle Möglichkeiten erwäge, um die Schlecker-Mitarbeiter zu unterstützen. "Denn es ist immer besser in Arbeit zu investieren als in Arbeitslosigkeit."
Suche nach Investor
Insolvenzverwalter Geiwitz steht nun unter Zeitdruck. Bereits Ende März soll ihm zufolge das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Das Insolvenzrecht sehe vor, dass das Unternehmen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mit Verlusten weitergeführt werden dürfe. Zudem ließen sich anderenfalls auch keine möglichen Investoren finden.
Ein solcher neuer Investor sei wünschenswert, betonte Geiwitz. Für Meike und Lars Schlecker, die Kinder des Firmengründers, sieht der Insolvenzverwalter offenbar kaum Chancen, den sanierten Konzern wie geplant aus eigener Kraft weiter führen zu können.
Die Schlecker-Tochter Ihr Platz mit rund 6000 Arbeitsplätzen und 650 Filialen bleibt zunächst von den radikalen Einschnitten verschont. Geiwitz kündigte an, dass über die Sanierung von IhrPlatz separat entschieden werde.
Schlecker hatte am 23. Januar beim Amtsgericht Ulm Insolvenz beantragt, kurz danach folgte die Tochter IhrPlatz. Die Auslandstöchter von Schlecker sind bislang nicht insolvent.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Schlecker werde 16.500 Stellen abbauen. Das ist nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
cte/fdi/Reuters/dpa
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