Stuttgart - Handelsexperten empfehlen der insolventen Drogeriekette Schlecker einen drastischen Einschnitt. Das Unternehmen soll seinen bisherigen Markennamen aufgeben und sich stattdessen "IhrPlatz" zu nennen. Zwar sei Schlecker eines der bekanntesten Handelsunternehmen Deutschlands, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Manfred Hunkemöller, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der Ruf der Kette sei aber schwer belastet. "Die Diskussionen um Dumpinglöhne und Mitarbeiterschikanen bleiben beim Kunden in Erinnerung", so Hunkemöller.
Ähnlich sieht es der Art Directors Club Deutschland: "Als Marke hat Schlecker seine letzte Chance gehabt und verspielt. Der alte Name und Markenauftritt, wie man ihn vielerorts noch sieht mit engen, dunklen Läden und weiß-blauem Blockschrift-Logo, steht für den Unterschicht-Billig-Drogeriemarkt. Das war nicht Erlebniseinkauf, sondern Warenausgabestation", sagte Präsident Jochen Rädeker der "Wirtschaftswoche".
Schlecker hatte am Montag offiziell Insolvenzantrag gestellt. Die Drogeriemarktkette will damit einen Großteil der gut 7000 verbliebenen Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen retten. Auch die Schlecker-Tochter IhrPlatz hat die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Betroffen sind hier rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter.
IFH-Chef Hunkemöller empfiehlt dem insolventen Drogerieriesen nun, alle Filialen unter dem Namen der Tochtergesellschaft firmieren zu lassen. Nach Untersuchung des IFH genießen die Schlecker-Konkurrenten dm und Rossmann ein deutlich besseres Image unter den Verbrauchern als Schlecker.
SPD-Minister stellt Staatshilfe in Aussicht
Auch deshalb hat Schlecker in den vergangenen Jahren viele Kunden verloren. Laut der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) seit 2007 rund sechs Millionen. "Allein 2011 wanderten rund zwei Millionen Kunden ab", sagte GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth der "Wirtschaftswoche".
Rund 40 Prozent von Schleckers "verlorenen Umsätzen" landeten laut GfK bei Drogeriemärkten wie dm oder Rossmann. "Aber auch Supermärkte und Lebensmitteldiscounter konnten profitieren", so Adlwarth. Verantwortlich für den Kundenschwund sei auch das schlechte Image der Kette.
Für neue Hoffnung bei Schlecker sorgt nun der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD). Er stellt dem Unternehmen staatliche Hilfe in Aussicht. "Sollte das Insolvenzverfahren auf eine Investorenlösung hinauslaufen und ein Investor ein tragfähiges Konzept vorlegen, ist eine Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg denkbar", sagte Schmid der "Wirtschaftswoche". Darüber hinausgehende finanzielle Unterstützung schloss Schmid aus: "Direkte Hilfskredite an Schlecker wird es aber nicht geben."
cte/dpa/AFP
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