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Insolventer Drogerie-Discounter: Schlecker-Mitarbeiter erfuhren Pleitenachricht aus den Medien

Der Sparkurs hat nicht gereicht, die Drogeriekette Schlecker muss Insolvenz anmelden - mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind jetzt in Gefahr. Die Mitarbeiter wurden laut Gewerkschaft Ver.di von der Pleitenachricht völlig überrumpelt. "Es sind Tränen geflossen."

Schlecker-Filiale (in Bochum): "Wettbewerber werden von Tag zu Tag stärker" Zur Großansicht
dapd

Schlecker-Filiale (in Bochum): "Wettbewerber werden von Tag zu Tag stärker"

Hamburg - Hunderte Filialen hat Schlecker bundesweit geschlossen, gereicht hat es aber nicht - die Drogeriemarktkette geht in die Planinsolvenz. Die Gewerkschaft Ver.di, forderte umgehend den Eigentümer Anton Schlecker dazu auf, sich für die Rettung der Arbeitsplätze einzusetzen: "Anton Schlecker trägt persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten. Besonders in einem solchen Fall gilt: Eigentum verpflichtet", schrieb Ver.di in einer Pressemitteilung. Jetzt komme es darauf an, einen Weg zu finden, die mehr als 30.000 Arbeitsplätze bei Schlecker zu retten.

Das Unternehmen hatte am Freitag mitgeteilt, das der Insolvenzantrag "kurzfristig" eingereicht werde - Ziel sei es, einen großen Teil des Filialnetzes und damit der Arbeitsplätze zu erhalten, der Geschäftsbetrieb werde unverändert weiterlaufen.

Schlecker kämpfte im harten Wettbewerb auf dem Drogeriemarkt seit längerem gegen Verluste an. Zuletzt hatte das Unternehmen nach Informationen des manager magazin nach Investoren gesucht. Mit diesem Schritt hoffte Schlecker seine Finanznot zu lindern.

Die Nachricht der Schlecker-Insolvenz erreichte auch die rund 30.000 Mitarbeiter des Drogeriekonzerns erst am Freitag. Einem Schlecker-Sprecher zufolge gab es eine hausinterne Mitteilung. Wie ein Ver.di-Sprecher sagte, erfuhren die Beschäftigten die schlechte Nachricht aber zunächst aus den Medien. Die Berichte seien für viele Beschäftigte ein Schock gewesen. "Es sind Tränen geflossen."

In verschiedenen Stuttgarter Filialen der Drogeriekette wollten sich die Mitarbeiter nicht zu der angekündigten Insolvenz äußern. "Kein Kommentar" oder auch "Fragen Sie meine Bezirksleiterin", hieß es. In einer Filiale im Stuttgarter Westen sagte die Kassiererin: "Ich weiß von nichts. Wir wissen nicht einmal, ob wir geschlossen werden."

Kalt erwischt von der Nachricht wurde die Kassiererin einer Schlecker-Filiale in der Frankfurter Innenstadt: "Das überrascht mich total." Angst um Ihren Arbeitsplatz habe sie jedoch nicht. Ein paar Meter weiter gibt sich die Angestellte einer anderen Filiale betont ruhig. Sie vertraue auf die Beschäftigungssicherung und hoffe noch darauf, "dass irgendwann alles besser wird".

"Erst gegengelenkt, als es zu spät war"

Schlecker hat nach Experteneinschätzung viel zu spät auf neue Wünsche der Verbraucher und moderne Ladenkonzepte der Konkurrenz reagiert. "Schlecker hat erst gegengelenkt, als es längst zu spät war. Die Wettbewerber wurden mit jedem Tag stärker und Schlecker täglich schwächer", sagte der Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail der Nachrichtenagentur dpa.

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete das Unternehmen erneut mit sinkenden Erlösen. Zahlen zum Gewinn oder Verlust nennt Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei mehr als 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland.

Die Drogeriekette aus Ehingen bei Ulm hatte vor kurzem angekündigt, auch im neuen Jahr Filialen zu schließen: Das Unternehmen trenne sich von Läden, die rote Zahlen schreiben und die "auch nach wohlwollender Betrachtung" keine langfristige Perspektive haben. Schon in den vergangenen Monaten waren bundesweit 600 Filialen dichtgemacht worden und zugleich einige neue eröffnet. Bis Ende März sollen rund 600 weitere unrentable Läden wegfallen.

dm und Rossmann überzeugten die Kunden mehr

Zuletzt hatte Schlecker noch rund 7000 Läden in Deutschland und etwa 3000 weitere in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal. Vor allem die Karlsruher dm-Drogerien machten dem schwäbischen Familienkonzern schwer zu schaffen. Aber auch die niedersächsische Kette Rossmann holte auf. Beide Mitbewerber hatten ihre Umsätze zuletzt gesteigert - und haben aus Sicht von Branchenexperten ein erfolgreicheres Ladenkonzept und Sortiment.

Anton Schlecker hatte das Unternehmen 1975 gegründet und zeitweise zur größten Drogeriemarktkette Deutschlands aufgebaut. 2010 kamen die Schlecker-Kinder Lars und Meike an die Unternehmensspitze. Sie starteten eine Modernisierungskampagne. Läden sollen heller und größer werden, Farbleitsysteme die Produktpalette übersichtlicher machen. Das Sortiment soll sich der Kundschaft in der Umgebung anpassen. Wo es zum Beispiel viele Kinder gibt, bekommen Kunden eine größere Windelauswahl. In den modernisierten Filialen habe der Umsatz zwischen 8 und 30 Prozent angezogen, heißt es bei Schlecker.

yes/nck/dpa

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1. Good riddance.
Meskiagkasher 20.01.2012
Zitat von sysopDer Sparkurs hat nicht gereicht, die Drogeriekette Schlecker muss Insolvenz anmelden - mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind jetzt in Gefahr. Die Mitarbeiter wurden laut Gewerkschaft Ver.di von der Pleitenachricht völlig überrumpelt. "Es sind Tränen geflossen." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810442,00.html
Wenn auch bei ver.di Tränen fließen, bei den Verbrauchern werden wohl keine fließen. Bei Schlecker waren die Waren eben nicht günstig sondern billig.
2. x
ralf_gabriel 20.01.2012
Zitat von sysopDer Sparkurs hat nicht gereicht, die Drogeriekette Schlecker muss Insolvenz anmelden - mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind jetzt in Gefahr. Die Mitarbeiter wurden laut Gewerkschaft Ver.di von der Pleitenachricht völlig überrumpelt. "Es sind Tränen geflossen." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810442,00.html
Typisch. Stil und Anstand ist in der Geschäftswelt egal. Aber die Geschäftsführung von Schlecker hatte eh kein prächtiges Verhältnis zu den Angestellten. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.
3. Verdient
sethos_1 20.01.2012
Zitat von sysopDer Sparkurs hat nicht gereicht, die Drogeriekette Schlecker muss Insolvenz anmelden - mehr als 30.000 Arbeitsplätze sind jetzt in Gefahr. Die Mitarbeiter wurden laut Gewerkschaft Ver.di von der Pleitenachricht völlig überrumpelt. "Es sind Tränen geflossen." http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810442,00.html
Ich als Wirtschaftsethiker sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Firmen, die sich nicht an Regeln halten, werden auf Dauer nicht am Markt überleben. Der Kunde hat vielleicht endlich begriffen, dass er mit seinem Kaufverhalten Unternehmen massiv in ihrer Existenz beeinträchtigen kann. Schlecker hat sich unmoralisch verhalten und damit endlich die Quittung erhalten. Das nun Schlecker ganz vom Markt verschwindet glaube ich nicht, die geordnete Planinsolvenz wird wohl zu Verkleinerung führen. Dies wird zwar zu Entlassungen führen, aber sicher nicht zu einer Totalauflösung. Ich persönlich werde trotz Verhaltensänderung des Hauses Schlecker nicht wieder Kunde sein wollen. Ich honoriere Unternehmen, die sich nicht nur juristisch einwandfrei, sondern auch moralisch rechtens verhalten. Die Kunden sollten auch andere Unternehmen abstrafen. Und zwar kontinuierlich und massiv.
4. Herrlich !
adam68161 20.01.2012
Da treiben die im warmen Sessel sitzenden Gewerkschaftsbonzen (Ver.di = mit dem hat sie nun wahrlich nichts zu tun) ein Unternehmen mit in die Pleite und jetzt "verpflichtet Eigentum". Ich schmeiss mich weg!
5.
QuixX 20.01.2012
---Zitat--- Schlecker hat nach Experteneinschätzung viel zu spät auf neue Wünsche der Verbraucher und moderne Ladenkonzepte der Konkurrenz reagiert. Insolventer Drogerie-Discounter: Schlecker-Mitarbeiter erfuhren Pleitenachricht aus den Medien - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810442,00.html) ---Zitatende--- Ich war froh, wenn ein Laden sein Konzept nicht ständig ändert, und die Artikel dort stehen, wo sie schon immer waren. Aber vielleicht hilft das Umher-Irren in einem neuen sensationellen Markt auf der Suchen nach Toilettenpapier ja auch der Umsatzförderung. Ansonsten klingt "Expertenschätzung" nach beleidigtem Konzeptschöpfer, der seine Vorstellungen nicht Wert schöpfend (Konto des Business-Kaspers) verkaufen konnte.
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Deutsche Drogerieketten
Die Drogeriebranche in Deutschland ist seit Jahren umkämpft. Besonders die Probleme des jahrzehntelang unbestrittenen und inzwischen im Insovenzverfahren befindlichen Marktführers Schlecker lassen die Konkurrenten dm und Rossmann immer stärker aufholen.
Schlecker
Schlecker war bis vor kurzem die Nummer eins. Mit Geschäftszahlen hält sich der Familienkonzern zurück. 2010 setzte die Kette aus Ehingen bei Ulm noch 6,55 Milliarden Euro um. 2011 sollen der Erlöse "leicht" gesunken sein.

Nach mehreren Verlustjahren - zur Höhe ist nichts zu erfahren - meldete Schlecker am 23. Januar 2012 Insolvenz an. Auch mehrere Tochtergesellschaften waren betroffen, am 26. Januar folgte die Tochter IhrPlatz. Angestrebt wird ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren, bei dem die bisherige Unternehmensführung die Sanierung betreiben würde.

Die Mitarbeiterzahl liegt bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Nach Hunderten Schließungen liegt die Zahl der Läden in Deutschland wohl knapp unter 7000, hinzu kommt die Tochter IhrPlatz. 3000 weitere Schlecker-Filialen gibt es in Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Portugal.

dm
Die Karlsruher Kette ist auf dem besten Weg an die Drogeriemarkt-Spitze. Auch hier gibt es keine Zahlen zum Ergebnis; das ebenfalls in Familieneigentum befindliche Unternehmen gibt sich aber nach eigenen Angaben mit einem Prozent Rendite zufrieden - und steckt das Geld ansonsten in soziale Projekte.

Erlöst hat dm im Geschäftsjahr 2010/11 rund 6,17 Milliarden Euro; das war ein Plus von 9,3 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahr. Von den 2536 Filialen liegen 1256 in Deutschland. Ihre Grundfläche ist grundsätzlich größer als die der Konkurrenz, insbesondere die der Schlecker-Läden. Von den rund 39.100 Beschäftigten arbeiten 25.450 in Deutschland.

Rossmann
Die drittgrößte deutsche Drogeriekette hat 2011 erstmals in ihrer 40-jährigen Firmengeschichte die Fünf-Milliarden-Umsatzmarke geknackt. Das hat das Unternehmen vor zwei Wochen bekanntgegeben.

Der Umsatz lag bei 5,12 Milliarden Euro, ein Plus von 10,5 Prozent. Zum Ergebnis macht das Unternehmen aus Burgwedel in Niedersachsen keine Angaben. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet. Rossmann betreibt in sechs europäischen Ländern 2531 Märkte und beschäftigt rund 31.000 Mitarbeiter. In Deutschland will Rossmann in diesem Jahr 110 neue Verkaufsstellen eröffnen. Dabei sollen rund tausend neue Arbeitsplätze entstehen.



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