Augsburg/Offenbach - Es ist ein bitterer Tag für Tausende Beschäftigte des Druckmaschinenbauers Manroland: Ihre Firma hat Insolvenz angemeldet und kann die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Bereits für November würden keine Löhne und Gehälter mehr überwiesen, sagte die Betriebsrätin des Werks Offenbach, Alexandra Roßel. Manroland musste am Freitagmittag beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz anmelden.
Den Beschäftigten ist zumindest staatliche Hilfe gewiss: Mitarbeiter zahlungsunfähiger Unternehmen bekommen zum Ausgleich für ihr Gehalt über die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld. Diese Zahlung gibt es aber nur für drei Monate.
Den Mitarbeitern wurde in Betriebsversammlungen die Pleite von Manroland mitgeteilt. Daraufhin demonstrierten am Standort Offenbach spontan etwa 500 Beschäftigte gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze. Im dortigen Werk sind derzeit 1900 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen hat bundesweit etwa 6600 Beschäftigte. Die Zentrale ist in Augsburg, ein weiterer Standort im sächsischen Plauen. Am Umsatz gemessen ist es die größte Firmenpleite in Deutschland seit der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor 2009.
Manroland will Insolvenz für Sanierung nutzen
Die IG Metall will Manroland noch nicht abschreiben. Die Gewerkschaft erklärte, sie sehe "gute Chancen" für die Sicherung der Arbeitsplätze. Dies müsse der zentrale Auftrag des Insolvenzverwalters sein, forderte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. Er ist zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Manroland.
Vor allem die Gesellschafter MAN
und Allianz
müssten mit "erheblicher finanzieller Unterstützung" an einem Verfahren mitwirken, forderte Kerner. Die beiden Altgesellschafter seien hauptsächlich dafür verantwortlich, dass keine Lösung gefunden werden konnte.
Der Konzern selbst gab sich verhalten optimistisch. Man werde das Insolvenzverfahren für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren, teilte der Druckmaschinenhersteller mit. "Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat", hieß es.
Gespräche mit Investor scheiterten
Manroland gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Allianz Capital Partners (ACP). Auch die Volkswagen
-Tochter MAN hält Anteile. Es sei aus ökonomischen Gründen nicht mehr zu verantworten gewesen, weiteres Geld in den Augsburger Konzern zu stecken, teilte eine Allianz-Sprecherin mit. "Wir haben uns bemüht, eine andere Lösung zu finden. Das ist leider nicht gelungen", sagte ein MAN-Sprecher.
Ein Grund für die Pleite sei das Scheitern von Gesprächen mit einem möglichen Investor gewesen, teilte Manroland mit. "Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat", hieß es weiter. Zudem klagten viele Kunden infolge der Krise über Finanzierungsschwierigkeiten bei Aufträgen. Gleichzeitig hat der Wettbewerbsdruck angesichts sinkender Aufträge zu einer weiteren Verschärfung des Preisdrucks und damit zu sinkenden Deckungsbeiträgen geführt."
Den Druckmaschinenherstellern machen vor allem billige Konkurrenz aus Asien und auch das Internet zu schaffen. Manroland ist nach den deutschen Konkurrenten Heidelberger Druck
und Koenig & Bauer
die weltweite Nummer drei unter den Druckmaschinenbauern.
Aktien der Konkurrenten profitieren von Pleite
Den Aktien der beiden deutschen Manroland-Rivalen gab die Pleite zunächst Auftrieb. Die Papiere von Heidelberger Druck legten in der Spitze um 10,8 Prozent auf 1,43 Euro zu und waren damit mit Abstand größter Gewinner im MDax. Die im SDax gelisteten Papiere von Koenig & Bauer stiegen um bis zu 7,2 Prozent auf 10,71 Euro.
Doch grundsätzlich blicken beide Unternehmen auf ein schlechtes Börsenjahr zurück. Seit Anfang 2011 haben die Anteilsscheine von Heidelberger Druck rund 65 Prozent an Wert eingebüßt, die Papiere von Koenig & Bauer weisen einen Kursverlust von 40 Prozent auf.
Ob die beiden Firmen von der Insolvenz von Manroland langfristig profitieren, ist unter Analysten umstritten. Für die Geschäfte von Heidelberger Druck und Koenig & Bauer dürfte die Insolvenz von Vorteil sein, da dadurch der Preisdruck in der Branche gelindert werde, schrieb Equinet-Analyst Holger Schmidt.
Dagegen äußerte sich DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger zumindest zu Heidelberger Druck skeptisch. Die Firma habe in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr davon profitieren können, dass Manroland etliche Kunden davonliefen. Konkurrent Koenig & Bauer dagegen sei bei Rollendruckmaschinen aktiv, ein Segment, in dem Manroland bisher einen signifikanten Marktanteil besessen habe.
Analysten sehen die Aussichten für Druckmaschinenhersteller generell skeptisch. Es gebe noch immer zu viel Überkapazität am Markt, hieß es. Strukturell schrumpfe der ganze Sektor weiter.
mmq/Reuters/dpa
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