Wirtschaft


  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Insolventer Druckmaschinenbauer Manroland kann Mitarbeiter nicht mehr bezahlen

Protestzug von Manroland-Mitarbeitern in Offenbach: Kein Lohn für NovemberZur Großansicht
DPA

Protestzug von Manroland-Mitarbeitern in Offenbach: Kein Lohn für November

Kurz vor Weihnachten müssen Tausende Mitarbeiter von Manroland ohne Gehalt auskommen. Laut Betriebsrat kann der insolvente Druckmaschinenhersteller bereits die Löhne für November nicht mehr zahlen. Die IG Metall will die Firma aber noch nicht aufgeben.

Augsburg/Offenbach - Es ist ein bitterer Tag für Tausende Beschäftigte des Druckmaschinenbauers Manroland: Ihre Firma hat Insolvenz angemeldet und kann die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Bereits für November würden keine Löhne und Gehälter mehr überwiesen, sagte die Betriebsrätin des Werks Offenbach, Alexandra Roßel. Manroland musste am Freitagmittag beim Amtsgericht Augsburg Insolvenz anmelden.

Den Beschäftigten ist zumindest staatliche Hilfe gewiss: Mitarbeiter zahlungsunfähiger Unternehmen bekommen zum Ausgleich für ihr Gehalt über die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzgeld. Diese Zahlung gibt es aber nur für drei Monate.

Den Mitarbeitern wurde in Betriebsversammlungen die Pleite von Manroland mitgeteilt. Daraufhin demonstrierten am Standort Offenbach spontan etwa 500 Beschäftigte gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze. Im dortigen Werk sind derzeit 1900 Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen hat bundesweit etwa 6600 Beschäftigte. Die Zentrale ist in Augsburg, ein weiterer Standort im sächsischen Plauen. Am Umsatz gemessen ist es die größte Firmenpleite in Deutschland seit der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor 2009.

Manroland will Insolvenz für Sanierung nutzen

Die IG Metall will Manroland noch nicht abschreiben. Die Gewerkschaft erklärte, sie sehe "gute Chancen" für die Sicherung der Arbeitsplätze. Dies müsse der zentrale Auftrag des Insolvenzverwalters sein, forderte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner. Er ist zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Manroland.

Vor allem die Gesellschafter MAN Chart zeigen und Allianz Chart zeigen müssten mit "erheblicher finanzieller Unterstützung" an einem Verfahren mitwirken, forderte Kerner. Die beiden Altgesellschafter seien hauptsächlich dafür verantwortlich, dass keine Lösung gefunden werden konnte.

Der Konzern selbst gab sich verhalten optimistisch. Man werde das Insolvenzverfahren für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren, teilte der Druckmaschinenhersteller mit. "Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat", hieß es.

Gespräche mit Investor scheiterten

Manroland gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Allianz Capital Partners (ACP). Auch die Volkswagen Chart zeigen-Tochter MAN hält Anteile. Es sei aus ökonomischen Gründen nicht mehr zu verantworten gewesen, weiteres Geld in den Augsburger Konzern zu stecken, teilte eine Allianz-Sprecherin mit. "Wir haben uns bemüht, eine andere Lösung zu finden. Das ist leider nicht gelungen", sagte ein MAN-Sprecher.

Ein Grund für die Pleite sei das Scheitern von Gesprächen mit einem möglichen Investor gewesen, teilte Manroland mit. "Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat", hieß es weiter. Zudem klagten viele Kunden infolge der Krise über Finanzierungsschwierigkeiten bei Aufträgen. Gleichzeitig hat der Wettbewerbsdruck angesichts sinkender Aufträge zu einer weiteren Verschärfung des Preisdrucks und damit zu sinkenden Deckungsbeiträgen geführt."

Den Druckmaschinenherstellern machen vor allem billige Konkurrenz aus Asien und auch das Internet zu schaffen. Manroland ist nach den deutschen Konkurrenten Heidelberger Druck Chart zeigen und Koenig & Bauer Chart zeigen die weltweite Nummer drei unter den Druckmaschinenbauern.

Aktien der Konkurrenten profitieren von Pleite

Den Aktien der beiden deutschen Manroland-Rivalen gab die Pleite zunächst Auftrieb. Die Papiere von Heidelberger Druck legten in der Spitze um 10,8 Prozent auf 1,43 Euro zu und waren damit mit Abstand größter Gewinner im MDax. Die im SDax gelisteten Papiere von Koenig & Bauer stiegen um bis zu 7,2 Prozent auf 10,71 Euro.

Doch grundsätzlich blicken beide Unternehmen auf ein schlechtes Börsenjahr zurück. Seit Anfang 2011 haben die Anteilsscheine von Heidelberger Druck rund 65 Prozent an Wert eingebüßt, die Papiere von Koenig & Bauer weisen einen Kursverlust von 40 Prozent auf.

Ob die beiden Firmen von der Insolvenz von Manroland langfristig profitieren, ist unter Analysten umstritten. Für die Geschäfte von Heidelberger Druck und Koenig & Bauer dürfte die Insolvenz von Vorteil sein, da dadurch der Preisdruck in der Branche gelindert werde, schrieb Equinet-Analyst Holger Schmidt.

Dagegen äußerte sich DZ-Bank-Analyst Karsten Oblinger zumindest zu Heidelberger Druck skeptisch. Die Firma habe in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr davon profitieren können, dass Manroland etliche Kunden davonliefen. Konkurrent Koenig & Bauer dagegen sei bei Rollendruckmaschinen aktiv, ein Segment, in dem Manroland bisher einen signifikanten Marktanteil besessen habe.

Analysten sehen die Aussichten für Druckmaschinenhersteller generell skeptisch. Es gebe noch immer zu viel Überkapazität am Markt, hieß es. Strukturell schrumpfe der ganze Sektor weiter.

mmq/Reuters/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 42 Beiträge
Der Staat könnte doch, obwohl er im Augenblick etwas klamm ist den Druckmaschinenherstellern in Deutschland unter die Arme greifen. Vorraussetzung wäre eine Zusammenlegung von Man Roland, Heidelberger Druck und König & Bauer. [...]
Der Staat könnte doch, obwohl er im Augenblick etwas klamm ist den Druckmaschinenherstellern in Deutschland unter die Arme greifen. Vorraussetzung wäre eine Zusammenlegung von Man Roland, Heidelberger Druck und König & Bauer. Das sind doch alle Weltmarktführer denen es ziemlich schlecht geht. Vielleicht kann so ein schlagkräftiger Konzern geformt werden. Arbeitsplätze werden dabei natürlich nicht alle erhalten werden können, aber es ist besser als wenn nach und nach alle Druckmaschinenkonzerne den Bach runtergehen, oder? So stellt sich das jedenfalls der kleine Moritz vor. Einfach mal drüber nachdenken.
Der Bruddler 25.11.2011
Die Metaller sollen das bleiben lassen - aber vermutlich werden die das nie kapieren. In der Situation die aus dem Druckmaschinenmarkt herrscht kann nur eine Marktbereinigung dazu führen, dass es den Angestellten besser gehen [...]
Die Metaller sollen das bleiben lassen - aber vermutlich werden die das nie kapieren. In der Situation die aus dem Druckmaschinenmarkt herrscht kann nur eine Marktbereinigung dazu führen, dass es den Angestellten besser gehen kann.
redwed09 25.11.2011
Natürlich wird es den Beschäftigten besser gehen, Sie können sich dann in der H4 Hängematte gemütlich machen und die spätrömische Dekadenz voll ausleben. Es kann den Beschäftigten nach einer Marktbereinigung nur besser gehen.
Zitat von Der BruddlerDie Metaller sollen das bleiben lassen - aber vermutlich werden die das nie kapieren. In der Situation die aus dem Druckmaschinenmarkt herrscht kann nur eine Marktbereinigung dazu führen, dass es den Angestellten besser gehen kann.
Natürlich wird es den Beschäftigten besser gehen, Sie können sich dann in der H4 Hängematte gemütlich machen und die spätrömische Dekadenz voll ausleben. Es kann den Beschäftigten nach einer Marktbereinigung nur besser gehen.
derlabbecker 25.11.2011
Sorry, aber wenn ich morgens Insolvenzantrag stelle, und danach sage, sorry, schon für diesen Monat gibts kein Gehalt mehr, stinkt was. Das wissen die schon was länger...
Sorry, aber wenn ich morgens Insolvenzantrag stelle, und danach sage, sorry, schon für diesen Monat gibts kein Gehalt mehr, stinkt was. Das wissen die schon was länger...
onecomment 25.11.2011
Das es der Firma nicht gut geht mag für Sie überrraschend ein.
Zitat von derlabbeckerSorry, aber wenn ich morgens Insolvenzantrag stelle, und danach sage, sorry, schon für diesen Monat gibts kein Gehalt mehr, stinkt was. Das wissen die schon was länger...
Das es der Firma nicht gut geht mag für Sie überrraschend ein.
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
alles zum Thema Wirtschaft in Deutschland

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP