Zunehmend größere Betriebe gefährdet Insolvenzen treffen mehr Mitarbeiter

Obwohl die Zahl der Insolvenzen abnimmt, müssen mehr Mitarbeiter um ihren Job fürchten - denn es trifft immer größere Unternehmen. Zwei Branchen sind besonders bedroht.

Baustelle (Archiv)
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Deutlich mehr Mitarbeiter waren im vergangenen Halbjahr von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen - und das, obwohl die Insolvenzzahlen insgesamt sanken. Seit Jahresbeginn traf es der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge etwa 120.000 Beschäftigte. Das entspricht einer Steigerung von 18,8 Prozent oder etwa 19.000 Angestellten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Insolvenzen sank zeitgleich um 3,3 Prozent auf 9900.

Der Grund für die steigende Zahl an Betroffenen sei, dass immer mehr mittelständische und größere Unternehmen von einer Pleite betroffen seien, teilte Creditreform mit. Die Zahl der von einer Insolvenz betroffenen Arbeitnehmer war zuletzt im Jahr 2012 angestiegen.

Mit einem Anteil von knapp 57 Prozent meldeten zwar kleine Einzelunternehmer immer noch die meisten Insolvenzen an. Während die Pleiten von Kleinstunternehmen jedoch um 10,2 Prozent zurückgingen, erhöhte sich die Zahl der Insolvenzen bei mittelständischen Unternehmen mit Jahresumsätzen zwischen 5 und 25 Millionen Euro um 10,8 Prozent. Bei den Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro stieg die Zahl sogar um 66,7 Prozent an.

Durch die zunehmenden Insolvenzen größerer Unternehmen mussten Gläubiger im ersten Halbjahr auf mehr Forderungen verzichten. So stieg der durch eine Insolvenz angerichtete Schaden um knapp 300.000 Euro auf durchschnittlich etwa 1,6 Millionen Euro an. Insgesamt bezifferte Creditreform den in diesem Jahr durch Unternehmensinsolvenzen angerichteten Schaden auf mindestens 15,5 Milliarden Euro.

Creditreform-Sprecher Michael Bretz machte etwa Defizite bei der Digitalisierung bei älteren und etablierten Unternehmen für die Zunahme verantwortlich. "Da können Unternehmen die aktuelle Entwicklung nicht mitmachen", sagte er. Peter Kranzusch vom Institut für Mittelstandsforschung wies dagegen auf ein besonders niedriges Insolvenzrisiko familiengeführter Mittelständler hin. Hier könnten mangelnde Ressourcen etwa beim Controlling das Krisenrisiko jedoch auch erhöhen.

Mit einer Quote von 71 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen verzeichnete der Handel neben dem Baugewerbe die meisten Insolvenzen. Während die Pleiten am Bau deutlich zurückgingen, verbesserte der Handel sich kaum. Mit einem Anteil von 21,8 Prozent an den Gesamtinsolvenzen betraf mehr als jede fünfte einen Händler.

Ein Grund hierfür sei der erhöhte Wettbewerbsdruck durch den Onlinehandel, teilte Creditreform weiter mit. Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels erwartet für den Onlinehandel ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich, im Einzelhandel nur etwa zwei Prozent bis Jahresende 2018.

ire/dpa-afxp

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