Insolvenzantrag: Solarfirma Conergy ist pleite

Einst war Conergy der Star einer deutschen Vorzeigebranche - nun muss die Solarfirma Insolvenz anmelden. Die Pleite steht für den Niedergang der deutschen Photovoltaikindustrie. Das Unternehmen hofft nun auf einen Investor aus Fernost.

Conergy-Logo in Hamburg: Hoffen auf einen Investor Zur Großansicht
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Conergy-Logo in Hamburg: Hoffen auf einen Investor

Hamburg/Frankfurt am Main - Es ist der nächste große Rückschlag für die deutsche Solarindustrie: Conergy ist pleite. Der einstige Börsenstar stellte am Freitag beim Hamburger Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Dazu habe aktuell eine unerwartete Zahlungsverzögerung aus einem Großprojekt geführt, teilte das Unternehmen mit. Zudem hätten sich die kreditgebenden Banken trotz monatelanger Verhandlungen nicht auf ein vom Vorstand vorgelegtes Zukunftskonzept verständigen können, das den Einstieg eines neuen Investors vorsah.

Conergy kämpfte seit Jahren ums Überleben. Auch eine für die Aktionäre schmerzhafte Umschuldung im Jahr 2011 brachte nicht die Wende. Zuletzt machte die schwere Branchenkrise die erhoffte Erholung zunichte. Überkapazitäten in Deutschland, ein Rückgang der staatlichen Förderung und billige Konkurrenz aus China machen der heimischen Solarindustrie schwer zu schaffen.

Die Zahl der Unternehmen war zuletzt drastisch geschrumpft. Branchengrößen wie Q-Cells, Solon Chart zeigen oder Solar Millennium Chart zeigenmussten bereits Insolvenz anmelden. Auch der einstige Marktführer Solarworld Chart zeigen ist längst ein Sanierungsfall.

Conergy Chart zeigen hatte zuletzt auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte. In der Mitteilung am Freitag hieß es, die Unternehmensleitung sei unverändert zuversichtlich, mithilfe eines Investors den Geschäftsbetrieb weiterzuführen.

Im vergangenen Jahr hatte Conergy einen operativen Verlust von 83 Millionen Euro geschrieben. Der Preisverfall und der teure Ausstieg aus einem Liefervertrag mit dem US-Waferproduzenten MEMC hatten dem Konzern die Bilanz verhagelt. Im laufenden Jahr sollte wieder ein kleiner operativer Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zu Buche stehen.

Betroffen von der Insolvenz des Konzerns sind alle wichtigen deutschen Tochtergesellschaften. Dazu gehört auch die Modulfertigung in Frankfurt an der Oder. Conergy hatte zuletzt rund 1200 Beschäftigte.

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 296 Beiträge
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1. Subventionierter
gilles027 05.07.2013
Mist. Asbeck und Konsorten haben den Steuerzahler bestohlen unter Zuhilfenahme der Politik.
2. Nicht nur der Markt und die äußeren Umstände,
Klaus100 05.07.2013
sondern wohl auch das Management hat zur Entwicklung beigetragen. Die Insolvenz ist Folge einer Vielzahl von Faktoren, aber auch von zu schnellem unverantwortlichem Wachstum, falschen Lieferverträgen, etc.. Die Quellen hierzu finden sich im Handelsblatt, in Wiwo, usw.
3. Rettender Investor aus Asien
romanfi 05.07.2013
Zitat von sysopConergy hatte zuletzt auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt ...
War das von den Chinesen nicht so geplant? Erst mit Dumpingpreisen kaputt machen, und dann billig einkaufen?
4. optional
kommentar4711 05.07.2013
Tja, Geschäftsmodelle auf Basis staatlicher Fördergelder funktionieren halt nicht auf Dauer.
5. Schade...
ortilius 05.07.2013
als ehemaliger Mitarbeiter tut es mir ganz besonders leid. Gruss an alle Ex Kollegen. Aber bei dem Management kein Wunder, da sind leider nur die schlechten geblieben, ihr alle kennt die Namen.
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