Baumarktkette: Insolvenzverwalter schließt 51 Praktiker-Märkte

Praktiker-Werbung in Köln: 51 Märkte werden verkauft Zur Großansicht
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Praktiker-Werbung in Köln: 51 Märkte werden verkauft

Bei Praktiker beginnt der Ausverkauf: Für 51 Baumärkte sieht der Insolvenzverwalter keine Überlebenschance. Nach einem Sonderverkauf werden die Standorte in ganz Deutschland Ende Oktober abgestoßen. Den 2500 Beschäftigten soll allerdings zunächst nicht gekündigt werden.

Hamburg - Bei Praktiker beginnt die Filetierung: Der Verwalter der insolventen Baumarktkette sieht für insgesamt 51 Verlustbringer keine Überlebenschance und will diese Märkte möglichst rasch abstoßen. Die quer über das Bundesgebiet verstreut liegenden Häuser mit insgesamt rund 2500 Beschäftigten schrieben seit längerem tiefrote Zahlen und belasteten damit die übrigen Filialen erheblich, begründete Rechtsanwalt Christopher Seagon den überraschenden Schritt am Freitag in Hamburg. "Diese Märkte haben unter dem Dach von Praktiker und Max Bahr keine Perspektive", sagte er.

Den betroffenen Mitarbeitern an den 51 Standorten, darunter drei Bau+Hobby-Häuser, soll noch nicht gekündigt werden. Sie sollen in der nächsten Woche in den Märkten damit beginnen, die Waren mit Rabatten loszuschlagen, damit die leeren Gebäude potentiellen Investoren aus anderen Branchen angeboten werden können. Der Abverkauf solle spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein, hieß es. Es sei nicht zu erwarten, dass Investoren, die Praktiker und Max Bahr als Ganzes oder in Teilen übernehmen wollten, diese Standorte als Baumärkte fortführen würden, erläuterte Seagon.

Gleichzeitig treibt der Insolvenzverwalter den Verkauf von Praktiker voran. Verschiedene strategische und Finanzinvestoren haben bereits Interesse an einer Übernahme der Gruppe im Ganzen oder in Teilen bekundet. Mit konkreten Angeboten rechnet Seagon Anfang September. Der Verwalter hatte sich bereits vor wenigen Tagen mit Lieferanten, Banken und Kreditversicherern über die Finanzierung der Warenlieferungen an die Märkte geeinigt. Damit kann der Betrieb in den verbleibenden 120 Praktiker- und elf Bau+Hobby-Häusern weitergehen. Bisher betreibt Praktiker 168 Märkte, hinzu kommen 14 Bau+Hobby-Häuser.

Dagegen laufen die Verhandlungen über einen Massekredit für die Max-Bahr-Läden noch. Die Tochter hatte zwei Wochen nach dem Zusammenbruch von Praktiker ebenfalls wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet, entsprechend später dürften die Gespräche mit den Banken abgeschlossen werden. Außer den 78 angestammten Max-Bahr-Märkten waren 54 ehemalige Praktiker-Häuser im Zuge der Sanierung in "Max Bahr" umgeflaggt worden.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Mitarbeiter
Askan 09.08.2013
Was mich wundert: Das Problem der Mitarbeiter wird überhaupt nicht thematisiert. Bei den Schleckerfrauen war die Solidarität und das Mitgefühl groß. in 51 Häusern werden 2500 Mitarbeiter entlassen, hinzu kommen die in den übrigen Häusern und in den Max-Bahr-Filialen. Mir ist die Anzahl aller Mitarbeiter nicht geläufig. Hochgerechnet könnten dort auch 10000 Menschen sein, die ihren Job verleiren oder vor einer ungewissen Zukunft stehen.
2. Vergleich
beemzett 09.08.2013
Bei Schlecker gabs halt den Herrn Schlecker, hier keinen Herrn Praktiker oder Bahr. Schlecker war für die Kunden auch noch der letzte Grundversorger mit vielen Kleinigkeiten, die man sonst nicht mehr in der Nähe bekam. Zum Baumarkt fährt man immer mit dem Auto, da ist das egal. Und in Baumärkten arbeiten auch viele Männer und nicht die Schleckerfrauen.
3. Vielleicht deshalb,
deutscher_demokrat 09.08.2013
weil in Baumärkten (jedenfalls prozentual) mehr Männer arbeiten als Frauen, und bei "Praktiker-Männern" der auf Emotionen abzielende Tränendrüsen-Journalismus nicht so funktioniert wie bei den "Schlecker-Frauen" (bei denen man ja manchmal den Eindruck hatte, sie wären alle Heilige und überhaupt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft)...
4. 20% auf alles ohne Stecker
Der_Scheich 09.08.2013
Zitat von AskanWas mich wundert: Das Problem der Mitarbeiter wird überhaupt nicht thematisiert. Bei den Schleckerfrauen war die Solidarität und das Mitgefühl groß. in 51 Häusern werden 2500 Mitarbeiter entlassen, hinzu kommen die in den übrigen Häusern und in den Max-Bahr-Filialen. Mir ist die Anzahl aller Mitarbeiter nicht geläufig. Hochgerechnet könnten dort auch 10000 Menschen sein, die ihren Job verleiren oder vor einer ungewissen Zukunft stehen.
Vielleicht erinnern sich die Politiker der diversen Parteien noch an ihre doch recht peinlich-populistischen Auftritte in Folge der Schlecker-Pleite. Ist noch nicht zu lange her und wenn wieder ähnlich gepoltert und gefordert werden sollte dann könnte ja jemand auf die Idee kommen, mal nachzufragen, welchen der damals ähnlich großen Worte denn auch Taten folgten. Da wird es dann dünn. Die FDP mag selten recht haben (und Formulierungen wie "Anschlussverwendungen der Schlecker-Frauen" waren auch wirklich unglücklich) aber da hatte sie recht. Im Einzelfall betrachtet ist der Verlust des Arbeitsplatzes natürlich immer tragisch. Es geht ja zum aktuellen Zeitpunkt ERSTMAL um 51 Märkte. Andere Märkte werden wahrscheinlich noch folgen. Der ein oder andere wird vielleicht sogar unter dem Namen eines Konkurrenten wieder aufmachen. Vielleicht reicht das Maßnahmenpaket sogar um noch ein paar Märkte überstehen zu lassen. Aber in seiner Gesamtheit wäre es - abgesehen von den MA-Schicksalen - auch um den Komplettverlust von Praktiker genau so wenig tragisch wie bei Schlecker
5. Richtig Askan @ 1 Mitarbeiter
karlsiegfried 09.08.2013
Auf Schlecker waen ohnehin alle sauer, weil sich die Schleckerangestellten ständig öffentlich beschwerten. Für die Gewerkschaften war Schlecker ein gefundenes Fressen um sich zu präsentieren und umsich als Retter darzustellen. Aber Schlecker ist mittlerweile Geschichte und Praktika wird es auch bald sein. Heiliger St. Florian, schmeiss andere raus und tu mir nichts an.
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