Paul Otellini Intel-Chef kündigt Rückzug an

Einer der mächtigsten Manager der IT-Branche tritt zurück. Paul Otellini, seit acht Jahren Chef des weltgrößten Chipkonzerns Intel, wird im Mai 2013 seinen Posten aufgeben. Er hat den Konzernumsatz deutlich gesteigert und die Aktionäre glücklich gemacht. Er hinterlässt aber auch ein großes Problem.

Intel-Chef Paul Otellini auf der CES 2012: Rücktritt im Mai
REUTERS

Intel-Chef Paul Otellini auf der CES 2012: Rücktritt im Mai


Santa Clara - Seit fast 40 Jahren arbeitet Paul Otellini bei Intel, die vergangenen acht Jahre stand er an der Spitze des weltgrößten Herstellers von Computerchips. Jetzt hat Otellini seinen Rücktritt angekündigt: Im kommenden Mai wird der Ausnahmemanager seinen Posten aufgeben, wie Intel am Montag am Konzernsitz Santa Clara mitteilte.

Ein Nachfolger ist demnach noch nicht gefunden, es seien aber sowohl interne als auch externe Kandidaten denkbar. Zeitgleich wurden drei Intel-Manager zu Vizepräsidenten befördert: Renee James, Leiterin der Software-Abteilung, Produktionschef Brian Krzanich und Finanzchef Stacy Smith.

Intel-Verwaltungsratschef Andy Bryant lobte Otellini als "starke Führungspersönlichkeit". Er habe das Unternehmen durch schwierige Zeiten geführt. Damit dürfte Bryant besonders auf die Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 anspielen, die Intel fast ohne Blessuren überstanden hatte - anders als etwa der wesentlich kleinere Rivale AMD. In den vergangenen acht Jahren ist der weltgrößte Halbleiter-Hersteller unter der Ägide von Otellini kräftig gewachsen. Allerdings ist das Unternehmen auf herkömmliche Computer spezialisiert und hatte den frühzeitigen Einstieg ins boomende Geschäft mit Smartphones und Tablet-PC verpasst.

"Es ist an der Zeit, weiterzuziehen und das Ruder bei Intel an eine neue Führungsgeneration abzugeben", sagte Otellini, der insgesamt vier Jahrzehnte in dem Unternehmen gearbeitet hatte. Während Otellinis Amtszeit stieg der Jahresumsatz von knapp 39 auf 54 Milliarden Dollar. Die Aktionäre durften sich über 23,5 Milliarden Dollar an Dividenden freuen. Intel-Prozessoren stecken heute in vier von fünf Personal Computern. Mit einem Börsenwert von mehr als hundert Milliarden Dollar gehört das Unternehmen aus dem kalifornischen Santa Clara zu den teuersten Konzernen der Welt.

Allerdings ist der Aktienkurs seit Jahresbeginn um 17 Prozent gefallen. Grund sind die schnell sinkenden PC-Verkäufe. Zum einen halten sich Firmen angesichts der unsicheren Wirtschaftslage mit Neuanschaffungen zurück. Zum anderen greifen viele Verbraucher mittlerweile eher zu einem Tablet-Computer wie Apples iPad, oder ihr Smartphone reicht ihnen fürs Surfen im Web.

Bei Smartphones und Tablet-Computern werden besonders sparsame Chips benötigt. Hier ist die Technologie des britischen Chip-Entwicklers ARM führend. Intel-Prozessoren, die leistungsstärker, aber dadurch auch stromhungriger sind, stecken bisher nur in einigen wenigen Smartphone-Modellen. Vor dem nächsten Chef liegt die überlebenswichtige Aufgabe, Intel in diesem Bereich stärker aufzustellen. Zuletzt waren der Quartalsumsatz um fünf Prozent und der Gewinn um 14 Prozent gefallen.

nck/dpa/dapd



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insgesamt 11 Beiträge
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Stelzi 19.11.2012
1. Blabla
Natürlich wird auch hier die Mär von den "schnell sinkenden PC-Verkäufen" angeführt. Stimmt nur nicht, jedenfalls nicht so wie es immer wieder behauptet wird.
n01 19.11.2012
2. Nächster PC wieder ein Standard Modell.
Ich bin mir ziemlich sicher, das mein nächster Computerkauf wieder ein Standard PC sein wird. Das kleinste, was ich habe, ist ein Netbook, mit Intel Chip und Atom-CPU. Robust vom Handling und sehr gut , wenn man einmal unterwegs Leuten etwas vorführen möchte. Die anderen 4 PC`s haben eine CPU von AMD.
megaptera 19.11.2012
3. Intel ist eine Macht
Intel hat für mich den Nimbus des Unbesiegbaren, Perfektionisten, Übermächtigen. Wie die in den letzten Jahren, getrieben von dem Achtungserfolg des Konkurrenten AMD immer wieder schnellere und innovative CPUs entwickelt haben, nötigt mir gehörigen Respekt ab. Dazu die gewinnmarge von 65%. Wenn die nicht so innovative und bewundernswerte Prozessoren bauen würden, könnte man glatt Angst vor der Firma haben - was die Konkurrenten ja auch haben. Keine Firma traut es sich mit intel aufzunehmen - Marktmißbrauch und Patent-Klagen außen vor gelassen.
Alfred 19.11.2012
4. Mein 9 jaehriger Sohn zieht den Desktop einem Tablett vor
Die ganze Tablettwelle ist nur eine kurzlebige Mode. Die ganze Hand zu einem Punkt zu bewegen ist nun einmal mehr Arbeit als eine Maus einige Millimeter zu verschieben.
franzija 19.11.2012
5.
Ich bin sicher, dass innerhalb eines halben Jahres maximal Intel auch einen passenden Smartphonechip herausgebracht haben wird. Inzwischen hat wirklich jede Firma auf diesem Gebiet nachgerüstet.
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