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Interne Studie: Bahn listet 121 Risiken bei Stuttgart 21 auf

Wird Stuttgart 21 noch teurer als gedacht? Laut einer Studie könnte das umstrittene Großprojekt zusätzliche 1,2 Milliarden Euro verschlingen. Das Pikante daran: Ausgerechnet die Bahn selbst hat das Dossier verfasst - weist aber Spekulationen über eine Kostenexplosion zurück.

Computersimulation des geplanten Stuttgarter Hauptbahnhofs: 121 Risiken entdeckt Zur Großansicht
DPA / Deutsche Bahn

Computersimulation des geplanten Stuttgarter Hauptbahnhofs: 121 Risiken entdeckt

Hamburg - Es ist die erste umfassende Stuttgart-21-Analyse nach den Schlichtungsgesprächen vom vergangenen November - und sie hat es in sich: Das milliardenteure Bahnprojekt könnte noch viel teurer werden als ohnehin schon bekannt, wie aus der internen Studie hervorgeht, die dem "Stern" vorliegt. 121 Risiken haben die Autoren demnach untersucht, 48 davon könnten zusätzliche Kosten von bis zu 1,264 Milliarden Euro verursachen.

Das Ergebnis ist fatal für die Deutsche Bahn: Denn sollten die Risiken beim Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs in einen unterirdischen Knotenpunkt tatsächlich eintreten, würde der von der Bahn und der Politik verordnete Kostenrahmen von 4,5 Milliarden Euro deutlich überschritten.

Die Bahn erklärte auf SPIEGEL-ONLINE-Nachfrage, dass es sich in diesem Fall um das absolute Worst-Case-Szenario handele. Etwa wenn geplante Einsparungen in Höhe von 750 Millionen Euro doch nicht machbar seien. "Wir werden die Kosten von 4,5 Milliarden Euro nicht überschreiten", sagte ein Sprecher. Spekulationen über Kostensteigerungen seien daher "haltlos". Der Konzern erarbeite regelmäßig Berichte über laufende Projekte, in denen auch die Risiken beachtet würden.

Dennoch dürften sich viele der S21-Gegner durch das Dossier mit dem Titel "Chancen und Risiken" bestätigt fühlen. In dem 130-seitigen Papier stecken teils pikante Details: So monieren die Autoren etwa, dass der Baugrund tückisch und die geplante Bahnstation am Flughafen nicht "ausreichend leistungsfähig" seien oder dass für den Bau noch viele Grundstücke fehlten.

Zudem fand sich der Studie zufolge trotz Ausschreibung keine Firma, die einen Tunnel bei Stuttgart-Cannstatt bohren will. Die Bohrarbeiten seien in dem schlüpfrig-löchrigen Untergrund hochkompliziert, man müsse unter dem Fabrikgelände von Daimler arbeiten, sagte ein Vertrauter des Projektleiters dem Magazin. Demnach könne immer Unvorhergesehenes passieren, und keiner möchte riskieren, dass die Autoproduktion stillsteht.

Momentan ruhen die Arbeiten an dem umstrittenen Großprojekt allerdings. Die Bahn wartet, bis die neue Regierung in Stuttgart im Amt ist.

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1. Nanu, wer hätte das gedacht
karmamarga 05.04.2011
Zitat von sysopWird Stuttgart*21 noch teurer als gedacht? Laut einer Studie könnte*das umstrittene Großprojekt zusätzliche*1,2 Milliarden Euro verschlingen.*Das Pikante daran: Ausgerechnet die Bahn selbst hat das Dossier verfasst*- weist aber Spekulationen über eine Kostenexplosion zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755118,00.html
zu mal die, die am heftigsten gegen das Projekt sind gar vom Landesverfassungsschutz observiert werden.
2. Wo der Schwoob baut...
dr.épernay-boiler 05.04.2011
...da wird nix versaut! Nur zu 100 bis 200% Kostensteigerung könnte es in der Gesamtkostensumme führen. Was den Schwoob aber auch nicht weiter tangiert, denn der Betrag wird nicht auf die Württemberger umgelegt, sondern auf alle deutschen Steuerzahler.
3. Wer garantiert
Progressor 05.04.2011
für die Einhaltung der Kosten? Niemand? Aha! Solche Projekte verteuern sich gerne mal um den Faktor 10. Siehe dazu auch das Projekt Linux in München.
4. Ein altes Lied
Hubert Rudnick, 05.04.2011
Zitat von sysopWird Stuttgart*21 noch teurer als gedacht? Laut einer Studie könnte*das umstrittene Großprojekt zusätzliche*1,2 Milliarden Euro verschlingen.*Das Pikante daran: Ausgerechnet die Bahn selbst hat das Dossier verfasst*- weist aber Spekulationen über eine Kostenexplosion zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755118,00.html
Das ist doch nichts Neues, so geht es doch bei allen Großprojekten zu, zu mal wenn sie noch vom Staat finanziert werden und das werden sie, denn die Bahn befindet sich in Staatseigentum. Überall lässt man die Katze nicht aus dem Sack, man wird immer nur nach und nach noch was nach verlangen, es kommen unvorhersehbare Dinge dann drauf zu und so wird oft das Projekt doppelt so teuer. Aber weil man Angst hat schon am Anfang über die wahren Kosten zu reden, denn dann könnte ja das Projekt platzen, so werden dann eben nicht alle Bereiche mit einbezogen und sie laufen über außenstehende Projektbereiche. Aber das wurde schon immer so gemacht, es ist nur ein Täuschungsmanöver. HR
5. Et kütt, wie et kütt!
AKI CHIBA 05.04.2011
Damit hat man rechnen müssen / dürfen. Nachdem schon Schuster und Mappus gegeneinander geholzt haben und Dauerparlator Kefer merkwürdig ruhig geworden ist, beginnen die Absetzbewegungen. Den Ramsauer haben sie wohl lange außen vor gelassen. Er beginnt den Braten zu riechen und gibt dröhnend widersprüchliches von sich. Grube hat ein feines Osternest von Mehdorn bekommen. Er weiß wohl schon seit längerem Bescheid - so seine Signale! Er muss für einen einigermaßen geordneten Rückzug sorgen. S21 ist tot. Die Zahlen aber werden nicht unter 7 MRD verbleiben.
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Abrissliste
DPA
Im August wurde mit den Abrissarbeiten begonnen. Ganz oben auf der Liste: Nord- und Südflügel des Hauptbahnhofs. Nur das Hauptgebäude steht unter Denkmalschutz. Stuttgart-21-Gegner wollen den Gesamtbau erhalten, ohne Erfolg. Der Nordflügel wurde vollständig abgetragen, den Abriss des Südflügels hat die Landesregierung aufgeschoben - als wohlwollendes Signal an die Demonstranten, so Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU).
Anhydrit
Laut der Stuttgart-21-Pläne sollen die Zugstrecken im Stadtgebiet unterirdisch verlaufen. Insgesamt 20 Bahntunnel müssen gebaut werden - im äußerst schwierigen schwäbischen Bodengestein. Vor allem das Mineral Anhydrit sorgt für Ärger. Wird es nass, entsteht ein aufquellender Gips mit Sprengwirkung: Der Boden kann sich anheben, umliegendes Gestein wird porös. Geologen fürchten, dass bei den umfangreichen Tunnelarbeiten Anhydrit den Boden in der Stadt absacken lässt. Befürworter verweisen auf die Stuttgarter U-Bahn - bei deren Bau habe es keine Probleme gegeben.
Baustopp
dapd
Das oberste Nahziel der Demonstranten. Protestgruppen aus dem Aktionsbündnis "gegen Stuttgart 21" fordern einen sofortigen Bau- und Vergabestopp - erst dann wollen sie mit Landesregierung und Bahn verhandeln. Doch diese lehnten die Bedingung stets kategorisch ab, weil sie der Bahn hohe finanzielle Verluste beschert. Streitschlichter Heiner Geißler verkündete erst, dass er einen Baustopp erreicht habe, wurde dann aber von Bahn und Regierung zurückgepfiffen.
Durchgangsbahnhof
DPA
Der Hauptstreitpunkt bei Stuttgart 21: Der Bahnhof soll unter die Erde verlegt werden, der alte Kopfbahnhof von einem unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzt werden. Die acht Gleise verlaufen in elf Metern Tiefe quer zu den alten Gleisen in Ost-West-Richtung. Für Tageslicht im Tiefbahnhof sollen Lichtaugen sorgen, die in den Schlossgarten eingebaut werden. Eine Verschandelung des Parks, sagen Kritiker. Eine Visitenkarte für die Stadt, sagt die Bahn.
Europaviertel
Auf der Fläche der alten Gleisanlagen soll ein neues Stadtviertel entstehen. Rund hundert Hektar Neubaufläche in bester innerstädtischer Lage. Investoren und Bauunternehmer können sich freuen, Stuttgart-21-Gegner befürchten ein seelenloses Büroviertel im Herzen der Stadt.
Kopfbahnhof 21
dpa
Es ist das Alternativkonzept der Gegner. Sie wollen den bestehenden Bahnhof modernisieren. Er bekäme zwei zusätzliche Gleise, die ihn mit der Neubaustrecke Richtung Ulm verbinden. Diese Variante würde Milliarden sparen, sagt die Initiative Kopfbahnhof 21, vor allem weil weniger Tunnel unter der Stadt gebaut werden müssten. Der Fahrzeitgewinn wäre dann allerdings geringer.
Kosten
ddp
Momentan sagt die Bahn, das Riesenprojekt koste 4,1 Milliarden Euro. Viel zu niedrig, sagen Kritiker. Schon der Bundesrechnungshof rechnete 2008 mit mindestens 5,3 Milliarden. Die geschätzten Kosten sind immer weiter angestiegen. Zuletzt wurde die Kalkulation für die Neubaustrecke nach Ulm um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro erhöht. Die Schätzungen für die Gesamtkosten schwanken zwischen sieben und elf Milliarden. Weil Bauverträge seit Ende 2009 rechtskräftig sind, wäre auch ein Ausstieg teuer.
Magistrale
DPA
Der zweite große Pfeiler von Stuttgart 21: Zwischen Wendlingen im Südosten Stuttgarts und Ulm soll eine Hochgeschwindigkeitsstrecke entstehen. Damit wird die Fahrzeit von Ulm nach Stuttgart von 54 auf 28 Minuten halbiert. Bislang muss selbst der ICE mit Tempo 70 über die alte Strecke, die Geislinger Steige, schleichen. Die Trasse ist Teil der "europäischen Magistrale Paris-Bratislava", einer internationalen Hochgeschwindigkeitsstrecke. Deshalb sei ein Ausbau wichtig für ganz Europa, sagen Befürworter.
Schlossgarten
AFP
Die grüne Lunge Stuttgarts. Die 600 Jahre alte Parkanlage grenzt an die Gleise des alten Bahnhofs. Für den neuen Tiefbahnhof sollen hier knapp 300 alte Eichen, Platanen und Rosskastanien gefällt werden. Als die Rodung Ende September beginnen sollte, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und Demonstranten. Die Bahn hat zugesagt, nach Ende der Bauarbeiten neue Bäume zu pflanzen.
Zeitplan
DPA
Bereits 1994 stellte die Bahn das Projekt Stuttgart 21 vor, der Entwurf für den Tiefbahnhof stand drei Jahre später. Seitdem hat es zahlreiche Verzögerungen gegeben. Im Februar 2010 begannen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof. Laut Bahn soll im Sommer 2012 mit der Baugrube für den Tiefbahnhof begonnen werden. Nach heutigem Zeitplan sollen die Stuttgart-21-Arbeiten Ende 2019 abgeschlossen sein.


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