Interne Studie Preise für Solaranlagen fallen rapide

Solarenergie wird rasch günstiger: Laut internen Berechnungen können Sonnenstromanlagen schon 2016 preiswerter Energie produzieren als Gaskraftwerke. Die Kosten sinken sogar so schnell, dass die Branche trotz starker Förderkürzungen steigende Margen verzeichne.

Solar-Panels: Preissturz bei Sonnenstromanlagen
REUTERS

Solar-Panels: Preissturz bei Sonnenstromanlagen


Hamburg - Die Solarbranche steht vor einem grundlegenden Wandel: Laut internen Berechnungen des Chemiekonzerns Wacker sind die Preise für Sonnenstromanlagen rapide gesunken. Demnach betragen sich die Kosten für Freiflächenanlage aktuell etwa 15 Cent pro Kilowattstunde; bis zum Jahr 2016 sollen es nur noch acht Cent sein. Die Berechnungen beziehen sich auf sonnenreichere Regionen Deutschlands.

Die interne Berechnung ist auf August 2011 datiert; Wacker Chemie nennt mit seiner Konzerntochter Polysilicon den zweitgrößten Siliziumhersteller der Welt sein eigen. Das Papier liegt SPIEGEL ONLINE vor; zuvor hatte die "Frankfurter Rundschau" ("FR") daraus zitiert.

Die Erhebung ist politisch brisant, zeigt sie doch, dass Betreiber von Solaranlagen trotz mehrfacher Kürzung der Förderung noch immer satte Renditen machen. Tatsächlich liegt die Einspeisevergütung für Freiflächenanlagen derzeit bei 21,1 Cent je Kilowattstunde, rund sechs Cent über den Kosten, die Wacker Chemie veranschlagt. Seit 2006 sind die Margen demnach sogar gestiegen -allen Förderkürzungen zum Trotz.

Ewald Schindlbeck, Chef der Wacker-Siliziumsparte, betonte gegenüber der "FR", er befürworte dennoch keine weiteren Kürzungen, da die Vergütung in Zukunft automatisch falle.

Der Branchenverband BSW-Solar hatte zuletzt höhere Kosten genannt. Der Verband sagte in einer Stellungnahme, Wacker nehme bei seinen Berechnungen eine Stromerzeugung über 30 Jahre an. Der BSW-Solar gehe in seiner Berechnung dagegen von 20 Jahren aus, was auch der Dauer der Zahlung der Einspeisevergütung entspreche.

Die Solarbranche war zuletzt stark in der Kritik. In den vergangenen zwei Jahren sind weit mehr Anlagen ans Netz gegangen als von der Regierung gewollt - was zu exorbitant hohen Förderkosten führte. Aktuell zahlen die Verbraucher 3,5 Cent Ökoaufschlag auf jede Kilowattstunde Strom, die sie verbrauchen. Gut die Hälfte der Umlage entfällt allein auf die Sonnenenergie - dabei wird sie 2011 nur rund drei Prozent des deutschen Strombedarfs abdecken.

Der Preisverfall bei den Anlagen dürfte die Branche stark verändern. Laut Wacker-Prognose entwickelt sich die Sonnenenergie in den kommenden Jahren zu einer der günstigeren Formen der Energieerzeugung - was neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Zum Vergleich: Strom aus Gas kostet derzeit etwa sieben bis acht Cent, dürfte aber durch steigende CO2-Abgaben und den selteneren Betrieb von Gaskraftwerken tendenziell teurer werden. Strom aus Windrädern kann in einigen Regionen zu rund fünf Cent produziert werden.

ssu



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