Interne Wall-Street-E-Mails "Jetzt wird's schmutzig"

Sie waren die Götter des Geldes, jetzt trifft die Goldman-Sachs-Banker der geballte Zorn. Sie hatten Kunden Investments verkauft, die später massiv an Wert verloren. Interne Mails belegen das zynische Geschäftsgebaren der Finanzmanager. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die drastischsten Schreiben.

Von , New York

Zentrale von Goldman Sachs: Im Zweifel lieber nicht abschicken
REUTERS

Zentrale von Goldman Sachs: Im Zweifel lieber nicht abschicken


Im elektronischen Zeitalter geben Juristen und Firmenberater oft den gleichen Rat: Im Zweifel die E-Mail nicht absenden! Ein Drittel aller US-Arbeitgeber hat bereits jemanden wegen einer E-Mail gefeuert, die im Ton daneben lag oder den Verfasser anderweitig kompromittierte. Die Juristin Sharon Nelson empfiehlt, vor dem folgenschweren Tastendruck stets eine Regel zu beachten: "Stellen Sie sich vor, Ihre E-Mail erscheint in einer großen Tageszeitung."

Dem Top-Management der Großbank Goldman Sachs Chart zeigen war diese goldene Regel offenbar unbekannt. Seit die US-Börsenaufsicht SEC Betrugsklage gegen das führende Wall-Street-Haus und Fabrice Tourre, einen seiner Vizepräsidenten, erhoben hat, tauchen in US-Zeitungen in schöner Regelmäßigkeit peinliche Mails auf, die die Behörden auf den Servern des Unternehmens sichergestellt haben.

Die SEC zitierte sie in ihrer Klage, und ein Untersuchungsausschuss des Senats publizierte einen ganzen Schwall in einem 901-seitigen Aktenberg sowie in 581 weiteren Seiten für einen parallelen Bericht zur Rolle der Rating-Agenturen bei der Finanzkrise. Goldman legte schließlich selbst nach und veröffentlichte von sich aus 49 weitere Seiten mit E-Mails. Wie ratsam das aus juristischer Sicht war, muss sich allerdings erst zeigen.

Es sind E-Mails, die nie an die Öffentlichkeit gelangen sollten. Die interne Kommunikation ist voller kruder Zoten, jovialer Kumpeleien und zynischer Selbstüberschätzung. Die Texte offenbaren den krassen Gegensatz zwischen den öffentlichen, optimistischen Äußerungen Goldmans in den Krisenjahren 2006 bis 2008, etwa in den Jahres- und Quartalsberichten und der internen, überwiegend arrogant-negativen Einschätzung.

SPIEGEL ONLINE hat einige Beispiele dokumentiert - Worte, bei denen sich die Absender heute denken dürften: Im Zweifel die E-Mail nicht absenden!



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
atomkraftwerk, 03.05.2010
1. .
Was heißt da zynisches Geschäftsgebaren? Wir leben im Imperialismus, da ist sowas normal.
Transmitter, 03.05.2010
2. Konsequenzen jetzt!
Zitat von sysopSie waren die Götter des Geldes, jetzt trifft die Goldman-Sachs-Banker der geballte Zorn. Sie hatten Kunden Investments verkauft, die später massiv an Wert verloren. Interne Mails belegen das zynische Geschäftsgebaren der Finanzmanager. SPIEGEL ONLINE hat die krassesten Schreiben dokumentiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,692247,00.html
Würde ich jetzt "unglaublich" posten, würde ich lügen. Alle Beteiligten haben doch gewußt, mit welchen zynischen, jenseits aller moralischen und ethischen Vertretbarkeit angesiedelten Methoden diese Bankster "virtuelles Geld" generieren. Ob Bankvorstände oder die Aufsrichtsrat-Politclowns! Alle gehören vor die Gerichte und bestraft! Man muss sich das mal vorstellen: Da wurden blind Milliarden schwere "Pakete" von Schuldverschreibungen verkauft / gekauft, die eine Nominal-Rendite von neun bis zehn Prozent langfristig garantierten. Triple A - geratet. Zeitgleich lag der durchschnittliche Zinssatz für erstklassige Dollar-Staatsanleihen jedoch bei vier, für Triple A - geratete Unternehmensanleihen etablierter Konzerne bei vier bis sechs Prozent. Keiner dieser tumben, Gier zerfressenen und von Überheblichkeit und Größenwahn eingenebelten Akteure scheint sich offensichtlich gefragt zu haben, WER diese Wahnsinns-Zinsen denn bezahlen soll. Auch noch langfristig. Da wurde einfach das "Asset Backed Security" zur Kenntnis genommen und fertig! Welche "Securities" das denn wohl sein könnten, die so eine geradezu absurde Rendite "garantieren", wurde gar nicht gefragt! Ich meine, wenn diese heute komplett desaouvierten ehemaligen "Masters of the Universe" angeklagt werden, müssten auch ihre "Opfer" in den Banken und Investmentfonds angeklagt werden. Auch die Politiker, die ja nicht schnell genug - bestens bezahlte - Aufsichtsratsposten in den Bankkonzernen ergattern konnten. Um hier nicht gegen die Nettiquette zu verstossen: Die Namen können leicht gegoogelt werden unter IKB, KfW, WestLB, HSH-Nordbank, Sachsen-LB, Bayern-LB, HRE, LB BW usw. In meinen Augen ist diese gesamte Mischpoke ein Haufen von lächerlichen, großmäuligen Versagern und Bluffern. Ohne Moral, ohne Kompetenz, ohne Ethik und ohne Verantwortungsbewußtsein. Sie haben ALLE abgezockt und uns die Folgen ihres Versagens aufgedrückt. Ohne persönliches Risiko, ohne Skrupel, ohne Bedenken. Sie gehören alle vor Gerichte gestellt und alle in den Knast. Früher nannte man solche Halunken in Deutschland "Haderlumpen".
jachin 03.05.2010
3. Unfassbar
Dafür müsste es eigentlich im Land der unbegrenzten neoliberalen Unternehmermöglichkeiten dieselbe Strafe wie für Bernie Madoff geben: 150 Jahre Knast!
Chiefli1 03.05.2010
4. ...
Zitat von TransmitterWürde ich jetzt "unglaublich" posten, würde ich lügen. Alle Beteiligten haben doch gewußt, mit welchen zynischen, jenseits aller moralischen und ethischen Vertretbarkeit angesiedelten Methoden diese Bankster "virtuelles Geld" generieren. Ob Bankvorstände oder die Aufsrichtsrat-Politclowns! Alle gehören vor die Gerichte und bestraft! Man muss sich das mal vorstellen: Da wurden blind Milliarden schwere "Pakete" von Schuldverschreibungen verkauft / gekauft, die eine Nominal-Rendite von neun bis zehn Prozent langfristig garantierten. Triple A - geratet. Zeitgleich lag der durchschnittliche Zinssatz für erstklassige Dollar-Staatsanleihen jedoch bei vier, für Triple A - geratete Unternehmensanleihen etablierter Konzerne bei vier bis sechs Prozent. Keiner dieser tumben, Gier zerfressenen und von Überheblichkeit und Größenwahn eingenebelten Akteure scheint sich offensichtlich gefragt zu haben, WER diese Wahnsinns-Zinsen denn bezahlen soll. Auch noch langfristig. Da wurde einfach das "Asset Backed Security" zur Kenntnis genommen und fertig! Welche "Securities" das denn wohl sein könnten, die so eine geradezu absurde Rendite "garantieren", wurde gar nicht gefragt! Ich meine, wenn diese heute komplett desaouvierten ehemaligen "Masters of the Universe" angeklagt werden, müssten auch ihre "Opfer" in den Banken und Investmentfonds angeklagt werden. Auch die Politiker, die ja nicht schnell genug - bestens bezahlte - Aufsichtsratsposten in den Bankkonzernen ergattern konnten. Um hier nicht gegen die Nettiquette zu verstossen: Die Namen können leicht gegoogelt werden unter IKB, KfW, WestLB, HSH-Nordbank, Sachsen-LB, Bayern-LB, HRE, LB BW usw. In meinen Augen ist diese gesamte Mischpoke ein Haufen von lächerlichen, großmäuligen Versagern und Bluffern. Ohne Moral, ohne Kompetenz, ohne Ethik und ohne Verantwortungsbewußtsein. Sie haben ALLE abgezockt und uns die Folgen ihres Versagens aufgedrückt. Ohne persönliches Risiko, ohne Skrupel, ohne Bedenken. Sie gehören alle vor Gerichte gestellt und alle in den Knast. Früher nannte man solche Halunken in Deutschland "Haderlumpen".
Es sind narzisstische Grössenwahnsige, sie haben unethisch gehandelt, sie sind Blutsauger/Heuschrecken, haben keine Moral und wohl auch kein Gewissen. ABER sie sind nicht kriminell....leider gibt es keine Gesetzte dagegen und so wie sich unsere globalen 'Leader' präsentieren, werden in absehbarer Zeit auch keine entsprechenden Gesetze verabschiedet, welche die Psychos in ihrem Handeln einschränkt
sysiphos, 03.05.2010
5. Eichmänner im Finanzkapitalismus
Ich bin ehrlich davon überzeugt, dass diese Auswüchse nicht möglich wären, wenn es zum Mindestlohn einen Maximallohn geben würde. http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/menschenrechte/kinderarbeit/index.jsp
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