Internet-Gigant: Google-Gründer Page übernimmt Konzernspitze

Überraschender Personalwechsel bei Google: Firmen-Mitgründer Larry Page beerbt Eric Schmidt als Konzernchef. Er übernimmt das Unternehmen in einer günstigen Situation - im Schlussquartal 2010 stieg der Gewinn um 29 Prozent.

Neuer Google-Boss Page (l.), Vorgänger Schmidt: Der neue Chef ist der alte Zur Großansicht
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Neuer Google-Boss Page (l.), Vorgänger Schmidt: Der neue Chef ist der alte

Mountain View - Google geht personell zurück in die Zukunft: Firmen-Mitbegründer Larry Page wird neuer Konzernchef und löst damit Eric Schmidt ab. Page werde ab dem 4. April das Tagesgeschäft führen, teilte der Konzern am Donnerstag im kalifornischen Mountain View mit. Sein Vorgänger Schmidt wird Chef des Verwaltungsrats. In dieser neuen Rolle ist er etwa für Kooperationen oder Übernahmen zuständig. Sergey Brin, der Google Chart zeigen zusammen mit Page gründete, soll sich künftig vor allem um neue Produkte kümmern.

"Wir haben unsere Rollen jetzt klarer geregelt", sagte Schmidt. Unter dem erfahrenen Manager hatte sich Google vom Suchmaschinen-Spezialisten zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern entwickelt. Der 37-jährige Page hatte den Konzern bereits von der Firmengründung 1998 bis 2001 geführt und den Chefposten dann an Schmidt übergeben. "Eric ist ein toller Firmenchef und ich habe viel von ihm gelernt", sagte Page in einer Telefonkonferenz.

Page übernimmt einen florierenden Konzern: Im Schlussquartal 2010 verdiente Google 2,5 Milliarden Dollar. Das sind 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn lag damit höher als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg um gut ein Viertel auf 8,4 Milliarden Dollar. Der Nettoumsatz ohne die Gebühren, die Google an Internetpartner zahlt, betrug 6,67 Milliarden. Nachbörslich stieg der Kurs der Aktie um mehr als zwei Prozent.

Das meiste Geld verdient Google weiterhin mit bezahlten Suchtreffern im Web. Doch die grafischen Werbebanner und die mobile Suche werden als Einnahmequelle immer wichtiger. Analysten führen das gute Ergebnis im vierten Quartal 2010 auch auf das Weihnachtsgeschäft zurück. Viele Konsumenten, die online Geschenke kaufen wollten, hätten ihre Suche bei Google begonnen.

Pages Probleme: Wettbewerbshüter, Datenschützer, Facebook

Schmidt kündigte an, dass das Unternehmen weiterhin kräftig in neue Produkte investieren werde. Google hat seine Produktpalette kontinuierlich ausgebaut. Smartphones, Fernsehen, Telefon, elektronische Bücher, Musik, Bürosoftware, PC-Betriebssystem oder Internetbrowser sind nur einige der Felder, auf denen der Konzern aktiv ist.

Allerdings gerät das Unternehmen dabei immer wieder mit Wettbewerbshütern und Datenschützern aneinander, die die Marktmacht des Internetkonzerns fürchten. So kann in Europa und Amerika beispielsweise nur noch das Bündnis aus Yahoo Chart zeigen und Microsoft Chart zeigen mit Google mithalten. In China heißt der größte Konkurrent Baidu. In Deutschland hatte besonders der Kartendienst Street View für Kritik gesorgt, bei dem Kamerawagen ganze Straßenzüge abfotografierten - und dabei nebenbei private Daten aus offenen W-LAN-Netzen aufzeichneten.

Wirtschaftliche Konkurrenz droht Google nach Expertenansicht vor allem von Facebook. Das soziale Netzwerk hat mehr als 500 Millionen Mitglieder. Viele davon verbringen dort teils mehrere Stunden pro Tag - ein ideales Umfeld für Werbung. Nach Ansicht des Technik-Magazins "Wired" wird es Pages größte Aufgabe sein, mit Google in den sozialen Netzwerken Fuß zu fassen. Denn so dominant das Unternehmen auch im Suchmaschinen-Markt sein mag - es hat noch Schwierigkeiten, an die riesigen Informationsmengen in den Online-Communitys heranzukommen.

Klare Zuständigkeiten beim Google-Dreigestirn

Der Wechsel von Schmidt zu Page ist die größte Umstellung an der Spitze des Konzerns seit 2001, als Schmidt den Führungsposten von Page übernommen hatte. "Larry, Sergey und ich haben uns lange darüber unterhalten, wie wir am besten unsere Managementstruktur vereinfachen und Entscheidungen beschleunigen können", schrieb Schmidt in einem Blog-Eintrag. In den Weihnachtsferien habe man entschieden, dass nun der richtige Moment für eine Veränderung sei.

In den vergangenen zehn Jahren seien Page, Brin und er gleichermaßen an Entscheidungen beteiligt gewesen. Dieser Dreigestirn-Ansatz habe echte Vorteile. Aber man habe sich auch darauf geeinigt, die individuellen Rollen zu verdeutlichen, damit es klare Zuständigkeit und Verantwortlichkeit an der Konzernspitze gebe.

Prinzipiell bleibt das Dreigestirn damit weiter intakt. Doch nach Ansicht von "Wired" wird sich das Machtgefüge zugunsten von Page verschieben. Der Technologie-Blog Techcrunch.com sieht den Wechsel ebenso als Verschiebung der Macht weg von Schmidt - offenbar, weil Dinge in der vergangenen Zeit nicht so erledigt worden seien, wie es sich das Unternehmen vorgestellt habe.

Techcrunch liest aus Schmidts Äußerungen heraus, es habe im Konzern ein Gefühl gegeben, dass Google sich zu langsam bewege. Nun, so die Deutung von Techcrunch, müsse es eine einzelne Person geben, die führe, um die Firma schneller bewegen zu können: Page.

Personalwechsel gegen Schwerfälligkeit?

Tatsächlich könnte das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre für Google allmählich zur Belastung geworden sein. Nach Ansicht der Technologie-Website cnet.com scheint es, als habe der Erfolg die Firma schwerfälliger gemacht: Ehemalige Mitarbeiter hätten sich beschwert, dass es für gute Ideen bei Google, das nun etwa 24.400 Angestellte habe, zunehmend schwieriger geworden sei, durch die Hierarchiestufen nach oben durchzudringen. Auch cnet.com versteht Schmidts Äußerungen so, dass der Personalwechsel Google etwas flinker machen solle.

Schmidt war nach seinem Amtsantritt als "erwachsener Aufpasser" für die jugendlich wirkenden Firmengründer Page und Brin bezeichnet worden. Darauf spielte Schmidt nun an, als er beim Kurznachrichtendienst Twitter schrieb, die tägliche Aufsicht eines Erwachsenen werde nicht länger gebraucht.

In den wenigen Jahren von Pages erster Amtszeit als Konzernchef wurde aus der Garagenfirma mit weniger als einer Million Dollar Startkapital und einem Angestellten ein rentables Unternehmen mit 200 Angestellten. Im Jahr 2001 holten Page und Brin dann Schmidt zu Google. Die drei Männer bilden seither die Führungsspitze des Weltkonzerns.

ulz/dpa/AFP/Reuters

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1. Mistiger Journalismus
Dante Beluga 20.01.2011
Google hat also 200 Angestellte? Mann schreibt Eure Artikel endlich sorgfältiger! Praktikanten raus - Inhalte rein. Soviel Schluderei kotzt einfach an. Ab ins Dschungelcamp.
2. Tja
ralf_si 20.01.2011
Da hat Schmidt anscheinend zu oft klare Worte gesagt und den Slogan des Konzerns "don't be evil" als hohle Phrase entlarvt.
3. Meet the new boss...!
Joerg grimm 20.01.2011
Same as the old boss...! Ich denke das ist ein schlechtes Zeichen. Manager-Inzucht ist ein symptom dafuer dass die gegenwaertige Top - Management-Clique sich fuer so super haelt dass niemand anders in Frage kommen kann. Da sfuehrt dann leider aber meistens zu Realitaetsverlust und Allmachtswahn, siehe IBM, Nokia und Microsoft. Na ja, bleibt abzuwarten was passiert.
4. Triumvirat
Nikolai C.C. 20.01.2011
Ein Triumvirat, sogar mit einer Art Rotation, verteilt die Verantwortung besser, siehe im Gegensatz die aktuelle Situation bei Apple, (toi, toi, toi für Steve Jobs und seine Gesundheit). Der Vergleich passt komischerweise auch auf die Situation der Betriebssysteme z.B. bei den Smartphones.
5. - wie kann Eric Schmidt SAP führen ?
aotto1968 21.01.2011
- wo sind die Schnittstellen zwischen SAP und Google ? - ist das "finden" von Information nicht gleichbedeutend mit dem "verwalten" von Informationen ?
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Googles Geschichte
1995 - When Larry met Sergey
Angeblich konnten Larry Page und Sergey Brin einander erst einmal nicht besonders gut leiden, als sie sich im Jahr 1995 zum ersten Mal trafen. Der 24-jährige Brin war übers Wochenende in Stanford zu Besuch, der 23-jährige Page gehörte angeblich zu einer Gruppe von Studenten, die Besucher herumführen mussten. Der Legende nach stritten Brin und Page ununterbrochen miteinander.
1996 - Es begann mit einer Rückenmassage
Die erste Suchmaschine, die Page und Brin gemeinsam entwickelten, hatte den Arbeitstitel "BackRub" (Rückenmassage), weil sie im Gegensatz zu anderen zu dieser Zeit eingesetzten Suchtechniken auch "Backlinks" berücksichtigte, also Links, die auf die entsprechende Web-Seite verwiesen.
1998 - Finanzierung
Nachdem die Versuche gescheitert waren, die eigene Entwicklung an ein Unternehmen wie Yahoo zu verkaufen, entschlossen sich Brin und Page entgegen ihren ursprünglichen Plänen, selbst ein Unternehmen zu gründen. Der Legende nach bekamen sie von Andy Bechtolsheim, einem der Gründer von Sun Microsystems, einen Scheck über 100.000 Dollar - ausgestellt auf Google Inc., obwohl ein Unternehmen dieses Namens zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Insgesamt brachten die beiden eine Anfangsfinanzierung von knapp einer Million Dollar zusammen - was reichte, um in der Garage eines Freundes in Menlo Park, Kalifornien, ein Büro einzurichten und einen Angestellten zu engagieren. Im September wurde das mit einer Waschmaschine und einem Trockner ausgestattete Büro eröffnet - was heute als offizielle Geburtsstunde von Google betrachtet wird.
1999 - Mehr Geld und ein neues Heim
Schon im Februar 1999 zog das rasant wachsende Unternehmen in ein richtiges Bürogebäude um. Inzwischen hatte es acht Mitarbeiter. Erste Firmenkunden bezahlten Geld für Googles Dienste. Am 7. Juni wurde eine zweite Finanzierungsrunde verkündet: Die Wagniskapitalgeber Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers schossen insgesamt 25 Millionen Dollar zu. Noch im gleichen Jahr bezog das Unternehmen den "Googleplex", den Kern des heutigen Hauptquartiers in Mountain View, Kalifornien.
2000 - AdWords
Das Jahr 2000 muss als jenes gelten, in dem Google tatsächlich zu dem gemacht wurde, was es heute ist: dem mächtigsten Werbe-Vermarkter im Internet. Der Start eines "Schlüsselwort-gesteuerten Werbe-Programms" schuf die Basis für den gewaltigen kommerziellen Erfolg von Google. Man benutze "ein proprietäres Anzeigen-Verteilungssystem, um eine der Suchanfrage eines Nutzers sorgfältig angepasste Werbeanzeige beizugeben", erklärt die Pressemitteilung von damals das Prinzip. Die Anzeigen konnten online auf sehr einfache Weise eingekauft werden - AdWords war geboren und brachte sofort Geld ein. Noch heute ist die Vermarktung der Textanzeigen auf der Suchseite die zentrale Säule des Google-Imperiums, die den Löwenanteil aller Umsätze ausmacht. Parallel wurden im Jahr 2000 neue Kunden gewonnen, die Google-Suche in ihre Angebote integrierten, darunter Web-Seiten aus China und Japan. Im gleichen Jahr wurde auch die Google Toolbar veröffentlicht, die es erlaubte, mit Google das Netz zu durchsuchen, ohne auf die Google-Web-Seite zu gehen.
2001 - Profit und ein neuer Eric Schmidt
Schon im Jahr 2001 machte Google Profit - was man von den meisten anderen Start-ups, die zu dieser Zeit noch die Phantasien der Börsenmakler beflügelten, nicht behaupten konnte. Um den Anforderungen eines rasant wachsenden Unternehmens gerecht zu werden, wurde Eric Schmidt, der zuvor schon führende Positionen in Firmen wie Novell und Sun Microsystems innegehabt hatte, im August 2001 zum Chief Executive Officer Googles ernannt.
2002 - Corporate Search, Google News, Froogle
Seit 2002 verkauft Google auch Hardware - Such-Lösungen für die Intranets von Unternehmen. Im September des Jahres wurde die Beta-Version von Google News livegeschaltet, dem Nachrichten-Aggregator, der bis heute für zuweilen böses Blut zwischen Zeitungen, Nachrichtenagenturen und den Suchmaschinisten sorgt. Ein Algorithmus sammelt Schlagzeilen und Bilder und komponiert daraus nach bestimmten Kriterien eine Übersichtsseite. Im Dezember startete zudem Froogle, eine mäßig erfolgreiche Produkt-Suchmaschine. Heute heißt Froogle schlicht Google Product Search.
2003 - AdSense und Blogger
AdSense ist die zweite wichtige Säule im Google-Anzeigenimperium. Im Jahr 2003 wurde der Dienst vorgestellt, der den Text auf Web-Seiten analysiert und daneben passende Werbeanzeigen platzieren soll. Das System bietet auch Betreibern kleiner Web-Seiten die Möglichkeit, ihre Angebote zu monetarisieren - die Einkünfte werden zwischen Seiteninhaber und Google aufgeteilt. Im gleichen Jahr kaufte Google Blogger, einen großen Blog-Hoster.
2004 - Picasa, Googlemail, Bücher und ein Börsengang
Der Start des E-Mail-Dienstes Googlemail (in den USA Gmail) wurde am 1. April verkündet, mitsamt der Nachricht, dass die Nutzer ein Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung haben würden. Es wurde schnell klar, dass es sich nicht um einen Scherz handelte - und dass Google daran selbstverständlich verdienen will. AdSense wurde von Anfang an eingesetzt, um E-Mails nach Schlüsselwörtern zu durchsuchen und mehr oder minder passende Reklame daneben einzublenden. Im Juli kaufte Google Picasa, ein Unternehmen, das sich auf die digitale Fotoverwaltung spezialisiert hatte. Heute ist Picasa ein On- und Offline-Angebot - Googles Antwort auf Flickr.

Am 19. April konnte man Google-Aktien an der Technologiebörse Nasdaq erstmals kaufen. Eine Aktie kostete 85 Dollar. Heute ist sie knapp fünfmal so viel wert. Mit dem vielen neuen Geld stieß Google noch im gleichen Jahr verschiedene Projekte an - unter anderem Google Print: Mit den Universitäten Harvard, Stanford, University of Michigan, University of Oxford und der New York Public Library kam man überein, Bücher zu scannen, zu digitalisieren und online durchsuchbar zu machen. Im darauffolgenden Jahr wurde Google Print in "Book Search" umbenannt. Inzwischen sind zahlreiche andere Bibliotheken mit im Boot - auch deutsche.
2005 - Google Maps und Google Earth
Im Jahr 2005 kam die Google-Maschinerie richtig in Schwung. In rasantem Tempo veröffentlichte das Unternehmen, das bis zum dritten Quartal auf fast 5000 Mitarbeiter angewachsen war, eine Anwendung nach der anderen. Die im Rückblick wohl wichtigste: Google Maps, der Kartendienst, der die Welt geografisch durchsuchbar machen sollte, und sogleich mit der bis dahin nur mäßig erfolgreichen lokalen Suche Google Local verschmolz. Die im Jahr zuvor angekaufte Satellitenkapazität kam nun zum Einsatz: Sie bot die heute beinahe selbstverständliche Möglichkeit, Satellitenfotos statt abstrakter Karten anzusehen. Später im Jahr kam auch noch die Desktop-Software Google Earth, Googles Digitalglobus. Außerdem starteten: die "personalisierte Homepage", die heute iGoogle heißt, Googles Video- und Fotosuche, die Voice-over-IP und Instant-Messaging-Lösung Google Talk, der bis heute ziemlich glücklose Kleinanzeigendienst Google Base, ein eigener RSS-Reader. Und: Google kaufte das Unternehem Urchin und verwandelte dessen Webtraffic-Analysemethoden in sein Angebot Google Analytics. Damit bot das Unternehmen nun erstmals die vollständige Dienst-Palette einer Netz-Mediaagentur, eines Online-Werbevermarkters.

Die Geschäfte liefen auch 2005 hervorragend für Google - so gut, dass man eine Partnerschaft mit dem strauchelnden Online-Dinosaurier AOL verkünden und eine Millarde Dollar in das Unternehmen investieren konnte.
2006 - Google Video, Web-Applikationen , YouTube - und Kritik
Anfang des Jahres stellte Larry Page bei einem Vortrag bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas Google Video vor - und Google Pack, einen ersten, offenkundigen Angriff auf Microsoft, denn das Software-Paket enthielt diverse Anwendungen, die als Konkurrenzprodukte zu Microsofts Angebot gelten können. Gegründet wurde die Wohltätigkeitsorganisation Google.org, an den Start gingen außerdem der Finanzinformationsdienst Google Finance und die Paypal-Konkurrenz Google Checkout. Vor allem aber ist 2006 das Jahr, in dem man bei Google ernsthaft damit begann, Office-Anwendungen ins Web zu verlegen. Neben dem Google-Kalender wurde am Jahresende auch Google Docs & Spreadsheets livegeschaltet. Zuvor hatte Google Upstartle gekauft, ein Unternehmen, das bis dahin das Online-Textverarbeitungsprogramm Writely hergestellt hatte - nur eine von mehreren Akquisitionen. Auch SketchUp (3-D-Gebilde für Google Earth) und die Wiki-Plattform JotSpot wurden 2006 ins Google-Reich integriert.

Der prominenteste Ankauf des Jahres war jedoch YouTube: Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für die Videoplattform und holte sich so Konkurrenz zum eigenen, eben erst gestarteten Videoangebot ins Haus. Zudem wurde eine Werbe- und Suchpartnerschaft mit dem eben von Rupert Murdoch aufgekauften MySpace verkündet: Google stieg endlich ernsthaft ins Geschäft mit dem Web 2.0 ein.

Parallel verlor Google in den Augen vieler Nutzer seine Unschuld: mit dem Start einer eigenen Suchmaschine für China, die sich den Zensurwünschen der dortigen Regierung beugt. Eine Tibet-Unterstützergruppe rief eine Initiative namens "No love 4 Google" ins Leben - und fasste damit einen globalen Meinungsumschwung zusammen. Der Engelsglanz des vermeintlich anderen, besseren Unternehmens, den Google lange hatte aufrechterhalten können, schwand nach und nach.

Ende 2006 hat Google mehr als 10.600 Angestellte.
2007 - Googlemail für alle, DoubleClick, Streetview und Android
Im Februar wird Googles E-Mail-Dienst für alle geöffnet - bis dahin brauchte man eine Einladung, um seine E-Mails von AdSense nach Schlüsselwörtern durchsuchen zu lassen.

Vor allem aber ging Google 2007 auf Einkaufstour - in seinem Kerngeschäftsbereich, der Online-Werbung. Zunächst wurde Adscape, ein Spezialist für Werbung in Computerspielen, aufgekauft, dann DoubleClick. Über drei Milliarden Dollar ließ man sich den Online-Anzeigenvermarkter kosten - und eine Menge Ärger. Erst im März 2008 segnete die EU-Kommission den Kauf ab. Datenschützer sehen Google seit der DoubleClick-Akquisition noch kritischer, denn das Unternehmen ist nicht zuletzt darauf spezialisiert, möglichst gründlich Nutzerdaten zu sammeln, um personalisierte Werbung servieren zu können.

Außerdem schickte Google 2007 seine Foto-Autos los: Für die Maps-Erweiterung Streetview fuhren die Kamera-Mobile zunächst durch US-Großstädte - im Jahr 2008 sind sie auch in Deutschland unterwegs.

Außerdem beginnt Google verstärkt, Fühler in Richtung der alten Medienwelt auszustrecken - es gibt Testläufe für Werbevermarktung im Radio, in Print-Publikationen und im traditionellen Fernsehen.

Schon seit Jahren hatte Google verschiedene seiner Dienste in speziellen Handy-kompatiblen Versionen angeboten - Ende 2007 kam dann der ganz große Schritt in die mobile Welt: Das Handy-Betriebssystem Android wurde angekündigt, ein Open-Source-Projekt in Zusammenarbeit mit vielen Telekommunikationsanbietern und Handy-Herstellern.

Ein weiteres Open-Source-Projekt soll Google den Zugriff auf das Vermarktungspotential der Social Networks erleichtern: Die Plattform OpenSocial soll Netzwerkapplikationen transportabel machen, so dass sie bei MySpace genauso laufen können wie bei Xing. Die meisten der großen Communitys sind OpenSocial beigetreten - bis auf Facebook.
2008 - Knol, Chrome und kein Ende
Im laut offizieller Zeitrechnung zehnten Jahr seiner Existenz lässt die Suchmaschine im Tempo nicht nach. 2008 wurden eine kollaborative Wissensplattform (Knol), eine 3-D-Chatanwendung (Lively), Straßenansichten für noch mehr Großstädte - und ein eigener Google-Browser gestartet.

Gleichzeitig wächst die Kritik am Suchmaschinengiganten. Die immer neuen Projekte scheinen vielen Nutzern und Datenschützern inzwischen Ausdruck eines gewaltigen Datenhungers - sowohl auf persönliche Informationen über die Nutzer als auch auf nahezu jede beliebige Art von Information, die dem gewaltigen Weltarchiv Google einverleibt werden könnte. Der Google Leitspruch "Don't be evil" hat für manche inzwischen einen hohlen Klang, und die Missionserklärung, man wolle "alle Information der Welt organisieren", klingt zuweilen eher wie eine Drohung.