Intrigenskandal Neue Hinweise auf schmutzige Tricks der HSH Nordbank

In der Affäre um die HSH-Nordbank gelangen immer neue Details ans Licht. Der Leiter der New Yorker Filiale wurde nicht nur mit Kinderpornografie in Verbindung gebracht, auch die Spur zu einem Callgirl-Ring wurde ihm offenbar untergeschoben.

HSH Nordbank in Hamburg: Gefälschter Klebezettel mit Callgirl-Nummer
DPA

HSH Nordbank in Hamburg: Gefälschter Klebezettel mit Callgirl-Nummer


Hamburg - In der Spitzelaffäre um die HSH Nordbank gibt es einen neuen Verdacht. Dem ehemaligen New Yorker Filialleiter Roland K. soll nach SPIEGEL-Informationen neben Kinderpornos auch anderes kompromittierendes Material untergeschoben worden sein. Dabei handelt es sich, so die Anwaltskanzlei WilmerHale in einem streng vertraulichen Bericht für die Bank, um einen vermeintlichen Hinweis, dass K. Verbindungen zu einem Callgirl-Ring gehabt haben soll.

Bei einer bankinternen Razzia in K.s Büro im vergangenen September waren Ermittler der Bank, der Anwaltskanzlei Erbe und des Sicherheitsunternehmens Prevent auf einen Ordner mit Angeboten zu einem Ski-Trip in den US-Bundesstaat Wyoming gestoßen, den K. mit Kunden der Bank unternommen hatte. In dem Ordner befand sich, laut WilmerHale, ein Klebezettel mit einer handgeschriebenen Telefonnummer. Die führte zum "Fine as Wine Ladies Escort Service" in Ohio. So sollte offenbar der Eindruck erweckt werden, dass K. auf Kosten der Bank auch Orgien mit Kunden gefeiert hätte, wie die WilmerHale-Anwälte meinen.

Denn auch in diesem Fall spricht vieles für eine falsche Spur, die K. belasten sollte. Die Juristen monierten beispielsweise, dass K.s Sekretärin die Handschrift nicht wiedererkannt habe. Beim Vergleich mit anderen von K. beschriebenen Papieren hätten sich zudem deutliche Unterschiede gezeigt. Zu Details aus dem WilmerHale-Bericht wollte sich keiner der Beteiligten gegenüber dem SPIEGEL äußern.

Fragen wirft inzwischen auch die Bezahlung des wegen der Affäre derzeit freigestellten Chefjustitiars der Bank, Wolfgang Gößmann, und des Personalchefs Stefan B. auf, die beide bei der Razzia in New York dabei waren. Sie erhielten 2009 beträchtliche Gehaltserhöhungen. Gößmann kassierte einen Aufschlag von 30.000 Euro. B.s Salär stieg gar um 67 Prozent per annum. Gößmanns Anwälte erklärten, zwischen einer "etwaigen Gehaltserhöhung" und den Ereignissen in New York bestehe "kein auch nur ansatzweiser Zusammenhang".

Die Bank wollte zu "Gehältern einzelner Mitarbeiter keine Stellung nehmen". Für die New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft ist der Fall klar: In der vergangenen Woche versicherte sie schriftlich, K. sei "im Zusammenhang mit dem Fund von Kinderpornografie ein Opfer rechtswidriger Handlungen".

mik

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wolfstar 04.09.2010
1. die hsh
hach... es ist so eine schöne bank- systemrelevant bis ins letzte... jeder von den 12 mrd. euros zur rettung ist genau richtig investiert. Eigentlich sollte man eine soap-opera draus machen um wenigstens etwas geld wieder zu bekommen. Gute nacht hamburg.
mmeissner, 04.09.2010
2. Nonnenmacher muß weg!
Nach meiner persönlichen Überzeugung hat Nonnenmacher das alles eingefädelt und ich finde es beachtlich, wie sich die Politik von ihm verarschen läßt! Alleine sein Anspruch, alle aus dem Vorstand der HSH zu drängen, die er nicht selber dort reingeholt hat, spricht für eine schräge Grundeinstellung, auch hat Nonnenmacher wohl vergessen, dass er die ganze Zeit das Geld der Steuerzahler auf den Kopf haut. In diesem Zusammenhang finde ich es z.B. eine Frechheit, dass er meint sich ständig nicht gegenüber der Presse äußern zu müssen! Jeder andere Bankvorstand ist auskunftswillig, nur derjenige, welcher als einziger Mrd von Steuergeldern verbrennt, meint nichts sagen zu müssen. Jedenfalls passt ein Unterschieben getürkter Beweise nach meinem Eindruck charakterlich sehr gut zu Nonnenmacher, der sowieso nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Und was ist mit den Gremien? Unser Peanuts-Opa scheint schon so senil zu sein, dass er von dem ganzen Affentheater nichts mehr mitbekommt, sonst hätte er Nonnenmacher schon lange den Arschtritt verpassen müssen. Und Gößmann erhält weiterhin sein Gehalt, obwohl ihm eigentlich der Prozess gemacht werden müßte, wirklich skandalös! Wie lange läßt sich die Politik in HH und SH das bloß noch gefallen???
Hennes 04.09.2010
3. Feine Gesellschaft
Schon die Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank (s. manager-magazin) hat gezeigt, dass mit Bankern nicht gut Kirschen essen ist. Wen wundert es da, wenn die Politik in schöner Regelmäßigkeit gegenüber der Finanzwelt einknickt? Eine Leiche hat jeder im Keller (Volksmund) - und die Großfinanz hat genügend Mittel, um diese von gedungenen Helfern ausbuddeln zu lassen.
Wattläufer 04.09.2010
4. System HSH
Zitat von mmeissnerNach meiner persönlichen Überzeugung hat Nonnenmacher das alles eingefädelt und ich finde es beachtlich, wie sich die Politik von ihm verarschen läßt! Alleine sein Anspruch, alle aus dem Vorstand der HSH zu drängen, die er nicht selber dort reingeholt hat, spricht für eine schräge Grundeinstellung, auch hat Nonnenmacher wohl vergessen, dass er die ganze Zeit das Geld der Steuerzahler auf den Kopf haut. In diesem Zusammenhang finde ich es z.B. eine Frechheit, dass er meint sich ständig nicht gegenüber der Presse äußern zu müssen! Jeder andere Bankvorstand ist auskunftswillig, nur derjenige, welcher als einziger Mrd von Steuergeldern verbrennt, meint nichts sagen zu müssen. Jedenfalls passt ein Unterschieben getürkter Beweise nach meinem Eindruck charakterlich sehr gut zu Nonnenmacher, der sowieso nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Und was ist mit den Gremien? Unser Peanuts-Opa scheint schon so senil zu sein, dass er von dem ganzen Affentheater nichts mehr mitbekommt, sonst hätte er Nonnenmacher schon lange den Arschtritt verpassen müssen. Und Gößmann erhält weiterhin sein Gehalt, obwohl ihm eigentlich der Prozess gemacht werden müßte, wirklich skandalös! Wie lange läßt sich die Politik in HH und SH das bloß noch gefallen???
Noch sehr lange. Untersuchungsausschüsse bringen nichts weil die Politiker das System HSH-Nordbank genauso wenig verstehen wie die meisten Bankster selber einschließlich ihrer "Produkte". Außerdem sind die Politiker in HH ( neuer Bürgermeister , neue Senatoren ) und SH ( Neuwahlen ) mit sich selber beschäftigt. Es hilft nur die totale Zerschlagung dieser Anstalt und die Übertragung der wichtigen Kreditvergabe für den Mittelstand an andere Banken bzw. Sparkassen. Für die Mitarbeiter dürfte es mit dem Lebenslauf schwierig sein einen neuen Job zu finden ;- Da sollte besser der Staatsanwalt in NYC etwas unternehmen ! In Hamburg / Kiel haben die Welpenschutz und daß weiß No. auch ! Vorsicht vor internen Untersuchungen der HSH ! Wer den Sumpf austrocknen will darf nicht die Frösche fragen.
key_art 04.09.2010
5. ... um den Gegner loszuwerden ...
... arbeitet man in den erlauchten Wirtschaftskreisen in Deutschland inzwischen mit ähnlichen Methoden. In einem mir vertrauten Fall mit einigen Parallelen zum Fall HSH hat man folgende Strategie eingesetzt - mit Hilfe von Anwälten der Dependance einer großen amerikanischen Anwaltskanzlei in einer norddeutschen Großstadt: 1. Der Gegner wurde einem detaillierten Monitoring ausgesetzt, nach dem Motto: Jeder hat Dreck am Stecken. 2. Er wurde mehrere Wochen lang durch Detektive observiert, einschl. Durchwühlen des Mülls und Altpapiers. Laut einem Anwalt gehört Einbruch ebenfalls zur Repertoire. In diesem Fall gab es zwei Einbruchsversuche. 3. Die Observierung war so auffällig, dass die Nachbarn darauf aufmerksam wurden. 4. Um den Gegner zu verleumden, wurde er u.a. durch belastende Falschaussagen bei der Staatsanwaltschaft für eine kriminelle Tat angezeigt. In diesem Fall waren die Behauptungen so abwegig, die Lügenkonstrukte so stümperhaft, dass die Polizei die Ermittlungen sofort einstellte. 5. Es gab starke Einschüchterungsversuche gegenüber dem Betroffenen und seiner Familie. Sie bekamen z.B. einen Tag vor einem wichtigen Gerichtstermin mehrere Morddrohungen. 6. Der Betroffene war durchgehend damit beschäftigt, falsche Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen. 7. Dadurch sollte er zermürbt werden, damit er aufgibt. 8. Im Prozess wurde versucht, den Richter mit perfiden psychologischen Tricks zu beeinflussen. 9. Gleichzeitig wurde versucht, jede Verzögerungstaktik einzusetzen und möglichst viel Papier zu produzieren, damit der Richter keine Lust hat, sich mit dem Fall zu beschäftigen. 10. Ebenso wurden zahlreiche Nebenkriegsschauplätze mit abstrusen und irrwitzigen Behauptungen aufgebaut, um von den Kernpunkten abzulenken. 11. Das Widerlegen der Behauptungen war kompliziert und mit hohen Kosten verbunden. 12. Zudem wurde darauf gesetzt, dass der Richter es sich nicht vorstellen könnte, dass ein „ehrbarer“ Kaufmann bzw. eine renommierte Anwaltskanzlei so viel kriminelle Energie entwickeln könnten und daher geneigt wäre, ihnen zu glauben. 13. Selbst nach einem gewonnenen Prozess setzte man die gleiche Strategie in der nächsten Instanz wieder ein, mit vorher schon 100% widerlegten, aber dort unbekannten falschen Behauptungen. Wenn mir jemand diese Story vor ein paar Jahren erzählt hätte, hätte ich gedacht, derjenige sei paranoid oder habe zu viele B-Krimis gesehen, habe jedoch die Geschehnisse aus nächster Nähe mit verfolgt. Insofern habe an den gegen die HSH erhobenen Vorwürfe absolut keinen Zweifel. Tja, so wird's heute gemacht - ohne Skrupel, ohne jeden Anstand, selbst wenn das Leben der Betroffenen und deren Familien dadurch zu Grunde gerichtet werden.
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