Investmentbanking Morgan Stanley will Hunderte Wertpapierhändler einstellen

Die Konkurrenz zieht davon, 2009 endete mit Verlusten - die Zurückhaltung beim Handel mit Wertpapieren hat der US-Investmentbank Morgan Stanley wenig Glück gebracht. Das will der neue Chef James Gorman jetzt ändern. Er will das Zockergeschäft wieder stärken.

Morgan-Stanley-Chef Gorman: "Wir bieten den Kunden zu wenig"
REUTERS

Morgan-Stanley-Chef Gorman: "Wir bieten den Kunden zu wenig"


New York - Der riskante Handel mit Wertpapieren gilt seit der Finanzkrise als anrüchig. Das ist für viele Banken kein Grund, auf das Geschäft zu verzichten. Lediglich die Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigen übte sich zunächst in Zurückhaltung - und verlor so Boden auf Konkurrenten wie Goldman Sachs Chart zeigenund JPMorgan Chase Chart zeigen.

Diesen Rückstand will der neue Morgan-Stanley-Chef James Gorman jetzt aufholen. Er kündigte an, Hunderte neue Wertpapierhändler einzustellen. "Wir bieten den Kunden zu wenig. Wir haben zu wenige Leute an der Front, zu wenige große Firmenkunden, und wir vermissen auch viele kleinere Kunden", sagte Gorman der "Financial Times".

Die Kehrtwende im Wertpapiergeschäft ist überlebenswichtig für Morgan Stanley, nachdem die Bank 2009 erstmals einen Jahresverlust ausweisen musste. Obwohl die Bank bereits 2009 rund 350 neue Händler eingestellt hatte, gelang es ihr nicht, im gleichen Maß vom Boom an den Anleihen-, Rohstoff-, Devisen- und Zinsmärkten zu profitieren wie die Konkurrenz.

Dass der frühere McKinsey-Berater und Merrill-Lynch-Banker Chart zeigen nun auf Angriff umschaltet, verwundert allerdings. Schließlich erwarten viele Branchenkenner, dass sich der Handelsboom des Jahres 2009 kaum wiederholen lässt.

Gorman ist dagegen zuversichtlich: "In der Vergangenheit wollten die institutionellen Investoren vor allem komplexe strukturierte Produkte", sagte er. Künftig seien dagegen einfachere Produkte vor allem im Anleihegeschäft gefragt. "Wir brauchen einen deutlich größeren Fußabdruck bei Produkten wie Devisen, Aktienderivaten und Rohstoffen. Wir könnten locker um ein Viertel größer sein, als wir sind. Die Investoren wollen Geschäfte mit uns machen", sagte Gorman weiter. "2009 war ein Jahr des Übergangs. 2010 wird ein Jahr der Umsetzung sein."

Gormans Ankündigung stellt einen Bruch mit der Strategie seines Vorgängers John Mack dar, der Morgan Stanley im Zuge der Finanzkrise einen risikoärmeren Kurs im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen verordnet hatte. Gorman hatte Mack zum Jahreswechsel abgelöst, Mack ist immer noch Verwaltungsratsvorsitzender von Morgan Stanley.

mik/dpa-AFX



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Seite 1
japan10 30.01.2010
1.
Zitat von sysopDie Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigen weiterhin Politik und Unternehmen. Die Diskussion um Schuld und Haftung für die Folgen des Desasters gehen weiter. Können verantwortliche Banker von der Justiz hierfür belangt werden?
Bei uns in D auf gar keinen Fall.
Berg 30.01.2010
2.
Zitat von sysopDie Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigen weiterhin Politik und Unternehmen. Die Diskussion um Schuld und Haftung für die Folgen des Desasters gehen weiter. Können verantwortliche Banker von der Justiz hierfür belangt werden?
Kann denn in einer Bank jede Finanzaktion genau einem bestimmten Banker zugeordnet werden? Wie werden denn Überweisungen, Ein- und Verkäufe von Finanzprodukten usw. ausgelöst? Wer hat die entscheidenen Unterschriftsvollmachten? Was wissen die Banker untereinander vom Geschäft im Nebenzimmer? Welche hierarchien sind in einem Bankgebäude eingerichtet? Welche persönliche Haftung wird Bankern zugeordnet? Geht es dort um Tages-, Monats- oder Jahresbilanzen? Wird Plus und Minus täglich, monatlich oder kumulativ übers Jahr ermittelt? Werden Verluste gegen Gewinne aufgerechnet? Gibt es Grenzen für Peanuts? Was ist unter "belangen" zu verstehen: Verfehlung, Schuldzuweisung, Verbrechen, strafrechtliche Relevanz? Das wüsste ich gerne, bevor die o.g. Frage beantwortet wird.
Knippi2006 30.01.2010
3.
Zitat von BergKann denn in einer Bank jede Finanzaktion genau einem bestimmten Banker zugeordnet werden? Wie werden denn Überweisungen, Ein- und Verkäufe von Finanzprodukten usw. ausgelöst? Wer hat die entscheidenen Unterschriftsvollmachten? Was wissen die Banker untereinander vom Geschäft im Nebenzimmer? Welche hierarchien sind in einem Bankgebäude eingerichtet? Welche persönliche Haftung wird Bankern zugeordnet? Geht es dort um Tages-, Monats- oder Jahresbilanzen? Wird Plus und Minus täglich, monatlich oder kumulativ übers Jahr ermittelt? Werden Verluste gegen Gewinne aufgerechnet? Gibt es Grenzen für Peanuts? Was ist unter "belangen" zu verstehen: Verfehlung, Schuldzuweisung, Verbrechen, strafrechtliche Relevanz? Das wüsste ich gerne, bevor die o.g. Frage beantwortet wird.
Sie stellen zwar teils sinnvolle Fragen, wie wär es denn aber mit denen: Wann wußten die Verantwortlichen in der DB von der Höhe des Risikos bei bestimmten Engagements? Wann wurden eben diese risikobehafteten Papiere in die öffentlichen Banken gedrückt? Vor oder nach interner Bewußtwerdung über das Risiko? Wer war daran beteiligt, welche persönlichen (Ex DB-Mitarbeiter in Vorstand der IHK etc.) und politischen Verbindungen wurden hierfür genutzt? Schon lange hätte eine Staatsanwaltschaft die Unterlagen der Deutsche Bank, IKB und KFW sowie der HRE sichten müssen. Hierzu zählen vor allem Protokolle der Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen sowie die damit verbundenen internen Vermerke, E-Mails usw. Dass dies nicht getan wurde, lässt Rückschlüsse auf politische Einflußnahme bei den zuständigen Staatsanwaltschaften vermuten, denn es gibt eindeutige Hinweise, auch schriftlicher Art über derlei Vorgänge. Ich halte das, was da abgelaufen ist für ein Musterbeispiel organisierter Kriminalität.
Berg 30.01.2010
4.
Zitat von Knippi2006Sie stellen zwar teils sinnvolle Fragen, wie wär es denn aber mit denen: Wann wußten die Verantwortlichen in der DB von der Höhe des Risikos bei bestimmten Engagements? Wann wurden eben diese risikobehafteten Papiere in die öffentlichen Banken gedrückt? Vor oder nach interner Bewußtwerdung über das Risiko? Wer war daran beteiligt, welche persönlichen (Ex DB-Mitarbeiter in Vorstand der IHK etc.) und politischen Verbindungen wurden hierfür genutzt? Schon lange hätte eine Staatsanwaltschaft die Unterlagen der Deutsche Bank, IKB und KFW sowie der HRE sichten müssen. Hierzu zählen vor allem Protokolle der Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen sowie die damit verbundenen internen Vermerke, E-Mails usw. Dass dies nicht getan wurde, lässt Rückschlüsse auf politische Einflußnahme bei den zuständigen Staatsanwaltschaften vermuten, denn es gibt eindeutige Hinweise, auch schriftlicher Art über derlei Vorgänge. Ich halte das, was da abgelaufen ist für ein Musterbeispiel organisierter Kriminalität.
Mich brauchen Sie nicht zu überzeugen. Ich bin ganz Ihrer Meinung. Allerdings ordne ich dieses Bankengehabe, das Profitstreben, die Geldgier, die Spielermentalitäten dem ganz gewöhnlichen Kapitalismus zu, wo Gewinnmachen über allem steht. Und an diesem System wird nunmal nicht gerüttelt. "Kriminell" würde bedeuten, dass Straftatbestände überhaupt ersteinmal definiert werden müssten; denn keiner hat ABSICHTLICH seine Finanztransaktion in die Verluste gefahren. IMMER wollten ALLE gewinnen. Der Begriff "Risiko" allein verbirgt, dass Verluste zu erwarten sind - fragt sich nur wo, bei wem.
Interessierter0815 30.01.2010
5.
Zitat von sysopDie Folgen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise beschäftigen weiterhin Politik und Unternehmen. Die Diskussion um Schuld und Haftung für die Folgen des Desasters gehen weiter. Können verantwortliche Banker von der Justiz hierfür belangt werden?
Justizia ist die Hure des Kapitals, also wie soll das funktionieren?
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