Investor Juri Milner Russlands starker Mann bei Facebook

Juri Milner ist der Web-Magnat Russlands: Er besitzt mehrere soziale Netzwerke, sein Konzern DST kontrolliert fast den gesamten heimischen Markt. Doch der Self-made-Unternehmer wollte mehr - und ist im großen Stil beim US-Konkurrenten Facebook eingestiegen. Was hat er vor?

Juri Milner: "Soziale Netzwerke verändern unser Leben wie früher die Elektrizität"
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Juri Milner: "Soziale Netzwerke verändern unser Leben wie früher die Elektrizität"

Von , Moskau


Wer ins Zentrum der Macht von Russlands Web-Zaren vorstößt, den befällt ein leichter Schwindel. Rasend erklimmt der Aufzug rund 200 Höhenmeter bis zu den Moskauer Büros von Juri Milner, für den Aufstieg braucht man nur 40 Sekunden.

Gemeinsam mit der US-Großbank Goldman Sachs hat Milner gerade den Facebook-Wert über die 50-Milliarden-Dollar-Grenze getrieben. Die Amerikaner investieren 450 Millionen Dollar, der Russe schießt 50 Millionen Dollar zu. Jetzt ist das soziale Netzwerk mehr wert als Konzerne wie Ebay oder Time Warner, sein Gründer Mark Zuckerberg doppelt so reich wie bisher angenommen.

Doch wer ist der Mann, der hinter dem Mega-Deal steckt? Und vor allem: Was haben die Russen mit Facebook vor?

Gäste empfängt Milner im 57. Stockwerk eines Wolkenkratzers in Moscow City, einem Geschäftsviertel aus Stahl und Glas, Russlands Antwort auf Manhattan. Hier residiert seine Mail.ru Group, Russlands Web-Konzern Nummer eins, im Westen bekannt unter dem Namen Digital Sky Technologies (DST). Mit inzwischen zehn Prozent sind die Russen zum größten ausländischen Teilhaber an Facebook aufgestiegen.

Marktanteil von 70 Prozent

Milner ist ein Mann mit sanftem Händedruck und einer Vorliebe für lässige Kleidung: am liebsten Jeans, am besten keine Krawatte. 75 Prozent seiner Zeit, so berichtet Milners Schwester Marina, widmet er Treffen mit Gründern vielversprechender Start-Ups in den USA und Russland. Mitunter verhandelt der Firmenchef, dessen Privatvermögen auf 600 Millionen Dollar geschätzt wird, auch mal persönlich mit 17-jährigen Schulschwänzern, deren Projekte sein Interesse gewonnen haben.

"Soziale Netzwerke verändern unser Leben, wie das in der Vergangenheit die Elektrizität tat oder die Atomenergie", hat Milner einmal gesagt.

Mit Rückendeckung des Kreml hat der Unternehmer in den vergangenen Jahren einen milliardenschweren Web-Konzern geformt, der mehrere Dutzend Unternehmensbeteiligungen hält. Auf rund 70 Prozent schätzt das Unternehmen selbst seinen Anteil am russischsprachigen Markt, den die "Mail.ru Group" mit Seiten wie den Facebook-Klonen Vkontakte.ru und Odnoklasniki ("Klassenkameraden") erreicht.

Jahrelang haben sich amerikanische IT-Giganten wie Google gemüht, den russischen Markt zu erobern. Doch die einheimischen Web-Konzerne konnten jeden Angriff abwehren. Nun expandieren sie selbst nach Übersee, allen voran Milners Investmentfirma. Für 188 Millionen Dollar kaufte DST im Frühjahr den beliebten Icq-Messanger von AOL, im April kauften sich die Russen für 135 Millionen Dollar beim Start-Up Groupon ein.

Der Kreml schätzt den erfolgreichen Web-Magnaten

Russlands Führung blickt mit Wohlwollen auf den umtriebigen Geschäftsmann. Präsident Dmitrij Medwedew, selbst Internet-Fan und gelegentlicher Blogger, sieht im Web die "wichtigste Ressource" für die Modernisierung des Landes. Der Staatschef will die Abhängigkeit der heimischen Wirtschaft von Gas- und Ölexporten reduzieren. Medwedew plant, vor den Toren Moskaus eine Art "russisches Silicon Valley" hochzuziehen.

Daher schätzt der Kremlchef den Rat des erfolgreichen Web-Magnaten und hat Milner in seine Modernisierungskommission berufen. Das Internet gleiche "einem Tsunami, der viele Boote anhebt", sagte Milner einmal. "Wenn Du in einem großen Boot sitzt, dann kann es dich sehr weit tragen."

Er selbst zimmert seit rund zehn Jahren an einem ziemlich großen Dampfer. Anfang November brachte Milner rund 17 Prozent der Unternehmensanteile von Mail.ru an die Londoner Börse. Gleich am ersten Handelstag machte der Kurs einen Satz nach oben - und katapultierte damit den Wert der Firmengruppe auf fast sechs Milliarden Dollar.

Zudem verfügt Milner über einen besonders finanzstarken Partner: 2008 übernahm Alischer Usmanow die Mehrheit bei DST, ein Vertreter der russischen Wirtschaftselite alten Schlags, die in den wilden neunziger Jahren von der Privatisierung ehemals staatseigener Schlüsselindustrien profitierte. Der Gas- und Stahlmagnat, Spitzname "harter Mann Russlands", saß in den achtziger Jahren in sowjetischen Arbeitslagern, wegen "aufgeblasener Vorwürfe", wie Usmanow heute beteuert.

"Er ist einfach weitsichtiger als andere"

Inzwischen pflegt der Oligarch, dessen Vermögen rund 7,2 Milliarden Dollar betragen soll, freundschaftliche Beziehungen zur Mannschaft um Premierminister Wladimir Putin. Britische Wirtschaftsblätter spekulierten daher nach Usmanows Einstieg bei Milner, der Kreml stärke mit dem Deal vor allem seinen Zugriff auf Russlands neue Medien. Ähnliche Befürchtungen wurden laut, als die staatseigene Sberbank 2009 beim russischen Suchmaschinen-Champion Yandex einstieg.

Dass aber Milners kurzer Draht zur Usmanow oder gar zum Kreml der Grund für seine Erfolge sind, würden nicht einmal russische Regime-Gegner behaupten. "Er hat enge Beziehungen zum Kreml, doch das ist nicht sein Erfolgsgeheimnis", sagt Boris Nemzow, einer der Führer der demokratischen Opposition. "Er ist einfach weitsichtiger als andere."

Was dies für Facebook bedeutet, scheint damit klar: Milner glaubt offenbar an die Zukunft des Unternehmens - auch in finanzieller Hinsicht. Dass er in die Geschicke des Netzwerks aktiv eingreift, ist wohl nicht zu erwarten, da sind sich Beobachter einig. Aber mit einem satten Return on Investment wird er schon rechnen.

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insgesamt 24 Beiträge
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MarkusKrawehl, 03.01.2011
1. So?
"Doch wer ist der Mann, der hinter dem Mega-Deal steckt? Und vor allem: Was haben die Russen mit Facebook vor?" Wahrscheinlich die bolschwistische Weltrevolution weiterführen und wenn nicht dies - dann zumindest etwas anderes ganz Böses. So?
Nikolai C.C. 03.01.2011
2. moralisches Return on Investment
Ein paar Millionen wären auch bei unserem Webprojekt willkommen, in zehn Ländern online, http://www.memoro.org, und es wäre mal etwas in ein gemeinnütziges Projekt investiert. Спасибо! (spa'si:ba)
Zyklotron, 03.01.2011
3. Zar
Zitat von MarkusKrawehl"Doch wer ist der Mann, der hinter dem Mega-Deal steckt? Und vor allem: Was haben die Russen mit Facebook vor?" Wahrscheinlich die bolschwistische Weltrevolution weiterführen und wenn nicht dies - dann zumindest etwas anderes ganz Böses. So?
Das aktuelle Russland ist wohl eher dem Zarenreich näher als den Bolschewisten. Da kann globale Weinungsmache und volle Kontrolle über die Sozio-Netzwerke nicht schaden.
nzz 03.01.2011
4. Was hat er vor?
Ich habe die Geschäftspapiere des Russe geleakt und Folgendes herausgefunden: Sein Plan ist so finster wie nicht von dieser Welt: Er will mit Facebook GELD verdienen. ;-)
Superhustler 03.01.2011
5. Das heißt nur....
dass Juri Milner für einen sehr kleinen Bruchteil von Facebook viel Geld ausgegeben hat.
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