Angriff auf Firmengründer Microsoft-Investoren verlangen Rückzug von Bill Gates

Bill Gates unter Druck: Große Investoren fordern offenbar den Rückzug des Firmengründers von der Spitze des Microsoft-Verwaltungsrats. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge halten sie ansonsten eine Neuausrichtung des IT-Konzerns für schwer durchführbar.

Microsoft-Gründer Gates: Der Druck wächst
REUTERS

Microsoft-Gründer Gates: Der Druck wächst


New York/Seattle - Microsoft und Bill Gates sind bislang voneinander untrennbare Begriffe - doch nun wächst der Druck auf den Firmengründer, sich von der Spitze des Unternehmens zurückzuziehen. Drei große Investoren drängten darauf, dass Gates den Vorsitz des Verwaltungsrats räumt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider.

Die Investoren, die zusammen mehr als fünf Prozent an dem weltgrößten Softwarekonzern halten, fürchten demnach, eine Veränderung der Konzernstrategie sei mit Gates als Chairman des Verwaltungsrats schwer umzusetzen. Ferner hätte es der noch nicht benannte künftige Konzernchef unlängst schwerer, substantielle Änderungen vorzunehmen.

Hintergrund für den Vorstoß ist dem Bericht zufolge Gates' Rolle bei der Suche nach einem neuen Konzernlenker. Der Firmengründer gehört dem damit beauftragten Ausschuss an. Microsoft Chart zeigen selbst wollte sich zu den Informationen vorerst nicht äußern.

Microsoft im Wandel

In den meisten US-amerikanischen Aktiengesellschaften gibt es im Unterschied zum deutschen System nur ein Spitzengremium, das Board beziehungsweise den Verwaltungsrat. Während in Deutschland der Vorstand für das operative Geschäft und der Aufsichtsrat für die Kontrolle des Vorstands zuständig ist, übernimmt in diesem Fällen der amerikanische Verwaltungsrat beide Funktionen.

Bei Microsoft sind allerdings die Rollen des operativ Verantwortlichen - des Chief Executive Officers (CEO), der dem deutschen Vorstandschef entspricht - und des Chefaufsehers - dem Chairman - getrennt, seit Gates sich im Jahr 2000 aus dem Tagesgeschäft zurückzug. Seitdem ist er der oberste Aufseher, während Steve Ballmer in den vergangenen 13 Jahren als CEO die Geschäfte führte.

Microsoft hatte Ende August angekündigt, dass Ballmer innerhalb der nächsten zwölf Monate zurücktritt. Das Unternehmen steckt mitten im Umbau in einen Konzern für Elektronikgeräte und Dienstleistungen. Dieser war nötig geworden, da Microsofts vor allem durch die Dominanz im Betriebssystemmarkt für Desktop-Computer begründete Vormachtstellung durch den Wandel zu Tablets und Smartphones schwindet.

fdi/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 40 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kohle&Reibach 02.10.2013
1. Diese sogenannten "Investoren"
Zitat von sysopREUTERSBill Gates unter Druck: Große Investoren fordern offenbar den Rückzug des Firmengründers von der Spitze des Microsoft-Verwaltungsrats. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge halten sie ansonsten eine Neuausrichtung des IT-Konzerns für schwer durchführbar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/investoren-verlangen-rueckzug-von-bill-gates-von-microsoft-spitze-a-925678.html
kaufen sich langsam die ganze Welt auf, ist das schon jemanden aufgefallen. Wo kommt das Geld her und was sind das für Leute. Da steckt zuviel Macht hinter.
Eppelein von Gailingen 02.10.2013
2. Ein nimmersatter Bill Gates hat wirklich genug verdient mit seinem Monopolverein
Außerdem sollen sich diese Superreichen nicht hinter ihren Stiftungen verstecken, die nur vorgaukeln Heilbringer der hungernden Bevölkerung zu sein. Tatsächlich ist es nichts anderes als ein Steuersparmodell, welches gerade ein bisschen Zinsen herausleiern lässt. Der Gates ist mittlerweile auch ein Daddy im fortgeschrittenen Alter, was will er in seine 6-Bretter Kiste mitnehmen? Investoren verlangen Rückzug von Bill Gates von Microsoft-Spitze - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/investoren-verlangen-rueckzug-von-bill-gates-von-microsoft-spitze-a-925678.html)
vandenplas 02.10.2013
3. Microsoft bewegt sich auf ein existenzielles Problem zu
Dank der vielen Grosskunden weltweit laufen die Geschäfte noch gut für Microsoft. Man darf aber nicht vergessen, dass es gerade überall dort wo Personalcomputer hauptsächlich für administrative Aufgaben eingesetzt werden einen Trend in Richtung Web Browser basierter Software gibt. Während frühere Applikationen (mit kompiliertem Client Modul) nur lauffähig waren auf einer bestimmtem Betriebssystem/CPU Architektur (meist WINTEL), so funktionieren heutige Applikationen fast auf jedem Internet Browser (IE, Firefox, Chrome, Safari etc...) und unterschiedlichster Hardware. Natürlich hat Microsoft gerade mit seinem Exchange Server und Outlook immer noch einen beachtlichen Vorsprung vor der Konkurrenz. Auf Dauer wird das aber als Alleinstellungsmerkmal nicht mehr reichen. Viele Firmen nutzen heute noch Windows XP und Windows 7. Die Frage ist, was kommt danach? Meine Wette ist, dass sich viele Firmen für freie Alternativen entscheiden und die eingesparten Lizenz-Kosten lieber in den Support stecken werden. Ein zweiter Trend könnte BYOD werden - "Bring Your Own Device". Gerade die immer leistungsfähigeren Smartphones könnten die Büro Computer der Zukunft werden (siehe z.B. Ubuntu for Phones) und in Kombination mit Docking Stations sowohl Desktops als auch Laptops ersetzen. Für das bisherige Geschäftsmodell von Microsoft bleibt da wenig Raum. Genau das sehe ich tatsächlich als existenzielle Bedrohung der nächsten Jahre.
wohltaer 02.10.2013
4. Böse Investoren
Zitat von Kohle&Reibachkaufen sich langsam die ganze Welt auf, ist das schon jemanden aufgefallen. Wo kommt das Geld her und was sind das für Leute. Da steckt zuviel Macht hinter.
In vielen Fällen sind "wir" diese Investoren. Denn das Geld, das wir in unsere Fonds und Rentenversicherungen einzahlen liegt ja nicht im Sparstrumpf des Sparkassendirektors. Sondern diejenigen, denen wir das anvertrauen(!) können damit große Räder drehen. Im Fall von Microsoft sind es vermutlich weniger deutsche Sparer aber große Pensionsfonds von US-amerikanischen Kleinsparern. Also kein Platz für Verschwörungstheorien. Aber sehr wohl für Appelle, sein Geld dort anzulegen und anzusparen wo man Transparenz dafür bekommt was damit geschieht (zB GLS).
timm 02.10.2013
5. Hat Bill Gates denn wirklich Schuld an Microsofts Misere?
Damit mich die zahlreichen Microsoft-Hasser nicht falsch verstehen, eine Bemerkung vorne weg: Ich möchte nicht sagen, daß Microsoft in der Vergangenheit nur gute Produkte auf den Markt gebracht hat oder immer fair mit seinen Wettbewerbern umgegangen ist! Aber war es nicht so, daß Microsoft bis zum Rückzug von Bill Gates fast mit allen Kern-Produkten führend war? Windows war vor 13 Jahren das dominierende Betriebssystem. Der IE war vor 13 Jahren der dominierende Browser. MS Office war das dominierende Office-Tool. Mit Abstrichen waren auch der MS SQL Server, sowie der Windows Server marktbestimmend und man hatte mit .NET mehr als nur einen Fuß in der Tür, was die Entwicklungsumgebungen angeht. Daß man auch Games-Markt und Hardware-Segment mitspielte mal außen vor. Und das wurde doch alles in den letzten 13 Jahren verspielt, oder liege ich da völlig falsch? Die Schuld nun (nur) bei Bill Gates zu suchen finde ich daher falsch. Im Gegenteil: Vielleicht war und ist dieser Antityp zu Steve Jobs für Microsoft wichtiger als man denkt. Auch wenn er sicher nicht dazu geeignet ist, eine nahezu sektiererische Jüngerschaft um sich zu scharen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.