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Zahlen des iPhone-Herstellers: Apple kämpft um jeden Bissen

Von , New York

Apple-Vorstandschef Tim Cook (im September): Schock überwunden Zur Großansicht
AFP

Apple-Vorstandschef Tim Cook (im September): Schock überwunden

Verkaufsrekorde fürs iPhone, aber schrumpfende Gewinne: Mit einer durchwachsenen Quartalsbilanz schließt Apple sein Sorgenjahr 2013 ab. Der Tech-Gigant überwindet seine Midlife-Krise langsam - nun muss ihm nur noch die Wall Street vertrauen.

Es der Wall Street recht zu machen, ist immer schwierig. Investoren reagieren gerne nach irrationalen Kriterien, Marktanalysten haben ihre ureigenen Maßstäbe. Und nackte Zahlen sind sowieso vieldeutig: Gut ist oft nicht gut genug, und schlecht kann manchmal knapp ausreichen.

Das merkt auch der Tech-Riese Apple. Am Montagabend verkündete er einen neuen iPhone-Verkaufsrekord, samt hübschem Umsatzwachstum. "Ein starkes Finale eines bemerkenwerten Jahres", prahlte Vorstandschef Tim Cook in einer Konferenzschaltung mit Analysten. "Apple hat seinen Abstieg überwunden", befand auch das Silicon-Valley-Blog "TechCrunch".

Und doch: Der "spannendste Quartalsbericht dieses Jahres" ("Business Insider") war am Ende eine ziemlich durchwachsene Packung, und die Wall Street nörgelte. Die wichtigsten Zahlen und Punkte im Überblick:

Umsatz: 37,5 Milliarden Dollar im letzten Geschäftsquartal (Juli bis September), vier Prozent mehr als im Vorjahresquartal (36 Milliarden Dollar) und auch mehr, als die Wall Street erwartet hatte (36,8 Milliarden Dollar).

Gewinn: 7,5 Milliarden Dollar, weniger als im Vorjahresquartal (8,2 Milliarden Dollar), aber mehr, als die Wall Street erwartet hatte (7,2 Milliarden Dollar).

iPhone: 33,8 Millionen verkaufte Exemplare, ein neuer Rekord fürs September-Quartal und 26 Prozent mehr als im Vorjahresquartal (26,9 Millionen). Trotzdem verpasste Apple die Erwartungen der Analysten (34,5 Millionen), selbst mit den zum Quartalsende gelaunchten, viel gehypten neuen Modellen 5C und 5S. Immerhin: Mit 19,5 Milliarden Dollar bestritten die iPhones die Hälfte des Gesamtumsatzes.

iPad: 14,1 Millionen verkaufte Exemplare, kaum mehr als in vierten Quartal 2012 (14 Millionen) und auch weniger, als die Wall Street erhofft hatte (14,5 Millionen). Die neuen iPad-Modelle (iPad Air, iPad Mini mit Retina-Bildschirm) kommen allerdings erst im nächsten Quartal zum Tragen.

Mac: Apple verkaufte 4,6 Millionen Macs im Quartal, 400.000 weniger als noch vor einem Jahr. Apples Zugpferd zeigt Altersschwäche.

Neue Produkte: Schon in den letzten Quartalen hofften die Fans vergeblich auf neue Produktankündigungen. Apple TV? iWatch? Leider auch diesmal: Fehlanzeige.

Weshalb sich die Wall Street zunächst auch unbeeindruckt zeigte: Nachbörslich sackte die Apple-Aktie ab. Erst zum Ende der Konferenzschaltung, bei der Cook und sein Finanzchef Peter Oppenheimer wacker auf die kritischen Analysten einredeten, fing sie sich wieder.

Fest steht: Apple müht sich um jeden Bissen. Doch die Reaktion offenbart eine weiter schwelende Unsicherheit über Apples Zukunft. Die Boomjahre sind vorbei, der Hype ist verklungen - was kommt nun? Zwei Jahre nach dem Tod des ikonischen Apple-Mitbegründers Steve Job gewöhnt sich nicht nur Apple schwer an die neuen Realitäten.

Es hat die gleiche Midlife-Krise hinter sich wie die meisten bahnbrechenden Tech-Konzerne: Statt laufend neue Sensationsprodukte zu erfinden (iMac, iPod, iPhone, zuletzt 2010 das iPad), lebt es inzwischen von smarten, aber selten schlagzeilenträchtigen Upgrades bestehender Ideen. Der Harvard-Professor Clayton Christensen hat dafür ein Schlagwort geprägt: "Innovator's Dilemma."

Nach dem Schock kommt Akzeptanz

Apples Zahlen bleiben spektakulär: So steigerte sich das iPhone über seine Reinkarnationen von 11,6 Millionen verkauften Exemplaren (2008) auf 125 Millionen im vorigen Jahr. Das dürfte sich 2013 fortsetzen. Allein im September verkaufte Apple neun Millionen der neuesten iPhone-Modelle 5S und 5C - am ersten Wochenende: "Unser bisher bester iPhone-Launch", so Cook damals. Ein Rekord, und doch nicht genug.

Die Investoren sehen Apples Lage aber gelassener, als es die Hauruck-Reaktion ahnen lässt. Im großen Rahmen hat sich die Aktie von einer langen Tauchfahrt erholt; seit April, als sie auf 391 Dollar sackte, geht es aufwärts. Nach dem Schock der Sinnkrise kommt die Akzeptanz.

Einigen ist das nicht genug. Carl Icahn, der berüchtigte Großinvestor und Shareholder-Aktivist, stockte seinen Apple-Anteil im August auf 1,5 Milliarden Dollar auf, verbunden mit der Forderung nach weiteren Aktienrückkäufen in Höhe von 150 Milliarden Dollar - über die massive Rückkaufaktion hinaus (60 Milliarden Dollar bis Ende 2015), die Cook im Frühjahr einleitete. "Ich kann Ihnen versprechen, dass ich nicht verschwinden werde, bis die von mir noch viel mehr darüber gehört haben", drohte er vorige Woche im Wirtschaftssender CNBC.

Cook ließ ihn abblitzen. "Wir wissen die Anregungen sehr zu schätzen", sagte er.

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Nicht nachvollziehbar
Mertrager 29.10.2013
So richtig nachvollziehbar ist der Artikel nicht. Da fehlt wohl einiges an Hintergrundwissen. Trendsetter lassen sich in diesem Bereich nur mit enormem finanziellem und zeitlichem Aufwand entwickeln. Das ist bzgl der genannten Apple-Produckte bekannt. Der Auffwand an Zeit und Geld entspricht den Erwartungen einiger Analysten. Unbekannt ?
2. Die Revolution frisst ihre Kinder
Addams 29.10.2013
Was dem Unternehmen fehlt ist das Visionäre der frühen Tage. Sie verprellen derzeit ihre kreativen und kritischen Kunden. Ob es das Einstellen der Weiterentwicklung einer 1.000€ teueren Videoschnittsoftware ist, das Sterben des 17"Segmentes (ab 2014 sogar des 13" Segmentes) oder die Reuktion von Bürosoftware auf den popeligen iOS-Standard. Stets werden Änderungen dem Kunden aufgezwungen, ohne Übergangsphasen zu gestatten. Die Weiterentwicklung der beiden Betriebssysteme ist restriktiv, oft auch irreversibel. Aktuelles Beispiel: Ich habe vor 2 Jahren das iPhone 4S gekauft. Ein Standardfeature war, wie bei anderen Smartphones, das Synchronisieren der Kalender- und Kontaktdaten via Kabel. Nach der letzten Aktualisierung schaltet Apple diese Möglichkeit alternativlos ab. Das wäre so, als wenn dieses Unternehmen die Audiobuchse deaktivierte mit er Begründung, es gäbe genügend Peripherie die via Bluetooth ansteuerbar ist. Was da bei Apple gerade passiert, wirkt wie ein visionäres Gebaren eines Unternehmen, dem der Visionär weggestorben ist. Die hohen Verkaufszahlen werden sich schon reduzieren, wenn genügend Künstler, Kreative und Journalisten auf den Einsatz dieser funktionsreduzierten Hardware verzichten. Als langjähriger Apple-Kunde wünsche ich diesem Unternehmen eine Aktie-Talfahrt, die sich gewaschen hat.
3. Der Jobbs fehlt
dersprecher 29.10.2013
Und das wird der erneute Untergang von Apple sein. Die Innovationen fehlen, noch profitiert man von dem Mythos Apple, dem I-Phone, dem I-Pad, etc. Aber in wenigen Jahren werden andere den Kult zertreten haben, der Jobbs fehlt halt.
4. Apples Zugpferd zeigt Altersschwäche?
Doktor Weisenheimer 29.10.2013
"Apple verkaufte 4,6 Millionen Macs im Quartal, 400.000 weniger als noch vor einem Jahr. Apples Zugpferd zeigt Altersschwäche" Was für ein Quatsch! Was hier passiert ist, daß das iPad den Entry-Level-Mac-Bereich kannibalisiert. Anwender, die sich früher zum Surfen im Netz und für ihr bisschen email-Korrespondenz einen kleines MacBook oder gar einen iMac gekauft hätten, sehen heute mit einem günstigeren iPad ihre Bedürfnisse befriedigt. Apple steht, wenn man dieses Phänomen betrachtet, mit dem Mac immer noch gut da. Ich möchte nicht in der Haut von Dell & Co. stecken...
5. Immer der gleiche Schwachsinn
rstevens 29.10.2013
Die einzige erkennbare Krise ist bei Analysten und der Presse. Apple ist wertvollste Marke, verkauft so viele iPhones wie nie zu vor und auch sonst sehen die Fakten sehr gut aus. Lediglich völlig überzogene Analystenerwartungen wurden nicht erfüllt und die Presse schreibt gebetsmühlenartig den Untergang herbei. Irgendwas passt hier nicht zusammen. Aber gut, Spiegel schreibt trotzdem über das "Krisenjahr".
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