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30. Dezember 2012, 14:52 Uhr

Rückzug der USA

China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak

Die USA ziehen sich aus dem Irak zurück - nun stößt China in die Lücke vor. Nach SPIEGEL-Informationen zeigt der Ölkonzern PetroChina Interesse an einem 50 Milliarden Dollar schweren Investment. Der Deal wäre ein großer Erfolg für die Volksrepublik im Wettlauf um Rohstoffe.

Hamburg - "Blut für Öl": Diesen Vorwurf mussten sich die Amerikaner nach dem Irak-Krieg gefallen lassen. Tatsächlich lag der Verdacht nahe, dass hinter der Intervention das Interesse an den großen Ölreserven des Landes stand. Doch während sehr viel Blut floss, fließt mittlerweile kaum noch Öl: Zehn Jahre nach Beginn des Krieges hat Amerika keinen einzigen bedeutenden Ölvertrag mit Bagdad mehr.

Von der irakischen Regierung unter Druck gesetzt, will nun auch der US-Multi ExxonMobil nach SPIEGEL-Informationen seine Beteiligung an West Kurna-1, einem der größten Ölfelder der Welt, aufgeben. Interesse an der Übernahme des 50 Milliarden Dollar teuren Investments zeigt der chinesische Energieriese PetroChina: "Exxon hat seinen Anteil zum Verkauf angeboten. PetroChina ist zweifellos einer der aussichtsreichsten Kandidaten", so Thamir Ghadban, Chefberater des irakischen Ministerpräsidenten: "Die Zeit ist günstig für eine Übernahme. Sie könnte schon Anfang Januar erfolgen."

Für China wäre dies ein weiterer Schritt in seiner aggressiven Ressourcenpolitik: Die staatlichen Energieriesen CNOOC , Sinopec und Petrochina expandieren mit Hochdruck ins Ausland und haben bereits Dutzende kleine und mittelgroße Unternehmen aufgekauft, darunter mehrere westliche Firmen. Der Ölkonzern CNOOC ist gerade dabei, den kanadischen Ölriesen Nexen zu kaufen. Langfristig wollen alle drei chinesischen Staatskonzerne zu BP, Exxon und Co. aufschließen. Die Motivation Chinas ist zum einen, Zugang zu Know-how zu erlangen. Zum anderen will das Land seinen steigenden Energiebedarf decken.

Der Rückzug des US-Multis Exxon aus dem ölreichen Südirak ist unterdessen nicht freiwillig erfolgt. Er ist vielmehr eine Konsequenz der Geschäfte des US-Konzerns im kurdischen Norden des Landes: Bagdad duldet keine Separatverträge ausländischer Ölfirmen mit den autonomen Kurden.

Doch auch China setzt sich bereits jetzt über die Ansagen der Regierung in Bagdad hinweg: Während PetroChina im Südirak auf den Exxon-Rückzug spekuliert, bohrt Sinopec im kurdischen Norden nach Öl.

mia

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