Rückzug der USA China plant milliardenschweren Öl-Deal im Irak

Die USA ziehen sich aus dem Irak zurück - nun stößt China in die Lücke vor. Nach SPIEGEL-Informationen zeigt der Ölkonzern PetroChina Interesse an einem 50 Milliarden Dollar schweren Investment. Der Deal wäre ein großer Erfolg für die Volksrepublik im Wettlauf um Rohstoffe.

Ölfeld West Kurna-1 im Irak: ExxonMobil zieht sich zurück, PetroChina hat Interesse
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Ölfeld West Kurna-1 im Irak: ExxonMobil zieht sich zurück, PetroChina hat Interesse


Hamburg - "Blut für Öl": Diesen Vorwurf mussten sich die Amerikaner nach dem Irak-Krieg gefallen lassen. Tatsächlich lag der Verdacht nahe, dass hinter der Intervention das Interesse an den großen Ölreserven des Landes stand. Doch während sehr viel Blut floss, fließt mittlerweile kaum noch Öl: Zehn Jahre nach Beginn des Krieges hat Amerika keinen einzigen bedeutenden Ölvertrag mit Bagdad mehr.

Von der irakischen Regierung unter Druck gesetzt, will nun auch der US-Multi ExxonMobil Chart zeigen nach SPIEGEL-Informationen seine Beteiligung an West Kurna-1, einem der größten Ölfelder der Welt, aufgeben. Interesse an der Übernahme des 50 Milliarden Dollar teuren Investments zeigt der chinesische Energieriese PetroChina: "Exxon hat seinen Anteil zum Verkauf angeboten. PetroChina ist zweifellos einer der aussichtsreichsten Kandidaten", so Thamir Ghadban, Chefberater des irakischen Ministerpräsidenten: "Die Zeit ist günstig für eine Übernahme. Sie könnte schon Anfang Januar erfolgen."

Für China wäre dies ein weiterer Schritt in seiner aggressiven Ressourcenpolitik: Die staatlichen Energieriesen CNOOC Chart zeigen, Sinopec und Petrochina expandieren mit Hochdruck ins Ausland und haben bereits Dutzende kleine und mittelgroße Unternehmen aufgekauft, darunter mehrere westliche Firmen. Der Ölkonzern CNOOC ist gerade dabei, den kanadischen Ölriesen Nexen Chart zeigen zu kaufen. Langfristig wollen alle drei chinesischen Staatskonzerne zu BP, Exxon und Co. aufschließen. Die Motivation Chinas ist zum einen, Zugang zu Know-how zu erlangen. Zum anderen will das Land seinen steigenden Energiebedarf decken.

Der Rückzug des US-Multis Exxon aus dem ölreichen Südirak ist unterdessen nicht freiwillig erfolgt. Er ist vielmehr eine Konsequenz der Geschäfte des US-Konzerns im kurdischen Norden des Landes: Bagdad duldet keine Separatverträge ausländischer Ölfirmen mit den autonomen Kurden.

Doch auch China setzt sich bereits jetzt über die Ansagen der Regierung in Bagdad hinweg: Während PetroChina im Südirak auf den Exxon-Rückzug spekuliert, bohrt Sinopec im kurdischen Norden nach Öl.

mia

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insgesamt 129 Beiträge
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spon-facebook-10000283853 30.12.2012
1. optional
Blut für Öl hat schon vor Jahren nicht gestimmt. Die Versteigerung der Lizenzen gingen zum überwiegenden Teil an China - aber schon vor viele Jahren, warum SPON jetzt darüber berichtet, als würde sich die USA "zurückziehen" hat wohl eher mit Ideologie zu tun.
zettelmeyer.freelancer 30.12.2012
2. Welch Überraschung...
diese Reaktion eines eroberten... nein Entschuldigung "befreiten" Landes. Hat wirklich irgendjemand geglaubt das der von den Amis veranstaltete Krieg keine Konsequenzen hat? Was würde wohl ein europäisches Land dazu sagen wenn es von einer modernen islamischen Armee "befreit" würde. Wäre interessant zu wissen wie die hiesige Bevölkerung das aufnehmen würde.
Walther Kempinski 30.12.2012
3. Ach wie seltsam
Komisch komisch, jahrelang haben sich linke Elemente diverse Körperteile eingerissen, abgerissen oder aufgerissen um nimmermüde zu betonen, dass die Amis weges des Öls einmarschiert sind. Nun lassen sie den Großteil des Öls einfach zurück und überlassen das Feld irgendwem sonst. Die Frage muß erlaubt sein und da müssen sich einige Leute mal ernsthafte Fragen stellen: Kann es eigentlich sein, dass wir die sogenannten Amis im Kern überhaupt nicht verstehen? Nur weil Hitler in den Kaukasus einmarschieren wollte, um das Öl zu holen, müssen die USA deswegen nicht gleich die selben Ziele verfolgen. Ich könnte jetzt schreiben wie differenziert das Bild der Irak-Invasion ist und wie man die Ursachen dafür bewerten muß. Aber ich bin ehrlich gesagt leid, lernresistenten Linken stetig die Welt zu erklären. Sie lernen ja doch nicht dazu und kotzen bei nächster Gelegenheit erneut ihre Emo-Soße übern Tisch.
hxk 30.12.2012
4. Kein Grund zur Schadenfreude...
...denn dank Fracking haben die USA Erdgas bis zum Umfallen und nun sind im Mittleren Westen gigantische Ölvorkommen entdeckt worden. Daher ist es für die USA immer weniger notwendig Öl aus dem gefährlichen Nahen Osten zu beziehen. Und als Tüpfelchen auf dem i haben auch die Israelis große Öl- und Gasvorkommen vor ihrer Küste. :) :)
ofelas 30.12.2012
5. Selbstversorger in 15 Jahren (wieder)
Ein gewisser Chomsky hat die Foreign Policy Papiere der USA sehr genau studiert, und meinte; es ging/geht der USA garnicht darum das gesamte Oel des Mittleren Ostens fuer sich zu kontrollieren sondern zu bestimmen wer ansonsten das Oel haben darf (ohne Oel kein wirtschaftliche Entwicklung) Erst mit dem Saudi/Al Qaida Problem wollte die USA sich einen anderen sicheren Zulieferer haben (Irak)
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