Exporte nach Iran Deutsche Wirtschaft rechnet mit 80.000 neuen Jobs

Deutsche Firmen erwarten durch die Geschäfte mit Iran einen Exportboom. Dadurch könnten in Deutschland Zehntausende neue Arbeitsplätze entstehen. Doch noch sind vor allem die Banken zurückhaltend.

Irans Energieminister Chitchian
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Irans Energieminister Chitchian


Die Erwartungen sind groß: Nach dem Ende der internationalen Sanktionen wollen deutsche Firmen ihre Handelsbeziehungen mit Iran rasch ausbauen - und rechnen bereits mit einem Exportboom. "Für die deutsche Wirtschaft besteht die Chance auf Aufträge in Milliardenhöhe", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Davon könnte auch der deutsche Arbeitsmarkt profitieren. "In Deutschland können dadurch rund 80.000 neue Arbeitsplätze entstehen", sagte Treier.

Iran besitzt die viertgrößten Erdölreserven und die zweitgrößten Gasressourcen weltweit. Allein im Ölgeschäft will der Staat Projekte mit einem Auftragsvolumen von rund 170 Milliarden Euro anschieben. Davon könnte die deutsche Industrie profitieren. Im vergangenen Jahr betrug der deutsche Außenhandel mit Iran noch 2,4 Milliarden Euro. Experten halten binnen weniger Jahren eine Verdopplung für machbar, mittelfristig gar eine Vervierfachung.

Beim Wettbewerb vor Ort könnten die deutschen Firmen auch von ihrem guten Ruf profitieren. "Iran war in den 1970er Jahren der zweitwichtigste Handelspartner für die deutsche Wirtschaft außerhalb Europas", sagte Treier beim ersten deutsch-iranischen Wirtschaftsforum der DIHK in Berlin.

Bankgeschäfte ausbauen

Einer der wesentlichen Gründe, warum es bei den Geschäften noch stockt, ist aus Sicht der DIHK die Finanzbeziehung zu Iran. Es gebe eine große Angst bei deutschen und europäischen Banken, bei Iran-Geschäften Strafen in den USA zu riskieren, sagte Treier.

Deshalb sollten die deutschen Geldhäuser prüfen, was jetzt schon bei Iran-Finanzierungen möglich sei, sagte Treier. Außenstaatssekretär Stephan Steinlein sagte deutschen Firmen Unterstützung der Bundesregierung beim Ausbau der Beziehungen zu. Iran sei einer "der chancenreichsten Märkte unserer Zeit".

Auch der iranische Energieminister Hamid Chitchian warb in Berlin um Investitionen und Partnerschaften. Die Ansiedlung deutscher Finanzinstitute in Iran sowie die Absicherung von Exportgeschäften deutscher Firmen durch staatliche Hermes-Bürgschaften wären erste Schritte, sagte er.

Nach dem Ende des Atomstreits waren westliche Sanktionen gegen Iran weitgehend aufgehoben worden. Zunächst konnten Exportgeschäfte deutscher Firmen mit Iran aber nicht mit staatlichen Hermes-Deckungen abgesichert werden. Grund dafür sind Altschulden iranischer Firmen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte kürzlich mitgeteilt, Berlin und Teheran verhandelten darüber, wie die Rückzahlung geregelt werden kann.

brk/dpa



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