Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geplante Förderoffensive: Iran droht Opec mit Preiskrieg

Die Sanktionen sind noch nicht aufgehoben, doch Iran verkündet schon pompöse Pläne. Man werde die Ölförderung 2014 wieder auf vier Millionen Barrel pro Tag steigern, sagte Ölminister Zangeneh auf der Opec-Sitzung in Wien. Selbst wenn man damit die Preispolitik des Kartells torpedieren sollte.

Iranischer Öltanker: Pompöse Förderpläne Zur Großansicht
AFP

Iranischer Öltanker: Pompöse Förderpläne

Wien - Ein endgültiger Kompromiss zum Stopp des iranischen Atomwaffenprogramms ist noch nicht ausgehandelt. Doch das Auftreten von Irans Ölminister Bijan Zangeneh auf der halbjährlichen Sitzung der Opec lässt erahnen, wie sich die Kräftegewichte im Nahen Osten verschieben könnten, wenn eine Einigung zustande kommen sollte.

In der Hoffnung auf eine baldige Lockerung internationaler Energiesanktionen trifft Iran bereits Vorbereitungen für eine Rückkehr westlicher Ölkonzerne - und nimmt dabei nicht gerade viel Rücksicht auf seine Partner im Opec-Kartell.

Am Mittwoch nannte Ölminister Bijan Zangeneh sieben Unternehmen, die er gerne im Land hätte, sobald die Strafmaßnahmen gegen den Energiesektor aufgehoben würden. Außer den europäischen Konzernen Total, Royal Dutch Shell, Eni, Statoil und BP waren dies die US-Branchenriesen Exxon Mobil und ConocoPhillips. Mit einigen Firmen führe er bereits Gespräche, sagte er.

Sein erklärtes Ziel sei es, die Ölproduktion im kommenden Jahr wieder auf mehr als vier Millionen Barrel pro Tag zu steigern (ein Barrel entspricht 159 Litern). Iran verfügt über die viertgrößten nachgewiesenen Ölreserven weltweit und über die größten belegten Erdgasreserven. Doch seit der Verhängung verschärfter Sanktionen im Jahr 2012 samt eines Ölembargos sind ausländische Investitionen zum Erliegen gekommen. Die tägliche Produktionsmenge sank von 4,3 Millionen Barrel im Jahr 2011 auf zuletzt 2,65 Millionen Barrel.

Vorgeschmack auf eine mögliche weltpolitische Zäsur

Im vergangenen Monat deutete sich jedoch Entspannung in dem Atomstreit ab. Die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Deutschland einigten sich mit Iran auf ein Zwischenabkommen mit dem Ziel, binnen sechs Monaten eine endgültige Einigung zu erzielen. Sollte dies gelingen, könnte dies eine baldige Aufhebung der Ölsanktionen nach sich ziehen.

Er beharre dann auf sein Recht, die Förderung zu steigern, sagte Zangeneh laut "Financial Times". "Unter allen Umständen werden wir vier Millionen Barrel erreichen, selbst wenn der Ölpreis dadurch auf 20 Dollar pro Barrel fällt", habe er in seiner Landessprache Farsi vor Journalisten gesagt. Andere Opec-Länder müssten ihre Produktion herunterfahren, wenn das Kartell den Preis stabil halten wolle.

Nun ist ein solch heftiger Preissturz nicht zu erwarten. Der Ölpreis lag seit der vergangenen Sitzung im Mai bei durchschnittlich mehr als 105 Dollar pro Barrel. Auch muss Iran zum Ausweiten seiner Fördermenge erst zahlreiche technische, ökonomische und politische Probleme überwinden. Dennoch gibt das harsche Auftreten des iranischen Ölministers einen Vorgeschmack auf eine mögliche weltpolitische Zäsur. Mit dem Genfer Abkommen zu Irans Atomprogramm kündigt sich die Verwandlung Irans vom Paria zum möglichen Partner der USA und Europas an. Und damit verbunden: der vermutliche Abstieg von Mächten wie Saudi-Arabien, das bislang Garant für die globale Ölversorgung war.

Kraftloses Kartell

Auch das Öl-Kartell Opec verliert aus mehreren Gründen Einfluss. Die Selbstversorgung der westlichen Welt steigt, unter anderem durch durch den Schieferölboom in den USA, den Ausbau alternativer Energien und wachsende Energieeffizienz.

Zudem wachsen die Spannungen in der Opec. Außer Iran droht noch ein zweites Mitgliedsland, seine eigenen Interessen über die des Kollektivs zu stellen. Der Irak will sich, obwohl al-Qaida gerade im Land einen neuen Bürgerkrieg entfacht, zur neuen Öl-Supermacht aufschwingen. Laut Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) soll die Produktion bis 2020 auf rund 6,1 Millionen Barrel pro Tag steigen, bis 2035 gar auf 8,3 Millionen Barrel.

Die Opec selbst müht sich, ihre internen Spannungen kleinzureden. Der Markt sei stabil, hieß es in einem Statement des Kartells. Das Wachstum der Weltwirtschaft werde sich beschleunigen, der Ölbedarf der Welt werde steigen.

Der Autor auf Facebook

ssu

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nur Verteuerung kommt bei uns an.
nano-thermit 04.12.2013
Die Preise gehen wenn dann gaaaaaaaaaaaanz zaghaft nach unten und sehr schnell wieder hoch. Und dort bleiben sie auch. Das Preisniveau für Benzin im direkten vergleich zu Ölpreisen vor 5 Jahren ist viel zu hoch. Der bürger sieht es und spürt es. Aber es gibt keine Chance auf faire Preise wenn man gegen das Kartell aus Politik und Wirtschaft ankämpfen muss. Danke Iran, für die Aussicht auf etwas niedrigere Preise.
2. ...durchaus..
elbfischer72 04.12.2013
...steht es dem Iran zu,seine Bodenschätze zu veräussern - auch wenn das Kritik hervorrufen mag.Sind Sanktionen aufgehoben,muss man halt damit rechnen,dass ein Staat im Geschäft der Großen mitspielen will.China,USA,Deutschland und alle anderen wahren ja auch in erster Linie die ganz eigenen wirtschaftlichen Interessen...
3. Verhandlungstaktik
thawn 04.12.2013
Das sind doch erstmal nur große Töne. Eine Schwächung der OPEC liegt durchaus im Interesse der an den Atom-Verhandlungen beteiligten Staaten im UN Sicherheitsrat. Insofern kann man diese Ankündigung erst einmal getrost als Verhandlungstatktik einstufen mit der der Westen geködert werden soll. Ein fallender Ölpreis würde beim Ankurbeln der Weltwirtschaft sicherlich nützlich sein. Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass der Irak, der bis vor Kurzem noch von den USA besetzt war, auch eine Ausweitung der Produktion anstrebt.
4.
Quentin_Quencher 04.12.2013
Zitat von sysopAFPDie Sanktionen sind noch nicht aufgehoben, doch Iran verkündet schon pompöse Pläne. Man werde die Ölförderung 2014 wieder auf vier Millionen Barrel pro Tag steigern, sagte Ölminister Zangeneh auf der Opec-Sitzung in Wien. Auch wenn man damit gegen Preisvorgaben des Kartells verstoße. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/iran-droht-opec-mit-preiskrieg-a-937269.html
Herr Schäuble, da müssen Sie sofort eingreifen und die Mineralöl- und Öko- UndwasweisichSteuer erhöhen. Wenns Öl billiger wird darf das keinesfalls beim Verbraucher ankommen, und muss sofort per Steuer abgeschöpft werden. Die Leute haben sich doch schon an die Preise gewöhnt, und als Finanzminister darf man sich doch eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen.
5. ...
MartinS. 04.12.2013
Zitat von nano-thermitDie Preise gehen wenn dann gaaaaaaaaaaaanz zaghaft nach unten und sehr schnell wieder hoch. Und dort bleiben sie auch. Das Preisniveau für Benzin im direkten vergleich zu Ölpreisen vor 5 Jahren ist viel zu hoch. Der bürger sieht es und spürt es. Aber es gibt keine Chance auf faire Preise wenn man gegen das Kartell aus Politik und Wirtschaft ankämpfen muss. Danke Iran, für die Aussicht auf etwas niedrigere Preise.
Keine Ahnung, wo sie leben... aber in Deutschland stagnieren die Benzinpreise seit zwei Jahren. Gemäß der vorherigen Preisentwicklung müssten wir mittlerweile eigentlich die 1,80 als Regelpreis schon überschritten haben, aber (glücklicherweise) gibt es in dieser Beziehung nun wirklich keinen Grund zum Meckern. (insbesondere, wenn man in Betracht zieht, dass die Ölpreise offen von einem Kartell gebildet werden können) Es gibt ja einiges an Preissteigerungen - aber die Benzinpreise sind tatsächlich ein Punkt, der sich derzeit stark bremsend auf die Inflationsrate auswirkt. Also ICH kann mich daran erinnern, dass die 1,70er-Grenze über ne ganze Weile hinweg schon gefallen ist... und heute bekomme ich es sogar immer wieder für UNTER 1,50. Das st deutlich gegen den Trend der Preissteigerungen. Reden wir hier etwa wieder von ner gefühlten Wahrheit?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Opec
Organisation
1960 gründeten Saudi-Arabien, Iran, Irak, Kuwait und Venezuela die Organisation erdölexportierender Länder. Es galt, die gemeinsamen Interessen gegenüber den Abnehmerstaaten - vornehmlich den Industrienationen aus der westlichen Welt - zu koordinieren. Später schlossen sich Indonesien, Katar, Libyen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien und Nigeria der Organisation an. Zuletzt kam Anfang 2007 Angola als Neumitglied hinzu. Zwischenzeitlich waren auch Gabun und Ecuador in der Organisation. Ziel ist eine gemeinsame Ölpolitik, unter anderem um sich gegen einen Preisverfall abzusichern.
Motive
Die weltweite Ausweitung der Ölproduktion nach Enddeckung neuer Ölquellen hatte zu einem drastischen Preisverfall geführt. Das Kartell sollte die Mitglieder nicht nur in die Lage versetzen, den Ölpreis durch Regulierung des Angebots zu steuern; auch die Macht der großen Ölkonzerne galt es zu stutzen, die sich während der Kolonialzeit die Kontrolle über die Ölquellen gesichert hatten und den Großteil der Gewinne kassierten.
Machtfülle
Die zwölf Opec-Mitglieder steuern rund 40 Prozent der weltweiten Erdölförderung bei. Ihr Anteil an den weltweiten Erdölreserven liegt sogar bei gut 75 Prozent. Zweimal pro Jahr treffen sich die Opec-Vertreter am Hauptsitz der Organisation in Wien, um die Förderquoten festzulegen. Die Mitglieder sind verpflichtet, sich an die Vorgaben zu halten. Die Disziplin einzelner Förderländer ließ in der Vergangenheit jedoch mehrfach zu wünschen übrig. Die Organisation hat aufgrund ihrer inneren Zerstrittenheit einen großen Teil ihrer Schlagkraft auf dem Markt eingebüßt.
Konflikte
Wie weit die Macht der Opec einst reichte, zeigte sich eindrucksvoll zu Anfang der siebziger Jahre. 1973 drosselte die Organisation die Erdölproduktion und sorgte durch einen Boykott gegenüber dem Westen für eine Preiserhöhung von fast 400 Prozent. Der Preis pro Barrel erhöhte sich von 2,89 Dollar auf 11,65. Da die Opec-Staaten zu dieser Zeit knapp 55 Prozent des weltweiten Bedarfs förderten, blieben kaum Möglichkeiten, sich dem Preisanstieg zu entziehen. Ende der siebziger Jahre, nach der iranischen Revolution, kam es zu einem zweiten Preisschub: Der Preis stieg mehrmals auf 35 Dollar pro Barrel. Dies verursachte allerdings wesentlich geringere Verwerfungen in den Industriestaaten als noch Anfang der siebziger Jahre.



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: