Iran und Russland Harte US-Linie trübt deutsche Exportaussichten

Die USA gehen massiv gegen Iran und Russland vor. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag fürchtet, dass deutsche Unternehmen zwischen die Fronten geraten.

Container Terminal in Mainz
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Container Terminal in Mainz


Die meisten im Ausland tätigen deutschen Unternehmen erwarten für das laufende Jahr gute Geschäfte, aber die Sorgen wegen der US-Politik gegenüber Russland und dem Iran wachsen.

"Das ist ein enormes Damoklesschwert", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Denn wegen des US-Sanktionsrechts würden von den neuen Sanktionen auch deutsche Unternehmen getroffen, wenn diese zum Beispiel im Iran Geschäfte machen und zugleich in den USA auch tätig sind. Zudem müssten dann US-Unternehmen mit diesen Unternehmen ihre Geschäfte zurückfahren.

Wegen der neuen Sanktionen, aber auch wegen zunehmender Barrieren wie höhere Zöllen und mehr Rechtsunsicherheit, senkt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) seine Prognose für das Wachstum der Exporte in diesem Jahr. Der Verband werde auf "fünf Prozent runter gehen mit unserer Exportprognose". Zu Jahresbeginn war noch ein Plus von mehr als sechs Prozent vorausgesagt worden. "Das handelspolitische Umfeld ist deutlich schwieriger geworden", sagte Treier.

Diese Auffassung wird von immer mehr im Ausland aktiven deutschen Unternehmen geteilt: Mittlerweile sieht jede vierte Firma in der Bevorzugung heimischer Konkurrenz oder in Handelshürden ein Risiko für ihre Geschäfte - das ergab die halbjährliche Umfrage der Auslandshandelskammern unter mehr als 5100 Mitgliedsunternehmen.

Bessere Konjunkturentwicklung erwartet

Trotz gestiegener Risiken blicken die Unternehmen insgesamt optimistisch auf das Auslandsgeschäft. 40 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer positiven Konjunkturentwicklung an ihren jeweiligen Standorten. Das sind so viele wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Frühjahr 2015. Lediglich zehn Prozent erwarten eine Verschlechterung.

In fast allen Weltregionen legten die Erwartungen an die Konjunktur zu. Nur in China gibt es einen leichten Rückgang, allerdings ausgehend von einem hohen Niveau. "Wir haben in allen Weltregionen eine synchron aufwärts gerichtete Konjunkturentwicklung", sagte Treier. "Das ist erstmals so seit langem der Fall." Davon profitiere die deutsche Wirtschaft angesichts ihrer internationalen Aufstellung. Sie wolle daher im Ausland verstärkt investieren und neue Mitarbeiter einstellen.

Allerdings flossen in die Umfrage der DIHK noch nicht die neuesten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump ein, das Atomabkommen mit dem Iran zu verlassen und neue Sanktionen gegen Iran zu verhängen.

Zuvor schon hatten neue US-Sanktionen unter anderem gegen den russischen Aluminium-Oligarchen Oleg Deripaska deutsche Unternehmen getroffen - wenn sie weiter Geschäfte mit dem Konglomerat Deripaskas machen, müssen sie Strafen fürchten.

Treier betonte, man gehe für 2018 von einem Wachstum beim Welt-Bruttoinlandsprodukt von vier Prozent aus. Besonders in den USA erwarten die Unternehmen bessere Geschäfte. "Die USA glänzen mit der Unternehmenssteuerreform". Sorgen bereiteten dagegen besonders die Geschäfte in der Türkei, Russland und Argentinien, das gerade in eine neue Währungskrise schlittere.

cop/dpa/Reuters



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