Trotz Sanktionen Russland verhandelt mit Iran über Öl-Deal

Iran und Russland arbeiten offenbar an einem Abkommen, das die Sanktionen gegen das Regime in Teheran unterlaufen würde. Einem Medienbericht zufolge will die Islamische Republik monatlich Öl im Wert von 1,5 Milliarden Dollar an Moskau liefern.

Irans Präsident Rohani, Russlands Präsident Putin (Archiv): Geschäftspartner
REUTERS/RIA Novosti

Irans Präsident Rohani, Russlands Präsident Putin (Archiv): Geschäftspartner


London/Ankara - Das Geschäft würde der gebeutelten iranischen Wirtschaft einen deutlichen Schub geben: Iran und Russland arbeiten offenbar an einem umfassenden Öllieferabkommen, das die von den USA und Europa im Atomstreit verhängten Sanktionen unterlaufen würde. Die Gespräche zwischen Teheran und Moskau kämen gut voran, es müssten nur noch letzte Details geklärt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit den Verhandlungen vertraute Personen auf russischer und iranischer Seite.

Die Vereinbarung sieht demnach ein Tauschgeschäft vor: Die Regierung in Moskau nimmt Iran 500.000 Fässer Öl am Tag ab und beliefert die Regierung in Teheran dafür mit verschiedenen Gütern. Um welche russischen Waren es sich dabei handelt, blieb zunächst unklar. Angesichts des gegenwärtigen Ölpreises von rund hundert Dollar pro Fass könnte Iran mit den angepeilten Lieferungen monatlich russische Waren in einem Gegenwert von 1,5 Milliarden Dollar einführen. Wegen der amerikanischen und europäischen Sanktionen sind die iranischen Ölausfuhren in den vergangenen 18 Monaten um mehr als die Hälfte auf eine Million Fässer am Tag geschrumpft. Das Abkommen mit Russland würde die iranischen Öl-Exporte damit auf einen Schlag um 50 Prozent erhöhen.

"Wir haben schon guten Fortschritt erzielt, die Chancen für einen Abschluss stehen gut", sagte ein russischer Unterhändler. Wann ein Abkommen unterzeichnet werden könne, hänge aber noch von der Klärung einiger Details ab. "Unser Wunsch ist es, den Deal so schnell wie möglich zu besiegeln", verlautete aus iranischen Verhandlungskreisen. "Wir können es hoffentlich bald unterschreiben, egal ob wir bei den Atomgesprächen in Genf eine Einigung erzielen."

In der Schweiz verhandeln Vertreter der Europäischen Union und den USA seit Donnerstag mit den Iranern über die technische Umsetzung einer im November geschlossenen Vereinbarung, mit der das umstrittene Atomprogramm ausgesetzt werden soll. Nach einer Einigung in technischen Fragen soll bis spätestens Mai ein endgültiges Abkommen stehen, das Iran die Nutzung der Kernenergie ausschließlich für friedliche Zwecke ermöglichen soll. Die Islamische Republik steht im Verdacht, mit ihrem Nuklearprogramm auch nach Atomwaffen zu streben.

nck/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
marcel2101 10.01.2014
1. Gut so!
Russland tut gut daran, der willkürlichen und verlogenen Sanktionspolitik des Westens nicht zu folgen, auch wenn sicher gleich wieder die Lüge von der beabsichtigten Vernichtung Israels durch den Iran zum x-ten mal neu aufgekocht wird.
eonyx81 10.01.2014
2. Finde ich gut
Soll sich die USA halt ihre Sanktionen in die Haare schmieren. Selbst die Welt ausspionieren, Kriege anzetteln, Drogenanbau unterstützen (siehe Afghanistan) und korrupt sein bis zum geht nicht mehr. Mir wird Russland trotz der massiven Hetze der Medien immer sympathischer. Danke Herr Putin - Sie sind ein weiser Staatsmann.
loki21 10.01.2014
3. Wo ist das Problem?
Solange der "Westen" mit jedem x-beliebigen Terrorregime Handel treiben kann, kann Putin auch mit dem Iran Verträge aushandeln.
monolithos 10.01.2014
4. Wenn 2 sich streiten ...
Was kümmert es Putin, wenn die USA mit dem Iran ein Problem haben? Langsam sollten die USA aber mal über diese Hausbesetzungsgeschichte um 1980 hinwegkommen. War nicht schön, aber sie sind ja selbst keine Unschuldsengel. Und wie ein Vergleich der beiden Länder hinsichtlich vorhandener (oder gar eingesetzter) Atomwaffen oder angezettelter Kriege ausgeht, will ich hier nicht wieder aufwärmen.
Lord Chester 10.01.2014
5. Seit 2006 drosselt der Iran seine Ölexporte
"Wegen der amerikanischen und europäischen Sanktionen sind die iranischen Ölausfuhren in den vergangenen 18 Monaten um mehr als die Hälfte auf eine Million Fässer am Tag geschrumpft." Das wurde so bereits 2006 von dem Staatspräsidenten des Irans Ahmadinedschad eingeleitet. Als Ölboykott des Westens in Antwort auf die Sanktionen. Nur noch China, Indien und Russland bekamen Öl. Deshalb bezahlten deutsche Autofahrer teilweise 1,70 Euro für einen Liter Benzin. Darüber berichten dann allerdings die US-affinen Medien nicht. Es ist sehr dumm, seine Ölquellen bei 92 USD/Barrel leerzupumpen, wenn man in 10 Jahren dafür 1.800.000 USD/Barrel bekommt. Inflation eingerechnet. :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.