Sanktionen Wie wichtig ist der Iran-Handel wirklich für Europa?

Die deutsche Wirtschaft läuft Sturm gegen Washingtons Forderung, ihr Iran-Geschäft abzuwickeln. Ein Überblick über die Handelsbeziehungen mit Teheran in Grafiken.

Mercedes auf einer Messe in Teheran (Archiv)
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Mercedes auf einer Messe in Teheran (Archiv)

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Als das Atomabkommen mit Iran 2015 unter Dach und Fach war, weckte das auch in der europäischen Wirtschaft große Hoffnungen. Vor allem die Politik schürte Erwartungen, deutsche und europäische Firmen könnten schon bald einen milliardenschweren Markt erschließen.

Fast im Wochentakt landeten damals Wirtschaftsminister von Bund und Ländern in Teheran, begleitet von großen Konzerndelegationen. Würde Deutschland, noch 2008 wichtigster Lieferant Irans für Maschinen, seine Führungsposition bald zurückerobern können?

Tatsächlich haben sich die Iran-Geschäfte deutscher Firmen seitdem deutlich zurückhaltender entwickelt. Der große Run auf Iran blieb aus. Das lag zu einem erheblichen Teil an der unklaren Position der USA. Vor allem große westliche Banken fürchteten, mit Iran-Geschäften selbst Ziel von US-Sanktionen zu werden. Aber auch die Gegebenheiten auf dem iranischen Markt selbst erwiesen sich als schwierig: Anbieter aus Asien hatten längst die Lücken gefüllt, die westliche Konzerne nach Verhängung der Sanktionen hinterlassen hatten.

Mehr Hintergründe zu dem Thema finden Sie hier: Boom, wo bist du?


Der Handel zwischen Iran und der EU ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich gewachsen. Zahlreiche europäische Firmen wollen von der Erschließung des Marktes mit 80 Millionen, meist jungen, Einwohnern profitieren.

Eine Auswertung von STATISTA zeigt allerdings auch ein deutliches Gefälle zu den USA: Amerikanische Unternehmen haben auch nach Inkrafttreten des Atomabkommens 2016 einen Bogen um Iran gemacht. Das Handelsvolumen von Iran und den USA ist verschwindend gering.

*Dollar zu durchschnittlichen Jahreswechselkursen in Euro umgerechnet
**Abkommen zwischen den fünf Mitgliedern des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und Deutschland mit Iran

Verglichen mit anderen wichtigen Handelspartnern Europas fällt der Anteil Irans am EU-Außenhandel allerdings auch verschwindend gering aus.

Ähnlich sieht es bei den Handelsströmen mit Deutschland aus: Sie sind 2016 und 2017 stark gewachsen - allerdings ausgehend von einer geringen Basis. Ein Beispiel: In der Schlüsselbranche Maschinenbau lag das Plus zuletzt bei mehr als 20 Prozent. Allerdings lagen die deutschen Gesamtausfuhren in dem Sektor auch 2017 bei weniger als einer Milliarde Euro.

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womo88 09.05.2018
1. Falsche Frage!
Die Frage müsste eigentlich lauten: Lässt sich Europa von den USA erpressen bzw. geht`s nicht auch ohne die USA? Die USA haben ihren Zenit überschritten.
MatthiasPetersbach 09.05.2018
2.
Irgendwie sehe ich jetzt nicht, warum man sich der völlig willkürlichen Einordnung der USA bzgl. guten und bösen Staaten unterwerfen soll. Und Ultimatusse :) kann ich auch stellen: Amerika soll seine Aktivitäten endlich mal auf den eigenen Kontinent beschränken. Und zwar sofort - sonst gibts Ärger. Die Welt wäre auf jeden Fall schöner.
teherlon 09.05.2018
3. Verkehrte Welt!
In Hinblick auf das jeweilige Handelsvolumen kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Die EU hat historisch über die letzten 10 Jahre betrachtet ein 25 bis 100x größeres Handelsvolumen mit dem Iran als die USA. Warum sich also die EU der Entscheidung oder dem Willen der USA anschließen oder beugen soll, erschließt sich daraus keinesfalls. Warum wir alle völlig panisch aufschreien, wenn die USA ihre - bisher sowieso schon seehr überschaubare Handelsbeziehungen - zum Iran kappen, ebenso wenig.
Marvin__ 09.05.2018
4. Warum ist Deutschland so scharf auf den Sitz im UN-Sicherheitsrat ...
... wenn wir bei allen wichtigen Entscheidungen die internationalen Institutionen sowieso umgehen? TTIP statt WHO, USA statt UN und Trump statt IAEO. Wenn sowieso jeder alleine handelt, und nur noch das Recht des Stärkeren gilt, dann sollten wir konsequenterweise die internationalen Organisationen abschaffen. Und für das gesparte Geld Panzer kaufen. Der Alleingang Trumps wäre übrigens ein guter Anlass, die Beziehungen zu Russland und China wieder aufzuwärmen, und die Richtung USA herunter zu fahren.
jowi.krause 09.05.2018
5. Falsche Frage!
Wichtig ist die Frage, wodurch Europa einen Handelskrieg der USA kompensieren könnte. Iran ist ein kleiner Markt, da ist nicht so viel Umsatz zu machen. Aber wenn wir die ohnehin unsinnigen Sanktionen gegen Russland beenden, da wäre schon eher was zu holen. Gemeinsam mit Russland und Iran könnte man auch den Petrodollar ablösen, den Dollar als Reservewährung gemeinsam mit China in Pension schicken. Dann wäre der "Wirtschaftsriese" USA sehr schnell auf Normalmaß geschrumpft und ebenso pleite wie Griechenland. Da soll Mutti M. nur nichts von Alternativlosigkeit erzählen. Es gibt Alternativen, man muss nur den.Mut haben, sie zu ergreifen. In einer Zeit, in der der tönerne Riese USA sich selbst als Führungsmacht abschafft, ist die Stunde für Europa, Russland und China gekommen, um das Überleben zu sichern. USA bedeutet Krieg, seit Jahrzehnten. Lasst uns endlich Friedenspolitik machen!
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