Verluste Betreiber beschließen Aus für Gaskraftwerk Irsching

Das Gaskraftwerk Irsching schreibt Verluste, vor allem wegen der Energiewende. Die Anteilseigner haben daher nun beschlossen, es stillzulegen - und erhöhen den Druck auf die Politik.

Gaskraftwerk Irsching: Turbinen auf modernstem Stand
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Gaskraftwerk Irsching: Turbinen auf modernstem Stand


Düsseldorf/Berlin - Das Gaskraftwerk Irsching ist erst wenige Jahre alt und eines der modernsten in Europa, doch wegen der Energiewende lohnt es sich nicht mehr. Jetzt haben die Betreiber offiziell dessen Stilllegung angekündigt. Die Bundesnetzagentur und der zuständige Netzbetreiber Tennet seien entsprechend informiert worden.

Die Blöcke Irsching 4 und 5 sollten zum 1. April 2016 vom Netz genommen werden, teilten der Konzern E.on sowie die Versorger Mainova, N-Ergie und HSE mit. Hintergrund sei "die mangelnde Perspektive für einen wirtschaftlichen Betrieb" nach Auslaufen der derzeitigen Verträge mit dem Netzbetreiber.

Zugleich drohten die Unternehmen "als Ultima Ratio" bereits jetzt mit rechtlichen Schritten, falls die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstehende Bundesnetzagentur der angemeldeten Stilllegung widersprechen sollte. Sie erhöhten damit noch einmal den Druck auf die Politik, die Rentabilität moderner Kraftwerke sicherzustellen.

Der Block Irsching 5 ging im Jahr 2010 in Betrieb und hat eine Leistung von 846 Megawatt. Der Block Irsching 4 mit 550 Megawatt Leistung, der dem Konzern E.on alleine gehört, ging 2011 in Betrieb. Beide Blöcke gehören zu den effizientesten und modernsten Kraftwerken Europas.

Doch Gaskraftwerke stehen derzeit massiv unter Druck: wegen der Energiewende und des Absturzes der Börsenstrompreise. "Die zunehmenden Mengen subventionierten Stroms aus erneuerbaren Energien und die niedrigen Großhandelspreise für Strom lassen mittlerweile keinen Einsatz am Markt mehr zu", erklärten die vier Betreiber.

Das Kraftwerk in Irsching ist insofern ein Beispiel für die Folgen der Energiewende, als immer mehr Ökostrom produziert wird, gleichzeitig aber nach wie vor die meisten Kohlemeiler auf Hochtouren laufen. Deshalb gibt es am Strommarkt ein immer größeres Überangebot. In der Folge sind die Preise stark gesunken. Vor allem Gaskraftwerke sind nicht mehr konkurrenzfähig und stehen die meiste Zeit still.

Streit um Stromtrassen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat bereits in Aussicht gestellt, dass die Bundesnetzagentur der Stilllegung widersprechen wird, wenn sie Irsching für die Stabilität der Netze für wichtig hält. In diesem Fall würden die beiden Blöcke unter die sogenannte Reserve-Kraftwerksverordnung fallen. Das wollen die Betreiber aber nicht hinnehmen. Denn diese Verordnung sei für ältere Kraftwerke gedacht und erkenne "wesentliche Kostenfaktoren" neuerer Anlagen nicht an.

Die angekündigte Stilllegung des Kraftwerks Irsching ist vor allem auch für Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) unbequem. Denn Bayern benötigt fossile Kraftwerke, um nach der Stilllegung aller Atomkraftwerke 2022 Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Strom könnte künftig aus Windrädern aus dem Norden der Republik kommen, doch dafür müssten erst zwei neue Stromtrassen errichtet werden, deren Bau Seehofer blockiert. Sein Alternativvorschlag: mehr Gaskraftwerke.

bos/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 172 Beiträge
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tempus fugit 30.03.2015
1. Ach ja,...
Drehhofer setzt - je nach Drehrichtung... - doch auf GKW, die EVU versuchen, nochmals mit Abschaltdrohungen Druck auszuüben und verspielen sich den letzten Rest an Vertrauen und Verständnis bei der Bevölkerung, die von denselbigen über Jahre hemmungslos abgezockt wurde! 100te Milliarden Gewinne - wohin? Ausland, Aktionäre, share holder, Politikhameplmänner? OK, dann schalten die halt ab - und wenn's gebraucht wird, schalten die das auch wieder an. Bei Atommeilern ist das nicht so einfach, denn die lassen sich nicht einfach 'abschalten' weil sie sich ohne Strom selbsttändig machen. Und deshalb über Jahrzehnte/Generationen mit Strom versorgt werden müssen, damit sie nicht in die Luft fliegen. Ob der Strom aus Irsching für die nötige Stromver-sorgung z.B. ausreicht?!
r_dawkins 30.03.2015
2. Stromkonzerne
sollten verstaatlicht werden! - Ebenso die Bahn. die einzig vernünftige Lösung!
spon_2776500 30.03.2015
3. Aha
Wegen der Energiewende ist Kohle so billig das Gas sich nicht mehr lohnt. Kling schlüssig. Böse Energiewende. Wie wärs mit einer Extra-Steuer für Kohle?
auweia 30.03.2015
4. Okay
Wenn der Staat die Versorgungssicherheit garantieren will, dann übernimmt er eben per Bundesnetzagentur das Kraftwerk. Es arbeitet zwar mit fossilem Brennstoff - aber weniger dreckig als ein Reserve-Kohlekraftwerk. Besitzer werden ausgezahlt und der Bund hält die Leistung vor. Ordnungspolitisch vielleicht nicht schön - aber es wäre meines Erachtens konsequent, denn die Entscheidung, den Energiemarkt umzubauen hat ja auch der Bund getroffen. Dann werden die Mitarbeiter des Kraftwerks eben fürs Herumsitzen bezahlt - bis mal ein Notfall bei Wind und Sonnenstrom eintritt und die Turbinen hochgefahren werden müssen. Wenn das auch in anderen Landesteilen passiert, kann die öffentliche Hand vielleicht eine solide Reserve-Grundlast angbieten und (vollabgeschriebene) private Kohlekraftwerke wirklich zurückgebaut werden.
Affenhirn 30.03.2015
5. politische Entscheidung der Betreiber
mit Sicherheit sind ältere Kraftwerke noch weniger rentabel als ausgerechnet dieses recht neue Kraftwerk. Aber vielleicht schon voll abgeschrieben, und daher können dort weniger Verluste erzeugt werden. Die Sonderabschreibung dieses neuen Kraftwerks würde sich dagegen lohnen. Haben die Spitzenpolitiker keine vernünftigen Berater, die das durchschauen können?
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