Israel Bahn steigt aus Schnellzugprojekt aus

Die Deutsche-Bahn-Tochter DB International (DBI) beugt sich dem politischen Druck. Sie zieht sich nach Informationen des SPIEGEL aus dem Neubauprojekt der Schnellzugverbindung Tel Aviv-Jerusalem zurück. Zuvor hatte Verkehrsminister Ramsauer auf die politische Brisanz hingewiesen.


Die geplante Eisenbahnverbindung soll spätestens im Jahr 2017 die beiden Großstädte Tel Aviv und Jerusalem in nur 28 Minuten miteinander verbinden. So wollten die Verantwortlichen das größte Verkehrsproblem des Landes lösen. Doch das 1,2-Milliarden-Euro-Vorhaben der israelischen Staatsbahn ist brisant, weil die Strecke sechs Kilometer weit durch das palästinensische Westjordanland führen soll; dies verletzt nach Ansicht von Projektgegnern internationales Recht.

Besonders betroffen wären die palästinensischen Dörfer Beit Surik und Beit Iksa. Die Bewohner befürchten, durch die Bauarbeiten an Brücken und Tunneln würden ihre Felder zerstört. Zudem mutmaßen sie, Israel könnte ihnen später aus "Sicherheitsgründen" den Zugang verbieten. Eine Palästinenser-Initiative hatte deshalb vor einigen Monaten das Engagement der Deutschen Bahn kritisiert.

Der Staatskonzern hatte Israel Railways bei der Elektrifizierung der Strecke beraten und Studien zu den Höhenprofilen erstellt. Nun macht die Bahn einen Rückzieher, nachdem auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in einem Brief an Bahn-Chef Rüdiger Grube auf die politische Brisanz des Projekts hingewiesen hatte. Bei der Deutschen Bahn heißt es, auch die DBI halte die geplante Streckenführung "aus völkerrechtlicher Sicht" für problematisch. Man habe daher gegenüber dem Auftraggeber deutlich gemacht, "dass es bei einem politisch derart sensiblen Projekt keine Aktivitäten der Deutschen Bahn geben kann".

rom

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