Bahn-Manager in spe Kann Pofalla Vorstand?

Ronald Pofalla, bis vor kurzem Chef des Kanzleramts, steht vor dem Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn. Doch ist der studierte Sozialpädagoge und Jurist für den Job überhaupt geeignet? Der Kompetenzcheck.

Pofalla: Der richtige Mann für die Konzernbilanz?
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Pofalla: Der richtige Mann für die Konzernbilanz?

Von manager-magazin.de-Redakteur


Hamburg - Sollte Ronald Pofalla tatsächlich in den Bahn-Vorstand wechseln, würde der Ex-Kanzleramtsminister die Welt der Wirtschaft erstmals von innen erleben. Der CDU-Politiker hat Sozialpädagogik und Jura auf dem zweiten Bildungsweg studiert und ist seit 20 Jahren Sozius der Essener Anwaltskanzlei Holthoff-Pförtner (die unter anderem Altkanzler Helmut Kohl in der Parteispendenaffäre vertrat). Seit 1990 aber ist der heute 54-Jährige vollauf mit Politik beschäftigt - als Mitglied des Bundestags und in verschiedenen Partei- und Regierungsämtern.

Seine Wirtschaftserfahrung

Der Arbeitstitel von Pofallas designiertem Job im Vorstand lautet "langfristige Unternehmensstrategie und Kontakte zur Politik". Letzteres passt perfekt zu seinen Jahren in Berlin, Ersteres eher nicht. Zudem sieht das Aktiengesetz die Gesamtverantwortung des Vorstands für die Geschäftsführung vor - Pofalla sollte also auch über Konzernbilanzen und Risikomanagement des Riesenkonzerns mit einem Umsatz von zuletzt rund 40 Milliarden Euro urteilen können.

Immerhin kann er im familiären Umfeld auf unternehmerische Erfahrung zurückgreifen - wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab: Bruder Werner liefert in der niederrheinischen Heimat mit seiner Firma Großküchen an Kliniken, Reha-Einrichtungen sowie Senioren- und Pflegeheime aus. Ob sein Bruder das Zeug zum Vorstand der Deutschen Bahn AG hat? "Dazu hat doch jeder seine eigene Meinung", sagt Werner Pofalla dem manager magazin. Er wolle sich dazu nicht äußern. Sein Bruder habe ihn erst am Donnerstag über die Entwicklungen informiert.

In seinen parlamentarischen Anfangsjahren war Pofalla auch mal für kurze Zeit wirtschaftspolitischer Sprecher der Union. Der heutige Fraktionschef Volker Kauder bescheinigte dem Juristen dafür 2004 "ausgezeichnete Arbeit" - mit dem merkwürdigen Zusatz: "sogar in Fragen des Wirtschafts- und Haushaltsrechts".

Sein Führungsstil

Sein letzter Job in der Politik verlangte von Pofalla höchste Managerqualitäten. Das Kanzleramt ist eine 450-köpfige Organisation mit immenser Bedeutung. "Das Amt selbst wird zum Sanierungsfall", analysierte ein Report des manager magazins kurz vor der Wahl. Es fehle Führung an der Spitze. Pofalla sei "ein Kanzleramtschef, der Konflikte ausräumen und Entscheidungen beschleunigen soll, stattdessen aber Streit schürt und Beschlüsse ausbremst". Dies betreffe vor allem für die Wirtschaft wichtige Themen.

Der SPIEGEL nannte Pofalla 2010 "Merkels Missmanager". "Unter Pofalla herrscht Organisationschaos", sagte damals ein anonymes FDP-Regierungsmitglied. Dem Minister wurde aus der schwarz-gelben Koalition angelastet, Kompromisse mit der SPD zum europäischen Fiskalpakt oder zur Strompreisbremse zu torpedieren und die Kanzlerin nicht rechtzeitig über Ursula von der Leyens Rentenpläne informiert zu haben. Gelungen sei ihm die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke - mit dem Makel, dass das Ergebnis nach einem halben Jahr wieder abgeräumt wurde.

Sein persönlicher Führungsstil, auch das eine wichtige Qualifikation für einen Vorstand, ist speziell. Die "taz" bezeichnete ihn als "cholerischen Polterer". Legendär sein Ausspruch gegenüber Fraktionskollege Wolfgang Bosbach: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen, du machst mit deiner Scheiße alle Leute verrückt."

Nur die Kanzlerin hielt stets zu ihrem treuen Diener. "Ronald Pofalla ist das Versöhnungswerk auf Rädern", sagte sie einmal vor Journalisten. Und entgegnete dem Gelächter: "Wenn Sie wüssten, worüber man noch streiten könnte, dann wüssten Sie, was Ronald Pofalla alles leistet."

Seine Bahn-Expertise

Mit dem Unternehmen Deutsche Bahn, der Logistik insgesamt, ist Pofalla bislang eher sporadisch in Kontakt gekommen: Vor 2009 war er Projektbeirat der DB Netz AG, als Abgeordneter für den Wahlkreis Kleve kümmerte er sich auch um Details von Lärmschutz und Bahnübergängen der "Betuwe-Linie" - des 1,5 Milliarden Euro teuren Anschlusses für die niederländische Güterbahn vom Hafen Rotterdam ins Ruhrgebiet.

So schrieb Pofalla im vergangenen Jahr einen Brief an Bahn-Chef Rüdiger Grube für eine Pkw-Unterführung, um zu verhindern, "dass Rees-Millingen praktisch geteilt wird".

Über die Personalie Pofalla entscheiden wird der Aufsichtsrat. Der Bund als 100-prozentiger Eigentümer hat neben drei Staatssekretären auch Unternehmer wie Jürgen Großmann, Jürgen Krumnow oder Heinrich Weiss in dem Gremium platziert. Den Vorsitz führt seit März 2010 der frühere Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht - übrigens gegen den Widerstand des damaligen Kanzleramtschefs. Der hieß: Ronald Pofalla.

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insgesamt 154 Beiträge
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Seite 1
gesell7890 04.01.2014
1. der kann:
- Geld scheffeln - klangvoll dummes zeug näseln war noch was? nichts, was man auf den ersten blick erkennen würde. braucht man wohl auch nicht im deutschen Bundeskanzleramt oder bei der bahn. beide Einrichtungen sind ja auch dafür bekannt, daß sie eigentlich nix auf die reihe kriegen, außer daß sich die oberindianer die taschen vollmachen. also: er kann!
tonybkk 04.01.2014
2. ......
Zitat von sysopDPARonald Pofalla, bis vor kurzem Chef des Kanzleramts, steht vor dem Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn. Doch ist der studierte Sozialpädagoge und Jurist für den Job überhaupt geeignet? Der Kompetenzcheck. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ist-pofalla-als-bahn-vorstand-qualifiziert-a-941734.html
Wenn man einen scheidenden Politiker sich ins Boot holt macht mand ies nicht wegen seiner "Fachkompetenz", sondern wegen seiner Kontakte als potentieller Lobbyist. Seine Aufgabe ist das Beeinflussen der Politik im Sinne des Unternehmens, nicht mehr und nicht weniger. "Pofalla sollte also auch über Konzernbilanzen und Risikomanagement des Riesenkonzerns mit einem Umsatz von zuletzt rund 40 Milliarden Euro urteilen können." Das macht ein Team an Mathematikern, der unsymphatische Pofala muss dann nur noch seine Unterschrift darunter setzen. Das er beurteilen kann was er da unterschreibt erwartet niemand von ihm.
awoth 04.01.2014
3. Zugegeben,
der Herr Pofalla hat sich in seinem bisherigen Job nicht grade als grosses Talent und grosse Leuchte präsentiert und ich bin mir auch nicht sicher, ob er einen Job als Leiter der Gemüseabteilung eines Einzelhandelsgeschäfts besser gemacht hätte. Aber ihn nun gleich soo zu durchleuchten... Fangt damit bitt bloss nicht bei anderen Politiker/innen an! Das könnte unser Ansehen in der Welt schwer beschädigen! Lasst die Kasperl entweder weiter wurschteln oder hört auf damit.
buntesmeinung 04.01.2014
4. Der Posten,
den dieser abgehalfterte Politiker bekleiden soll, sollte gar nicht erst wieder eingerichtet werden. Und damit könnte Herr Pofalla selbst die leidige Diskussion beenden: "Ich erkläre: Nach zufriedenstellender, umfassender Auskunft führender Vorstandsmitglieder der Deutschen Bahn AG hat es einen solchen Posten nie gegeben und es wird ihn auch in Zukunft nicht geben. Damit ist diese Diskussion, die sich schon von Beginn an lediglich auf Vermutungen stützte, die sich zudem als völlig haltlos erwiesen, beendet!"
fs123 04.01.2014
5. Pofalla kritisierte 2005 Schröder's Wechsel in die Wirtschaft ... (Zitate)
«Gerhard Schröder richtet mit seinem Einstieg in das Unternehmen erheblichen Schaden an», meinte Pofalla. «Noch vor Monaten hat er sich als Kanzler für das Pipeline-Projekt stark gemacht - jetzt kassiert er von denen, die von seinem Einsatz profitiert haben. Es ist ein erstaunlicher Vorgang, dass ein deutscher Bundeskanzler schon Wochen nach seinem Ausscheiden die Reputation seines früheren Amtes für eine kommerzielle Tätigkeit nutzt. Das Vertrauen darauf, dass ein früherer Kanzler weiß, was sich gehört und er auch im Nachhinein seinem Amt schuldet, hat Gerhard Schröder gründlich zerstört. Schröder geht es nicht um Gas - es geht ihm um Kohle!» «Jetzt kommen wir an einer rechtlichen Regelung wohl nicht vorbei: Es ist offensichtlich eine Illusion zu glauben, dass der Appell an politischen Anstand alleine ausreicht, um solche Fälle zu verhindern», sagte Pofalla weiter. «Ich könnte mir eine Art Selbstverpflichtung von Regierungsmitgliedern vorstellen, für die Zeit nach Ausscheiden aus dem Amt sich geschäftliche Rücksicht aufzuerlegen. Auch Karenzzeiten halte ich für vorstellbar.» Aus der Morgenpost: http://www.mopo.de/news/international-pofalla-kritisiert-schroeder-scharf,5066732,5920522.html Und wer meint, dass Pofalla nie mit wichtigen Bahn-Entscheidungen zu tun hatte, der sollte sich mal über die Gespräche zwischen Pofalla und der DB informieren, über den zweiten Untersuchungssausschuss zum Polizeieinsatz vom 30.09.2010, über die Einflussnahme des Kanzleramts bei der Entscheidung zum Weiterbau von S21 im Februar 2013. Pofalla war der Haupt-Ansprechpartner für Bahnchef Grube im Zusammenhang mit der Verhinderung von ungünstigen Europa-Regelungen. Pofalla war also bereits im Interesse Grube's in der Bundesregierung tätig. Ausserdem war er bereits vor einem Jahr als Bahnvorstand im Gespräch.
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