Ista Deutscher Energiedienstleister für 4,5 Milliarden Euro nach China verkauft

Es ist eine der größten Übernahmen des Jahres in Deutschland: Ein chinesisches Konsortium hat den Energiedienstleister Ista für 4,5 Milliarden Euro aufgekauft. Das Unternehmen gilt als begehrtes Objekt von Finanzinvestoren.

Messgerät von Ista
DPA

Messgerät von Ista


Der Essener Energiedienstleister Ista gehört künftig dem chinesischen Milliardär Li Ka-shing. Ein Konsortium von zwei Unternehmen aus seinem Imperium CK Hutchison Holdings zahlt nach eigenen Angaben 4,5 Milliarden Euro für den hochprofitablen Heizungs- und Wasserableser, der seit 14 Jahren dem Finanzinvestor CVC gehört hatte. Es ist eine der größten Übernahmen in Deutschland in diesem Jahr. Steigende Gewinne bei Ista hatten den Kaufpreis nach oben getrieben. Als CVC vor vier Jahren erneut in das Unternehmen investiert hatte, lag der Unternehmenswert noch bei 3,1 Milliarden Euro.

Die Anteile an Ista teilen sich künftig der Infrastruktur-Investor CK Infrastructure (CKI) aus Hongkong und die Schwestergesellschaft Cheung Kong Property Holdings, die 35 und 65 Prozent übernehmen. Dienstleister wie Ista oder der Konkurrent Techem gelten wegen der langfristig stabilen Einnahmen als begehrtes Objekt für Finanzinvestoren. Auch Pensionsfonds aus Kanada hatten mit um Ista geboten, waren aber angesichts des hohen Preises aus dem Rennen ausgestiegen.

Auch Techem dürfte noch in diesem Jahr zum Verkauf gestellt werden. Das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt gehört seit zehn Jahren dem australischen Infrastruktur-Investor Macquarie.

Ista beschäftigt heute 5400 Mitarbeiter in 24 Ländern. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen bei einem Umsatz von 850 Millionen Euro ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 370 Millionen Euro erwirtschaftet, 2017 soll es auf 420 Millionen steigen. Die hohen Renditen hatten das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Techem und Ista kontrollieren mehr als 50 Prozent des deutschen Marktes. Weitere Fusionen würden die Wettbewerbshüter nicht mehr einfach durchwinken. Den Wettbewerb anzukurbeln, will das Kartellamt aber dem Gesetzgeber überlassen.

bam/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dogeatdog 28.07.2017
1. Fehlender Wettbewerb
Solche Margen gehen bei so einem Geschäft nur, wenn es de facto keine wirkliche Konkurrenzsituation am Markt gibt. Eigentlich Aufgabe des Kartellamtes zu prüfen, ob hier Markteintrittsbarrieren von den beiden dominanten Firmen geschaffen wurden. Die Zeche zahlt bis dahin der Endkunde
schlauchschelle 28.07.2017
2. Na, dann bin ich mal gespannt,
ob Ista den Weg von Galeria-Kaufhof geht, also ausgequetscht wird wie eine Zitrone und am Ende abgewickelt, wäre nicht das erste Mal. Ich drücke den Angestellten und Arbeitern bei Ista (und allen anderen Firmen, welche durch Holdings, Investoren, Fonds übernommen / gekauft werden) die Daumen, dass sie in ein paar Jahren noch ihre Jobs haben. Warum aber müssen (profitable) Unternehmen mit aller Gewalt verhökert werden? Wir werden uns in Jahren noch böse umsehen, wenn wir zum Bittsteller und Mündel von China geworden sind...
felisconcolor 28.07.2017
3. Respekt
wenn man bedenkt das die Mitarbeiter dieser Firmen nur noch mit dem (meist eigenen) Fahrzeug und Laptop durch die Strassen fahren und die Haus Hubs auslesen, welche übers Jahr eigenständig die Werte der einzelnen Heizkörper- und Wasserzähler gespeichert haben. Erinnern wir uns noch an den Skandal vor Jahren mit falsch anzeigenden und falsch abgelesenen Kalorimeter Röhrchen. Heute regt sich keiner darüber auf das diese Dienstleistung in den Nebenkosten ein völlig überzogener Posten ist.
neutron76 28.07.2017
4. Hohe Gewinne dank Lobbyarbeit.
Zuletzt haben die Einführung der Trinkwassertests bei Mehrfamilienhäusern und die Verpflichtung zur Installation von Rauchmeldern die Gewinne der Ablesedienstleister sprudeln lassen. Beides war nicht notwendig. Wer gewinnt? Ausländische Pensionsfonds. Herzlichen Glückwunsch!!
holy64 28.07.2017
5. wann
hört der Ausverkauf auf? Hoffentlich rechtzeitig! Gerade die Chinesen machen sich weltweit breit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.