iSwatch vs. iWatch Swatch geht weltweit gegen Apple vor

Noch hat Apple seine "intelligente" Armbanduhr nicht auf den Markt gebracht. Doch hinter den Kulissen läuft schon der Kampf um die Marke iWatch. Die Schweizer Uhrenfirma Swatch versucht, den US-Konzern in die Schranken zu weisen.

Von Watson.ch-Autor Daniel Schurter


Swatch vs. Apple: Die eine Firma ist Marktführerin der Uhrenindustrie mit Sitz in Biel und einem Jahresumsatz von knapp 9 Milliarden. Auf der anderen Seite steht der in den letzten Jahren dominierende Tech-Konzern aus dem kalifornischen Cupertino mit einem Jahresumsatz von 170 Milliarden (2013).

Der große David und der riesige Goliath gehen jetzt in den Clinch: Auf Anfrage bestätigt die Leiterin der Unternehmenskommunikation von Swatch, Serena Chiesura, in einer Stellungnahme, dass die Swatch-Gruppe gegen die von Apple registrierte Marke iWatch vorgehe. Das hängt mit der eigenen Armbanduhren-Serie iSwatch zusammen, deren Name sich nur durch einen Buchstaben von der iWatch unterscheidet.

Beide Unternehmen mussten vor nicht allzu langer Zeit den Tod ihrer charismatischen Gründer und langjährigen Chefs hinnehmen. Der Swatch-Erfinder Nicolas Hayek starb 2010, Steve Jobs 2011. Bei der Swatch-Gruppe ist Hayeks Sohn Nick als CEO und Mitglied des Verwaltungsrats in die großen Fußstapfen getreten. Bei Apple ist es die langjährige Nummer zwei im Konzern, Tim Cook.

Apple und Swatch kooperieren seit Jahren. Allerdings ist nicht klar, wie eng die Zusammenarbeit ist. Gemäß früheren Äußerungen der Swatch-Führung geht es vor allem um die Erforschung geeigneter Materialien und die Umwandlung von Bewegungsenergie in elektrische Energie. Also zum Beispiel um den Antrieb von Smartuhren.

Im März hat Swatch eine Uhr mit Touchscreen und Bluetooth-Funktion angekündigt, die Swatch Touch Liquid Metal. Nick Hayek erinnerte in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" daran, dass sich sein Unternehmen 2011 die Exklusivrechte gesichert habe, um Uhren mit "flüssigem Metall" der Firma Liquidmetal Technologies zu bauen. Das ist eine sogenannte amorphe Legierung, die besonders robust und in der Fertigung trotzdem gut formbar ist. Apple nutzt das vielversprechende Material ebenfalls in Lizenz, laut Hayek aber nicht für Uhren.

Langjähriger Rechtsstreit

Swatch will aus taktischen Gründen keine konkreten Schritte im Kampf gegen iWatch verraten: "Um die eigene Marke iSwatch zu schützen, wurden alle für nötig erachteten Maßnahmen ergriffen", teilt die Leiterin der Unternehmenskommunikation mit. Detaillierte Angaben dazu seien nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Fakt ist: Das Unternehmen ist bestrebt, die eigenen Marken weltweit zu verteidigen. Dies zeigt ein Beispiel aus den USA. Ab 2007 hat sich die Uhrenherstellerin erfolgreich gegen die Eintragung der Marke iWatch durch die New Yorker Firma M. Z. Berger gewehrt. Daraus wurde ein langjähriger Rechtsstreit, der laut Swatch immer noch läuft.

Internationale Marken sind bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) registriert. Der Blick ins Online-Markenregister zeigt, dass weltweit unzählige Produkte und Dienstleistungen unter dem Markennamen iWatch respektive IWATCH eingetragen sind.

Swatch hat die Marke iSwatch in mehr als 80 Ländern rund um den Globus ins Register eintragen lassen. In Großbritannien, Japan, Südkorea, Singapur und den USA liegt eine "endgültige Entscheidung" der Behörden zugunsten des Uhrenherstellers vor.

Briefkastenfirma von Apple?

Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung, aber ernstzunehmende Hinweise, dass Apple seine Smartwatch unter der Bezeichnung iWatch herausbringt. Das ist schon heute ein populärer Begriff und würde mit einem kleinen "i" automatisch als Apple-Produkt wahrgenommen.

Letztes Jahr wurde publik, dass die renommierte Anwaltskanzlei Baker & McKenzie die Marke iWatch im Auftrag von Apple in ausgesuchten Ländern registriert hat, unter anderem in Russland. In vielen anderen Ländern verwendet der US-Konzern hingegen eine Briefkastenfirma zur Tarnung, um die potentiell wertvolle Marke zu sichern. Darauf deuten Recherchen von amerikanischen und französischen Medien hin.

Der Techblog "Consomac" berichtete Ende April, dass eine bis dato unbekannte Firma namens Brightflash USA LLC in zahlreichen Ländern die Marke iWatch ins Register eingetragen hat. Wohl kaum ein Zufall: Die Postadresse im Steuerparadies Delaware an der US-Ostküste stimmte mit früheren Apple-Briefkastenfirmen überein. Und laut "Mac Rumors" besteht über einen bekannten Markenanwalt eine nachweisbare Verbindung zwischen Apple und Brightflash.

In der Schweiz angemeldet

In der Schweiz ist die Marke iWatch ist am 4. Dezember 2013 zum Markenschutz angemeldet worden. Am gleichen Tag wurde bei der WIPO ein Antrag auf internationalen Markenschutz registriert. In der dazugehörenden Länderliste sind 46 von 56 Unterzeichnerstaaten des Madrider Markenschutzabkommens aufgeführt, darunter die EU und China, aber auch viele Kleinstaaten wie etwa Liechtenstein.

In den meisten Ländern, in denen Brightflash die Marke zum Schutz angemeldet hat, ist noch kein endgültiger Entscheid darüber gefallen, ob die Marke auch wirklich zum Schutz zugelassen wird. Das Fürstentum Monaco hat den internationalen Antrag am 1. April genehmigt. Island hingegen hat den Antrag auf Markenschutz vorläufig abgelehnt. In der schriftlichen Begründung heißt es ausdrücklich, die Marke iWatch sei der bereits registrierten Marke von Swatch "verwirrend ähnlich".

Das sagt der Markenexperte

Der Berner Rechtsanwalt Stephan Beutler vom Anwaltsbüro Beutler Künzi Stutz aus Bern hat sich auf Marken-, Urheber- und Patentrecht spezialisiert. Er erklärt, dass es sich in beiden Fällen um provisorische Entscheide handle. Bis zu einem rechtskräftigen Entscheid könne es noch lange dauern. "Die Länder haben jeweils 18 Monate Zeit, um auf einen Antrag zu reagieren." Hinzu kämen die Einsprachefristen.

Was den Markenstreit zwischen Swatch und Apple betrifft, sei die Ausgangslage vor allem aus zwei Gründen sehr spannend: Einmal darum, weil Swatch ihre iSwatch-Marke nicht als Wortmarke, sondern als Wortbildmarke habe registrieren lassen, also als Marke mit grafischen Elementen. Diese Tatsache schränke den Schutzbereich der Swatch-Marke ein. Die zuständigen Behörden müssten nun entscheiden, ob iSwatch und iWatch "genügend unterscheidbar" seien.

Spannend ist laut dem Rechtsanwalt jedoch auch die Tatsache, dass Swatch die internationale Marke für viele Länder bereits 2008 habe registrieren lassen, für rund 30 Länder aber erst im Sommer 2013 - pikanterweise kurz nachdem Apple die iWatch-Marke in den USA und anderen Ländern registrierte. In gewissen Ländern könnte daher Swatch mit der Tatsache konfrontiert werden, dass sich Apple auf einen prioritären Markenschutz berufen kann.

Ob sich die beiden Markennamen tatsächlich in die Quere kommen, werde von Land zu Land entschieden, sagt der Rechtsanwalt. Dies mache die internationale Lancierung aus Sicht von Apple sehr schwierig. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen natürlich über die erforderlichen Mittel, um Rechtsstreitigkeiten auszutragen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass auch Apple bereit ist, auf Konfrontationskurs zu gehen. Dies war etwa beim iPhone und iPad der Fall, als andere Firmen Ansprüche anmeldeten. Natürlich ist dem Unternehmen auch zuzutrauen, dass still und heimlich auch noch ein anderer Markenname gesichert wird.

Anm. d. Red: Dies ist eine gekürzte Fassung des Artikels des Schweizer Newsportals watson.ch.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
josefinebutzenmacher 03.05.2014
1. Jaja, Apple kopiert ja nicht, oder?
Sind ja immer die anderen..... Sucht euch schon mal einen anderen, passenden Namen für das Teil. Vorschlag: iPose. Oder:iTalkBig.
kategorien 03.05.2014
2. Delaware-Gesellschaft
Ein Tipp aus der realen Wirtschaftswelt: Es ist sehr üblich, Gesellschaften in Delaware etc. zu gründen, um Marken oder Rechte zu schützen. Solange die Mutter-Gesellschaft die Sub-Gesellschaft kontrolliert, hält sie die Marken oder Rechte. Wenn nun Swatch eins dieser Delaware-Gesellschaften angreift, geht es zwar um viel, aber wenn Swatch gewinnt, ist im besten Falle nichts verloren außer einer Delaware-Gesellschaft. Hintergrund ist, dass selbst wenn Swatch gegenüber einer Marken-Gesellschaft $100m gewinnt, Swatch nie die Summe zu sehen bekommt, weil die Delaware-Gesellschaft kurzerhand geschlossen wird (aber Journalisten schreiben dennoch oftmals, dass dieser oder jener Schadenersatz zu zahlen sei, was selten eintrifft). An Swatchs Stelle ist es sehr klug, alles anzugreifen, das nach Watch oder Swatch klingt, so lange sie das durchhalten können, natürlich. Große Unternehmen halten in der Regel hunderte von Delaware etc.-Gesellschaften, welche den Konzern rechtlich absichern.
HankTheVoice 03.05.2014
3. die Wirren des Markenrechts
seit wann kann man denn allgemeine Begriffe wie Watch oder Phone schützen lassen? Swatch und I-Phone ok... aber wenn einer sein gerät X-Watch oder Y-Phone nennt kann sich Apple oder Swatch nicht darauf berufen, das das Wort Watch oder Phone verwendet wird. Sonst kann sich ja WMF auch I-Pfanne oder X-Topf schützen lassen.
SimonSagt 03.05.2014
4.
Wer hatte noch mal als erstes das "i" vor seinen Geräte-Namen, und wer hat hier wohl von wem abgekupfert?
Altesocke 03.05.2014
5. Da wird etwas Geld fliessen,
dann darf iWatch zu Apple! Swatch ist auch daemlich! 2007 machen sie einem, der iWatch gerne an Apple verkauft haette, die Registrierung 'schwer', aber denken anscheinend nichtmal dies kleine Stueck weiter!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.