Chinesischer IT-Riese: Schweigsamer Huawei-Chef gibt erstes Interview

Ren Zhengfei hat den chinesischen Konzern Huawei in die Weltspitze der IT-Firmen geführt. Doch kaum jemand kennt den geheimnisvollen Manager. Nun hat er sich erstmals den Fragen von Journalisten gestellt - weil er um den internationalen Ruf seiner Firma kämpft.

Ren Zhengfei beim Interview: 90 Minuten mit vier Journalisten Zur Großansicht
AP / dpa / Huawei Technologies Co.

Ren Zhengfei beim Interview: 90 Minuten mit vier Journalisten

Er ist Manager eines der größten IT-Unternehmen der Welt und Multimillionär. Doch weil er reichlich schweigsam ist, kennen fast nur Insider den Namen Ren Zhengfei. Der 68-Jähre führt den chinesischen Netzwerkausrüster und Handy-Hersteller Huawei - und zwar am liebsten im Stillen. In 26 Jahren an der Firmenspitze hat er kein einziges Interview gegeben. Insofern war der Termin im Museum Hotel der neuseeländischen Hauptstadt Wellington nun ein einigermaßen historisches Ereignis: Erstmals hat sich Ren mit Journalisten zu einem Gespräch getroffen.

Vier lokale Medien aus Neuseeland waren zu dem 90-minütigen Interview geladen, internationale Kollegen dagegen nicht. Fotos vom zaghaften Start des Managers auf dem Weg in die Öffentlichkeit durften auch keine gemacht werden. Die Firma veröffentlichte im Anschluss aber die Aufnahme eines eigenen Fotografen.

Rens Statements, von einem Übersetzer ins Englische übertragen, brachten nicht unbedingt große Überraschungen. Sie markieren aber einen weiteren Versuch des Unternehmens, sich als verlässlicher Partner auf der internationalen Bühne zu präsentieren: Huawei - der Name bedeutet übrigens so viel wie: China handelt - habe zur Führung in Peking genau dasselbe Verhältnis wie es eine neuseeländische Firma zu ihrer Regierung habe, so der Manager. Selbstverständlich ist dieser Satz nicht - wird Huawei doch immer wieder vorgeworfen, eine Art verlängerter Arm des chinesischen Geheimdienstes zu sein. Dabei wird dann auch gern zitiert, dass Ren einst Offizier der Volksbefreiungsarmee war, auch dass er seit Ende der Siebziger Parteimitglied ist.

Huawei-Technik laut Ren "quasi inexistent" in den USA

Im Interview erklärte Ren laut "Fairfax News", die Parteimitgliedschaft sei zu dieser Zeit vollkommen normal gewesen. Und seine Mitarbeiter würden - zumindest aus seiner Sicht - nicht auf mögliche Annäherungsversuche von chinesischen Geheimdiensten eingehen.

Belastbare Belege für eine Verquickung der Firma mit Staats- und Parteiapparat gibt es tatsächlich nicht. Wohl aber reichlich politischen Gegenwind: Ein Ausschuss des US-Kongresses hatte im vergangenen Oktober Telefonfirmen davon abgeraten, mit Huawei Geschäfte zu machen. Australien hatte das Unternehmen vom Bau neuer Breitbandnetze im Land ausgeschlossen.

Neuseeland hat dagegen mit China ein Freihandelsabkommen geschlossen. Und mit der größten Telefonfirma des Landes hat Huawei im April einen Großauftrag zum Ausbau des Mobilnetzes vereinbart. Das erklärt, warum sich Ren ausgerechnet Wellington als Ort für sein erstes Interview ausgesucht hat. Neuseeland sei ein "wunderbares, fortschrittliches Land", schmeichelte er den Journalisten.

Mit Angriffen chinesischer Hacker auf IT-Infrastruktur in den USA, wie sie zuletzt das Pentagon in einem Bericht kritisiert hatte, habe seine Firma dagegen nichts zu tun. Technik von Huawei sei "quasi inexistent" in den USA. Weder habe man großen Telefonfirmen im nennenswerten Umfang Hardware verkauft, noch habe es Lieferungen an US-Regierungsbehörden gegeben. Insofern gebe es keine Verbindungen mit dortigen Cyber-Sicherheitsproblemen "in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft".

Die Wahrnehmung im Ausland ist durchaus wichtig für das Unternehmen - schließlich macht Huawei zwei Drittel seiner Geschäfte außerhalb Chinas. Bei einem Umsatz von etwa 35 Milliarden Dollar fallen aktuell Gewinne von rund 2,4 Milliarden Dollar an. Ren persönlich gehören gut 1,4 Prozent der Firmenanteile, seine Tochter Cathy Meng ist Finanzchefin der Firma. Sein Bruder sitzt im Aufsichtsrat.

Die Firma hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2022 einen Umsatz von 100 Milliarden Dollar zu erreichen. Der Name Huawei ist trotzdem längst nicht jedem bekannt - weil die Technik oft im Verborgenen werkelt, etwa in Mobilfunk-Basisstationen, Internet-Routern und Handys, die von den Mobilfunkfirmen direkt verkauft werden. Huawei will mit seinen 150.000 Mitarbeitern aber auch verstärkt als eigene Marke wahrgenommen werden - auch um sich unabhängiger von großen Abnehmern zu machen.

chs

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1. Ein ex-Offizier der chinesischen Armee...
systembolaget 09.05.2013
...ist dabei, mit günstigen staatlichen Krediten und industriespionage die letzten drei nennenswerten westlichen Anbieter NSN, Alcatel-Lucent und Ericsson abzuräumen. Da billig mittlerweile immer gewinnt, wird es China auch in diesem Bereich gelingen, die Konkurrenz und damit über die Zeit auch das Know-How zu verdrängen. Einen guten Überblick gibt es hier http://www.businessinsider.com/a-rare-look-inside-huawei-2012-10?op=1
2. Keine weisse Weste
kiltbear 09.05.2013
Eine weisse Weste hat Huawei jedenfalls nicht. Erst vor etwa 10 Tagen gab es am Schweizer Hauptsitz eine Grossrazzia. Es wurden mehre illegal Beschäftgte verhaftet und Personen die sich illegal im Schengenraum aufhielten ausgewiesen. Gegen das Management laufen mehrere Strafverfahren.
3. Zwei Huawei Android Handies in der Familie
founder 09.05.2013
War Jänner 2012 Schnelldreher beim Hofer, Aldi in Österreich. Damals 119 EUR, heute 90 EUR für ein Android 2.3.6 Handy mit 480x320 Display. Die draufgespielte Software ist Super. Etwa eine Beckup Funktion alle wichtigen Daten vom Handy zu sichern. Bei anderen Herstellern ist allerlei überflüssiger Schnick Schnack vorinstalliert, aber nicht so wichtiges wie Backup. Eines der Handies ist si ungünstig auf einen Stein gefallen, dass das Display einen Sprung bekam. Um US$ 25 habe ich für Ersatzteile in einem chinesischen Online Shop bestellt. Kostenloser Versand mit der chinesischen Post, nach 2 Wochen waren die Ersatzteile hier. Daher ist eines klar: Auch die nächsten neuen Handies in der Familie werden Huaweis sein.
4. Huawei ist ein Beispiel dafür, wie es dem Rest der Industrie gehen wird.
thunderstorm305 09.05.2013
Wem gehört eigentlich der Rest der Firmenanteile? Es ist keine Aktiengesellschaft in dem Sinne dass man Aktien auf dem freien Markt kaufen könnte. Durch die aggressive Preispolitik mit Unterstützung öffentlicher Kredite wurde die unliebsame Konkurrenz aus dem Wege geräumt. Zuvor liess man sich die Technik im Zuge des Netzaufbaus in China in jeder Einzelheit vorführen. Patente werden entweder gar nicht berücksichtigt, oder man hebt sie vor lokalen Gerichten einfach auf. Das hat nun nichts damit zu tun dass die Technik nicht gut wäre. Aber es ist eben einfacher zu kopieren und dann mit billigen Mitarbeitern die Techniker weiterzuentwickeln. Der Westen hat hier nichts gelernt und man kann schon die Jahre zählen, bis die Autoindustrie an der Reihe ist. Es werden jetzt schon in den chinesischen Medien deutsche Automarken schlecht geredet. Und wer einfach nur nach dem Prinzip geiz ist geil handelt, der wird sich später fragen müssen, wer denn die ah so günstigen Produkte kaufen soll, wenn immer mehr Industriezweige weg brechen?
5. @systembolaget: Billig?
ijf 09.05.2013
Das ist aber schon Jahre her, dass Huawei mit Kampfpreisen um den Markteintritt kaempfte! Seit einigen Jahren verfolgt Huawei eine andere Preisstrategie - max. 5-10% guenstiger als westliche Traditionsanbieter bei gleicher oder besserer Qualitaet. Die "klauen" auch inzwischen nicht mehr. Das haben sie in der Anfangszeit getan, hauptsaechlich Cisco-Equipment wurde kopiert. Das kann man sicher als unlauteren Wettbewerbsvorteil ansehen, dass Huawei seinerzeit nicht muehsam mit eigenen Basisentwicklungen anfing, sondern auf Kopien guter Qualitaet aufbaute - dieser "Aufbau" mit eigener Entwicklung ist allerdings so gut, dass die urspruenglichen Original-Hersteller in Verlegenheit kamen, weil die "Kopien" inzwischen mitunter besser als die Originale sind. Ein wesentlicher Unterschied zwischen chinesischem und westlichen Anbieter besteht: Kundenorientierung im Problemfall. E///, NSN, ALU lassen sich vom Kunden nachhaltig unter Druck setzen, was Nachbesserung etc angeht. Die werkeln u.U. Monate und Jahre, um verhunzte HW/SW doch noch zum laufen zu bringen und schaffen es damit in schoener Regelmaessigkeit, ehedem durchaus mit Marge abgeschlossene Geschaefte zu Verlustauftraegen zu machen. Huawei ist da "brutaler": die argumentieren dreist dagegen, schicken ne Hundertschaft chinesischer "Experten" ohne oder mit rudimentaeren Fremdsprachenkenntnissen zwecks Nachbesserung - und wenn ein gewisser Huawei-interner Break-even-point erreicht ist, an dem das Geschaeft sich nicht mehr rechnet, werden sie hartleibig und tun keinen Handstreich mehr ohne Nachverhandlung und mehr Geld... Die haben schlicht keine Angst, den "maechtigen" TK-Kunden zu veraergern - was die "maechtigen" Kunden natuerlich sehr wurmt ;-)
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