Italiens Finanzminister Bankenkrise? Waren wir nicht

Italiens Banken wackeln - doch der Finanzminister sieht die Schuld nicht bei der heimischen Politik, sondern vielmehr beim Brexit-Votum der Briten.

Pier Carlo Padoan
AFP

Pier Carlo Padoan


Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan wehrt sich gegen den Vorwurf, die aktuelle Bankenkrise in seinem Land sei hausgemacht. "Der Auslöser der Krise der letzten Wochen liegt doch nicht in Italien", sagte Padoan der "Bild"-Zeitung. Nicht die Instabilität einiger italienischer Geldinstitute sei die Ursache.

Die neue Bankenkrise sei vielmehr "das Ergebnis des britischen Referendums". Das Brexit-Votum und der Rücktritt von Premierminister David Cameron hätten eine "Welle der Unsicherheit" ausgelöst, die "gravierende Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte" habe.

Die aktuellen Schwierigkeiten italienischer Banken stünden zudem "in direktem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise. Sie hat dazu geführt, dass eine wachsende Zahl von Unternehmen ihre Kredite nicht zurückzahlen konnte."

Italiens Banken kämpfen mit gewaltigen Problemen. In ihren Bilanzen türmen sich ausfallgefährdete Kredite im Volumen von 360 Milliarden Euro. Die Regierung in Rom verhandelt mit Brüssel, inwieweit die Banken gestützt werden können. Nach den neuen EU-Regeln müssen erst Aktionäre und Gläubiger einspringen, um eine angeschlagene Bank zu stabilisieren. Staatshilfen auf Kosten der Steuerzahler sind nur als allerletztes Mittel unter bestimmten Auflagen möglich.

Finanzminister Padoan erinnerte daran, dass ja auch die Bundesregierung zu Beginn der Finanzkrise in großem Umfang Banken gerettet habe: "Dank der Solidität unserer Banken damals hat sich dagegen die staatliche Unterstützung für italienische Banken bisher auf nur eine Milliarde beschränkt."

stk/Reuters



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