Konsolidierung Italiens Bankenverband rechnet mit Marktkonsolidierung bis Ende 2019

Italien zählt mehr als 500 Banken - doch am Ende des Jahres werden wohl nur noch 110 davon übrig sein, rechnet der italienische Bankenverband ABI vor.

Monte dei Paschi Gebäude in Siena (Archiv)
REUTERS

Monte dei Paschi Gebäude in Siena (Archiv)


Italien ist seit Jahren in wirtschaftlichen Turbulenzen: Zuletzt hat die populistische Links-rechts-Regierungskoalition die EU mit ihren Ausgabenplänen gegen sich aufgebracht.

Zuvor hatten die angeschlagenen Banken des Landes für Schlagzeilen gesorgt. So musste die Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena mit Staatshilfen gerettet werden. Das schlug auch auf die Neuverschuldung des Staates durch.

Die Turbulenzen des italienischen Bankensektors sind damit offenbar noch nicht beendet: Der italienische Bankenverband ABI rechnet damit, dass sich die Zahl der Geldhäuser schon im kommenden Jahr deutlich verringern werde.

Der Generaldirektor der Bankenvereinigung, Giovanni Sabatini, sagte der Börsenzeitung, in Italien würden "bis Ende 2019 von den mehr als 500 Instituten nur noch 110 Bankengruppen oder unabhängige Banken übrig bleiben". Die Konsolidierung sei in vollem Gange.

Insgesamt mache der Sektor allerdings Fortschritte: Die Reduktion sogenannter "Not leidender Kredite" gehe voran, allerdings würden die zuletzt gestiegenen Risikoaufschläge für italienische Anleihen die Branche belasten.

Nach Angaben der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde ist der Anteil "fauler Kredite" im Portfolio italienischer Banken seit Juni 2015 von 16,8 Prozent auf zuletzt 9,7 Prozent gesunken.

beb

Mehr zum Thema


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ArnoNyhm1984 18.12.2018
1. und in absoluten Zahlen?
Es wäre hilfreich, die absoluten Zahlen der italienischen notleidenden Kredite ebenfalls zu kennen! Vor einem Jahr waren dies noch €196 Mrd. (was 23% aller EU-weit notleidenden Kredite entsprach -nur Griechenland mit 47% war noch schlimmer dran). Und man sollte erwähnen, dass die seit 14.3.2018 geltenden "verschärften" EU-Regeln zur Besicherung notleidender Kredite gerade NICHT für den Altbestand gelten, sondern nur für neue Kredite. Sprich: Das ist eine tickende Zeitbombe!
photoshop.info 18.12.2018
2. Würden
die Bürger des Landes tatsächlich umfänglich über die finanzielle Situation Italiens informiert sein, sie würden wohl in Scharen auswandern. Auch wenn die ganze Welt unter den Schulden ächzt und so gut wie keine Regierung aus der Finanzkatastrophe von 2008 gelernt hat: die Italiener tanzen lustig und fidel in den Untergang, leben als gäbe es kein Morgen. Und ihre Regierung stürzt das Land mit immer neuen Kreditaufnahmen ins Verderben. Wenns dem Wähler zu bunt wird, dann wird eben ein neuer MP gewählt - der gefühlt 134te seit Gründung der Republik. Und weiter geht die Sause.
Nubari 18.12.2018
3. Ende des kleinteiligen Italien?
Die unabhängigen Regionalbanken waren stets das Rückgrat der lokalen und regionalen Wirtschaft. Dies ist ein Zeichen für das sehr regional ausgeprägte Bewusstsein vieler Italiener, vor allem auch der kleineren und mittleren Unternehmer. Politisch sieht es ganz ähnlich aus; da lässt man die Taugenichtse in Rom nur machen, weil eh' nichts herauskommt und niemand da ist, der den Stall ausmistet. Ein stärker zentristisches Bankensystem hat Vor- und Nachteile: weniger Not leidende Kredite durch objektivere Vergabepraxis, aber Entfernung vom Kunden und den lokalen Bedürfnissen und Gegebenheiten. Ich fürchte, dass ein zunehmend zentristisch organisiertes Italien an Kraft und Dynamik einbüßen wird und dass die Bürokratie unternehmerischen Entscheidungen noch höhere Hürden in den Weg stellen wird.
mimikri 18.12.2018
4.
Selbst 9,7 Prozent notleidende Kredite liegen noch weit über der Eigenkapitalquote und wären im Ernstfall tödlich.
garno 18.12.2018
5. Auswandern?
Zitat von photoshop.infodie Bürger des Landes tatsächlich umfänglich über die finanzielle Situation Italiens informiert sein, sie würden wohl in Scharen auswandern. Auch wenn die ganze Welt unter den Schulden ächzt und so gut wie keine Regierung aus der Finanzkatastrophe von 2008 gelernt hat: die Italiener tanzen lustig und fidel in den Untergang, leben als gäbe es kein Morgen. Und ihre Regierung stürzt das Land mit immer neuen Kreditaufnahmen ins Verderben. Wenns dem Wähler zu bunt wird, dann wird eben ein neuer MP gewählt - der gefühlt 134te seit Gründung der Republik. Und weiter geht die Sause.
Warum sollten die Italiener auswandern? Sie leben in einem schönen Land mit einer großen Kultur. Zudem mit einer viel größeren Eigenheimquote und breiter gestreutem privaten Vermögen als etwa in Deutschland. Was stören da die öffentlichen Schulden, die früher oder später eh von den Gläubigern abgeschrieben werden müssen. Auf so eine abstruse Idee kann nur ein engstirniger Krämergeist aus Deutschland kommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.