Italiens Monte dei Paschi: Älteste Bank der Welt verhandelt über Staatshilfen

Die drittgrößte Bank Italiens strauchelt: Insidern zufolge verhandelt die Banca Monte dei Paschi, gegründet im Jahr 1472, über staatliche Finanzhilfen in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro. Doch die Regierung zögert noch.

Passant vor dem Bankhaus Monte dei Paschi di Siena: 25 Milliarden Euro in Staatsanleihen Zur Großansicht
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Passant vor dem Bankhaus Monte dei Paschi di Siena: 25 Milliarden Euro in Staatsanleihen

Rom/Mailand - Das größte Banken-Sorgenkind Italiens ist ausgerechnet die älteste Bank der Welt: Die Monte dei Paschi di Siena muss offenbar als erstes Geldhaus des Landes seit Ausbruch der Schuldenkrise Staatshilfe beantragen. Wie zwei Insider berichteten, verhandelt die traditionsreiche Bank mit dem Finanzministerium und der italienischen Notenbank über den Verkauf von staatlich garantierten Anleihen. Das Volumen: mindestens eine Milliarde Euro.

Monte dei Paschi hatte bereits während der Finanzkrise 2009 ähnliche Anleihen mit staatlicher Unterstützung im Volumen von 1,9 Milliarden Euro begeben. Bislang hat die staatliche Seite trotz enger Kontakte zur Bank noch nicht ihr endgültiges Einverständnis für die neuen Hilfen gegeben, berichteten die Insider.

Die Monte dei Paschi hatte sich vollgesogen mit Staatsanleihen - und hat deshalb nun Probleme, an den Finanzmärkten frisches Kapital aufzutreiben. Das ist aber dringend nötig. Die Bank muss bis Ende Juni eine Kapitallücke von mehr als drei Milliarden Euro stopfen, die die europäische Bankenaufsicht bei einem Stresstest Ende 2011 entdeckt hatte. Trotz großer Anstrengungen fehlen den Insidern zufolge bislang noch bis zu 1,4 Milliarden Euro. Das Institut verschob seine für Montag geplante Vorstellung eines Geschäftsplans aus "organisatorischen Gründen" auf Dienstag.

Lange waren Italiens Banken stolz darauf, dass sie so gut durch die Finanzkrise gekommen sind. Anders als in Deutschland, Großbritannien oder Frankreich waren die italienischen Institute weniger stark in die internationalen Geschäfte mit komplizierten Finanzprodukten verstrickt.

Doch mittlerweile zeigt sich, dass Italiens Banken ein anderes Problem haben, das nicht minder gefährlich ist: Sie sind zu stark von der Stabilität des Staats abhängig. Wenn Italien ins Straucheln gerät, dürften die heimischen Banken deshalb als erste fallen. Sie sitzen auf einem gigantischen Berg von heimischen Staatsanleihen. Bei der Monte dei Paschi waren es zuletzt 25 Milliarden Euro, beim größten Kreditinstitut des Landes, der Unicredit Chart zeigen, rund 40 Milliarden Euro, bei der Nummer zwei, Intesa Sanpaolo Chart zeigen, sogar mehr als 80 Milliarden Euro. Jeder Zweifel an der Finanzstärke Italiens macht die Papiere in den Bilanzen der Banken ein bisschen wertloser.

yes/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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1. optional
Peace123 24.06.2012
dazu fällt mir nur ein. Wie kann es sein das Banken Staatshilfen bekommen können und gleichzeitig dem Staat Staatsanleihen verkaufen dürfen mit Zinsen. Paradox
2. Die älteste Bank
atzigen 24.06.2012
Die älteste Bank der Welt am Abgrund?Wenn man die Geschichte zurückverfolgt gibt das zu denken und ist gleichzeitig eusserst interessant.Was hat diese Bank zeitlebens so alles erlebt,500 Jahre Europäische Geschichte mit allem was dazugehört.Fürwar ein Böses Ohmen.Ohmen? Beknntlich haben die Banken der Region das sog.Lombardgeld erfunden.Tja innzwischen schwimmt der Planet in einem Meer von Lombardgeld.Solange dieses Geschäftsmodell nur in Teilen Europas angewendet wurde konnte das ja irgendwie gut gehen und sich korrigieren.Jetzt aber ist das Modell Global am scheitern.Da steht mehr als nur eine Bank am Abgrund da steht mehr zur Disposition,Es gibt mehr als genug Anzeichen das eine ganze Epoche sich dem Ende zuneigt.Da steht eine grundlegende Zeitenwende vor der Tür.
3. Hinter sich
atzigen 24.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDie drittgrößte Bank Italiens strauchelt: Insidern zufolge verhandelt die Banca Monte dei Paschi, gegründet im Jahr 1472, über staatliche Finanzhilfen in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro. Doch die Regierung zögert noch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,840638,00.html
Die älteste Bank der Schweiz hat es hinter sich.Die ging still und leise kaum gross beachtet vor kurzem in die Binsen.Tolle Leistung der Zeitgenössischen Eliten.Die schaffen es Jahrhunderte altes an die Wand zu fahren.Peinlich sehr peinlich.Da fahren nicht nur Banken an die Wand da fährt kaum beachtet noch seh viel mehr an die Wand. Fürwahr tolle Leistungen der Zeitgenössischen Eliten.
4. Wo ist die Billion € der EZB?
distar99 24.06.2012
Vor wenigen Wochen konnten sich die notleidenden Banken gegen Sicherheiten (Staatsanleihen) zu einem Superzins für 3 Jahre Geld leihen. Das ist doch die ideale Lösung für Banken beinahe nur Staatsanleihen besitzen. Offensichtlich war auch die Billion Euro zu wenig. Oder warum benötigen italienische Banken jetzt immer noch Geld?
5. Kapitalflucht
Liberalitärer 24.06.2012
Zitat von distar99Vor wenigen Wochen konnten sich die notleidenden Banken gegen Sicherheiten (Staatsanleihen) zu einem Superzins für 3 Jahre Geld leihen. Das ist doch die ideale Lösung für Banken beinahe nur Staatsanleihen besitzen. Offensichtlich war auch die Billion Euro zu wenig. Oder warum benötigen italienische Banken jetzt immer noch Geld?
Fluchtgeld, das ist in der Schweiz oder in D. Deswegen müsste die Bank die Anleihen versilbern. Am Markt würde das Druck ausüben, deswegen wird nach einer marktschonenden Variante gesucht.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.