Rom/Mailand - Das größte Banken-Sorgenkind Italiens ist ausgerechnet die älteste Bank der Welt: Die Monte dei Paschi di Siena muss offenbar als erstes Geldhaus des Landes seit Ausbruch der Schuldenkrise Staatshilfe beantragen. Wie zwei Insider berichteten, verhandelt die traditionsreiche Bank mit dem Finanzministerium und der italienischen Notenbank über den Verkauf von staatlich garantierten Anleihen. Das Volumen: mindestens eine Milliarde Euro.
Monte dei Paschi hatte bereits während der Finanzkrise 2009 ähnliche Anleihen mit staatlicher Unterstützung im Volumen von 1,9 Milliarden Euro begeben. Bislang hat die staatliche Seite trotz enger Kontakte zur Bank noch nicht ihr endgültiges Einverständnis für die neuen Hilfen gegeben, berichteten die Insider.
Die Monte dei Paschi hatte sich vollgesogen mit Staatsanleihen - und hat deshalb nun Probleme, an den Finanzmärkten frisches Kapital aufzutreiben. Das ist aber dringend nötig. Die Bank muss bis Ende Juni eine Kapitallücke von mehr als drei Milliarden Euro stopfen, die die europäische Bankenaufsicht bei einem Stresstest Ende 2011 entdeckt hatte. Trotz großer Anstrengungen fehlen den Insidern zufolge bislang noch bis zu 1,4 Milliarden Euro. Das Institut verschob seine für Montag geplante Vorstellung eines Geschäftsplans aus "organisatorischen Gründen" auf Dienstag.
Lange waren Italiens Banken stolz darauf, dass sie so gut durch die Finanzkrise gekommen sind. Anders als in Deutschland, Großbritannien oder Frankreich waren die italienischen Institute weniger stark in die internationalen Geschäfte mit komplizierten Finanzprodukten verstrickt.
Doch mittlerweile zeigt sich, dass Italiens Banken ein anderes Problem haben, das nicht minder gefährlich ist: Sie sind zu stark von der Stabilität des Staats abhängig. Wenn Italien ins Straucheln gerät, dürften die heimischen Banken deshalb als erste fallen. Sie sitzen auf einem gigantischen Berg von heimischen Staatsanleihen. Bei der Monte dei Paschi waren es zuletzt 25 Milliarden Euro, beim größten Kreditinstitut des Landes, der Unicredit
, rund 40 Milliarden Euro, bei der Nummer zwei, Intesa Sanpaolo
, sogar mehr als 80 Milliarden Euro. Jeder Zweifel an der Finanzstärke Italiens macht die Papiere in den Bilanzen der Banken ein bisschen wertloser.
yes/Reuters
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