Anklage gegen Manager Italien plant Prozess gegen Rating-Riesen

Ihre Beurteilungen sollen "unbegründet" und "unvorsichtig" gewesen sein. Deswegen könnten Mitarbeiter der Rating-Agenturen Standard & Poor's und Fitch sich bald vor einem italienischen Gericht verantworten müssen.

Büroräume von Fitch in New York: Geltende Regeln verletzt?
dpa

Büroräume von Fitch in New York: Geltende Regeln verletzt?


Trani/Mailand - Die Auseinandersetzung zwischen Italien und mehreren Rating-Agenturen geht in die nächste Runde: Sieben Manager der Agenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) sollen wegen mutmaßlicher Marktmanipulation und möglichen Missbrauchs von Insiderwissen vor Gericht gestellt werden. Das beantragten Staatsanwälte im süditalienischen Trani. Ähnliche Vorwürfe gegen die Agentur Moody's ließen sie dagegen laut italienischen Medien fallen. Ein Gericht muss nun entscheiden, ob ein Prozess eröffnet wird.

Die italienische Justiz hat die Rating-Agenturen bereits seit dem Sommer 2011 im Visier. Damals lud die Börsenaufsicht S&P-Mitabeiter zum Rapport, nachdem die Agentur den Ausblick für Italien auf negativ gesenkt hatte. Im August durchsuchten Ermittler dann Geschäftsräume von S&P und Moody's in Mailand und beschlagnahmten Material.

Mittlerweile gehen die Staatsanwälte davon aus, dass die Agenturen geltende Regeln verletzt haben. So seien wiederholt drohende Herabstufungen des Ratings für Italien publiziert und auf diesem Weg Insiderinformationen missbraucht worden. Die Finanzpolizei sprach von "unbegründeten" und "unvorsichtigen" Beurteilungen.

Angestoßen hatten die Prüfungen zwei Verbraucherverbände, die sich über die Auswirkungen der Agenturberichte auf die Aktienkurse in Mailand beschwert hatten. S&P hatte in einem Rundumschlag die Bonitätsnoten mehrerer Euro-Staaten herabgestuft, darunter auch die Italiens. Fitch hatte angekündigt, in Kürze die Bewertung der Kreditwürdigkeit Italiens um ein bis zwei Noten zu senken. Alle drei Agenturen erklärten, sie seien sich keiner Schuld bewusst. S&P bekräftigte am Montag, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.

Vor einer Woche hatte ein Gericht in Sydney entschieden, dass S&P Investoren Schadensersatz in Höhe von 30 Millionen australischer Dollar zahlen muss. Die Anleger seien durch Bestnoten für Schrottpapiere in die Irre geführt worden.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 8 Beiträge
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Spiegelleserin57 12.11.2012
1. Verantwortung!
Zitat von sysopdpaIhre Beurteilungen sollen "unbegründet" und "unvorsichtig" gewesen sein. Deswegen könnten Mitarbeiter der Rating-Agenturen Standard & Poor's und Fitch sich bald vor einem italienischen Gericht verantworten müssen. Es wäre nicht das erste Verfahren gegen die Agenturen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/italien-will-rating-agenturen-vor-gericht-stellen-a-866788.html
Da diese Agenturen immer großes gehör finden müssen sie auch die Verantwortung für ihre Aussagen tragen. die Finanzmärkte reagieren auf deren Einschätzungen und damit können auch Länder. Also ist es gut nachvollziehbar dass auch Anklagen gegen diese Agenturen erfolgen mit unter Umständen entsprechenden Kosequenzen. Hier geht es nicht um Life-Style Geplapper!
snigger 12.11.2012
2. irgendwie
kommt es mir so vor ... als wolle man(n) facebook dafür verklagen, wenn eine unbedarfte 15jährige die ganze welt zu ihrem geburtstag einlädt, die ganze welt kommt und die regierung danach eine rechnung für en polizei-einsatz schickt. als verspätetes geburtstagsgeschenk ... sozusagen. bei der klage wird nichts rauskommen, denn selbst die regierung italiens ist von den ratings abhängig, weil diese ratings bestimmen, zu welchem zinssatz sich die regierung geld borgen kann. da bewacht der fuchs den hühnerstall (vor dem dax ^-^) ... das einzigste was wirklich hilft ... strengere regulierung des bankensektors!
BonChauvi 12.11.2012
3.
Zitat von sysopdpaIhre Beurteilungen sollen "unbegründet" und "unvorsichtig" gewesen sein. Deswegen könnten Mitarbeiter der Rating-Agenturen Standard & Poor's und Fitch sich bald vor einem italienischen Gericht verantworten müssen. Es wäre nicht das erste Verfahren gegen die Agenturen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/italien-will-rating-agenturen-vor-gericht-stellen-a-866788.html
Klasse diese Italiener! Die wissen wie man mit Erdbebenforschern im ursrünglichen und im übertragenen Sinne umgeht!
herr_kowalski 12.11.2012
4. Wenn dann in spätestens 5 Jahren ganz Europa
Zitat von Spiegelleserin57Da diese Agenturen immer großes gehör finden müssen sie auch die Verantwortung für ihre Aussagen tragen. die Finanzmärkte reagieren auf deren Einschätzungen und damit können auch Länder. Also ist es gut nachvollziehbar dass auch Anklagen gegen diese Agenturen erfolgen mit unter Umständen entsprechenden Kosequenzen. Hier geht es nicht um Life-Style Geplapper!
pleite sein wird, zerrt man die Rate-Agenturen auch vor Gericht weil sie nicht früh genug gewarnt hätten....... In Nordamerika heisst es so treffend: do your own dilligence.
eulenspiegel_neu 12.11.2012
5. Italien will Rating-Riesen vor Gericht stellen
Es ist zu Hoffen, dass die Anklagepunkte sich beweisen lassen. Ich bewundere die Haltung der italienischen Regierung, die sich gegen diese befangenen "Bewerter" von Unternehmen und ihren seltsamem Urteilen zu Wehr setzen. Australien hat gezeigt, wie es geht. Wo bleibt die deutsche Regierung? Anscheinend wieder das Parteikassendenken und das Unwissen der Abgeordneten lassen einen Anklagegedanken in weite Ferne rücken ...
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