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Ukraine-Krise: IWF sieht ernstes Risiko für russische Wirtschaft

Protestgraffiti gegen russische Krim-Annexion: "Nein zum Krieg, ja zum Frieden!" Zur Großansicht
REUTERS

Protestgraffiti gegen russische Krim-Annexion: "Nein zum Krieg, ja zum Frieden!"

Der Internationale Währungsfonds sagt der Weltwirtschaft ein robustes Wachstum voraus - mit Ausnahme Russlands. Grund ist der Ukraine-Konflikt. Den Deutschen stellt der IWF ein überwiegend gutes Zeugnis aus.

Washington/Kiew/Moskau - Die Rhetorik in der Ukraine-Krise verschärft sich, die Warnung von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Richtung Moskau gibt Anlass zu neuer Sorge. Der Konflikt überschattet auch die Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Weltwirtschaft. In seinem Jahresausblick 2014 sagte der IWF zwar eine robuste Zunahme der weltweiten Wirtschaftsleistung voraus. Zugleich warnte er aber vor "neuen geopolitischen Risiken" durch den Konflikt zwischen Kiew und Moskau.

Eine weitere Eskalation des Konflikts "könnte bedeutende negative Effekte für die Region sowohl durch finanzielle Kanäle als auch Handelskanäle haben", schreiben die IWF-Experten. Angesichts drohender westlicher Sanktionen senkten sie in ihrem World Economic Outlook die diesjährige Wachstumsprognose für die russische Wirtschaft von 1,9 auf 1,3 Prozent.

Der IWF will der nahezu bankrotten Ukraine bis zu 18 Milliarden Dollar Hilfskredite zur Verfügung stellen. Im Gegenzug fordert die Organisation Wirtschaftsreformen. Das ukrainische Parlament hatte im März ein entsprechendes Gesetzespaket angenommen. Eine Delegation des IWF befindet sich seit Anfang März in der Ukraine.

IWF lobt Zunahme der deutschen Binnennachfrage

Für die globale Konjunktur sieht der Fonds aber auch Anlass für Optimismus. Die Gefahr einer erneuten Weltwirtschaftskrise lasse weiter nach, teilte der IWF mit. "Die weltweite Erholung dürfte sich verstärken, angeführt von den großen Volkswirtschaften." Besonders die USA und die aufstrebenden Staaten in Asien und im südlichen Afrika seien Wachstumsmotoren.

Dennoch sei die Weltwirtschaft immer noch anfällig, beschreibt IWF-Chefökonom Olivier Blanchard mit Blick auf die Entwicklung in den Industrieländern: "Akute Gefahren haben nachgelassen, aber die Risiken sind nicht verschwunden."

Nach einem Wachstum von drei Prozent im vergangenen Jahr prognostiziert der IWF für 2014 einen Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent. Im Jahr 2015 soll die Weltwirtschaft um 3,9 Prozent zulegen.

Für Deutschland verbesserte der IWF seinen Ausblick leicht: Das Konjunkturplus betrage voraussichtlich 1,7 Prozent im laufenden Jahr und 1,6 Prozent im kommenden. Besonders lobt der IWF die Zunahme der Binnennachfrage in der Bundesrepublik. Um die Wirtschaft weiter nachhaltig zu stärken, seien aber mehr öffentliche und private Investitionen notwendig, etwa in die Infrastruktur.

Auch für die Euro-Zone insgesamt sieht die Prognose ein wenig besser aus als zuvor. Das Wachstum werde 2014 bei 1,2 und 2015 bei 1,5 Prozent liegen. Doch vor allem die schwächeren Staaten litten weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit, geringen Investitionen und einem mangelhaften Kreditangebot.

Als Bedrohung bezeichnet der IWF auch die Niedrig-Inflation in großen Volkswirtschaften: Anhaltend geringe Teuerungsraten schadeten der Konjunktur. Das Problem herrsche vor allem in der Euro-Zone. Als Gegenmaßnahme müsse die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik auch mit "ungewöhnlichen Maßnahmen" weiter lockern. Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche das nächste Tabu gebrochen: Im Kampf gegen die drohende Deflation erwägt die EZB, in großem Stil Anleihen am Kapitalmarkt aufzukaufen.

Sorgen bereiten dem IWF auch weiterhin die drohenden Kapitalprobleme in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Die aufstrebenden Nationen müssten sich dafür wappnen, dass Investoren ihr Geld abziehen.

bos/AFP/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Wo und Wer
broccoli 08.04.2014
Es wäre interessant zu wissen, wer diese Prognosen erstellt hat! Denn dass nur Russland unter dem Konflikt Ukraine/Russland zu leiden hätte gehört doch in die Märchenstunde. Oder glauben die Damen und Herren ernsthaft, dass die gerade auf die EU keine Auswirkungen hätte?
2.
evolution2.0 08.04.2014
IWF und Weltbank-jeder Tadel ist ein Lob.
3. Lustiger Artikel :-)
dubdidu 08.04.2014
Angesichts der Tatsache, dass Russland gerade dabei ist seinen Aussenhandel von Dollar auf Rubel, Euro, Yuan oder Sachwerte umzustellen, finde ich diese Meldung sehr belustigend. Dies ist der Beginn einer Entwicklung, dass sich die Länder dieser Erde vom Dollar loslösen. Der IWF ist ja auch nur der verlängerte Arm der amerikanischen Privatbank FED. Ohne Dollarherrschaft, ist der IWF nutzlos, kann von sich geben was er will. Interessieren wird das niemanden. Doch mit der Beurteilung der geopolitischen Risiken stimme ich überein.
4.
muellerthomas 08.04.2014
Zitat von broccoliEs wäre interessant zu wissen, wer diese Prognosen erstellt hat! Denn dass nur Russland unter dem Konflikt Ukraine/Russland zu leiden hätte gehört doch in die Märchenstunde. Oder glauben die Damen und Herren ernsthaft, dass die gerade auf die EU keine Auswirkungen hätte?
Hm, die Überschrift lautet: "IWF sieht..." Wer könnte die Prognose also erstellt haben? Nunja, rund ein Drittel der russischen Exporte geht in die Eurozone, umgekehrt geht nur ein kleiner Bruchteil der Exporte der Eurozone nach Russland.
5. IWF hilft?
vepchi 08.04.2014
Wem "hilft" der IWF könnte man fragen, wenn man sich mit dieser Krake beschäftigt? Hilfen vergibt er nicht, sondern er verleiht Geld gegen Sicherheiten. Und wenn es die nicht in harter Form gibt, werden die Volkswirtschaften solange ausgepresset, bis von ihnen nichts mehr übrig bleibt. Die Ukraine hat im übrigen auch mit Hilfe dieser und ihm verwandter Institutionen 120 Milliarden US Dollar Staatsschulden angehäuft. Alles nachzulesen bei einem Kritiker dieser "Helfer" - Michel Chossudovsky (www.globalresearch.ca).
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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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