Alibaba-Chef Ma Der Clown tritt ab

Alibaba-Gründer Jack Ma verkündet mit 53 Jahren den Rückzug aus der Spitze des Onlinehändlers. Chinas Wirtschaft verliert einen ihrer ungewöhnlichsten Unternehmer.

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Jack Ma, der Gründer des Onlineriesen Alibaba, einer der ungewöhnlichsten Unternehmer und zugleich das freundliche Gesicht des modernen China, hat seinen Rückzug angekündigt. Das ist so nicht erwartet worden, kommt aber auch nicht völlig überraschend.

Ma, chinesisch Ma Yun, 53, hatte sich schon seit Jahren immer weiter aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, bestimmte aber weiterhin die langfristige Strategie seines Unternehmens und fungierte als dessen öffentlicher Botschafter.

Über den genauen Zeitplan für seinen Rückzug gab es am Samstag verschiedene Angaben. Er werde schon am Montag zurücktreten, berichtete die "New York Times", die mit Ma selbst gesprochen hat. Ma werde zunächst Chef bleiben und sich nach und nach aus dem Unternehmen zurückziehen, schrieb dagegen später die "South China Morning Post" und berief sich auf einen Unternehmenssprecher. Am Montag werde Ma Details zu seinen Plänen präsentieren.

Ma inspirierte eine ganze Generation

Früher oder später will sich Ma jedenfalls um Bildungsfragen und um wohltätige Zwecke kümmern. Das passt zum Image, das er in den vergangenen 20 Jahren in China erworben hat: Ma gilt als Inspiration für eine ganze Generation chinesischer Startup-Gründer. In jeder Buchhandlung, an jedem Flughafen werden Jack-Ma-Biographien und -Videos verkauft.

Das Unternehmen, das er 1999 in seiner ostchinesischen Heimatstadt Hangzhou gründete und zu einem 420 Milliarden Dollar schweren Imperium ausbaute, hat China revolutioniert. Das gilt sowohl für die Kunden- wie für die Produzentenseite.

Anders als Amazon unterhält Alibaba keine eigenen Warenlager, sondern ist vollständig eine Händler-Plattform nach dem Vorbild von Ebay. Zum Kerngeschäft des Onlinehandels kamen über die Jahre weitere, meist sehr profitable Geschäftsfelder wie Video-, Musik-, Cloud- und Finanzdienstleistungen, darunter der von über 500 Millionen Chinesen genutzte Bezahldienst Alipay.

Börsengang machte Alibaba weltberühmt

Spätestens der fulminante Börsengang machte Alibaba weltberühmt. Im Herbst 2014 sammelte der Konzern knapp 22 Milliarden Dollar ein, der Kurs startete am ersten Handelstag mit einem Plus von 36 Prozent. In Europa fasste der Konzern bisher allerdings nicht so recht Fuß.

Alibaba steht für das "A" im "BAT" genannten Dreigestirn der großen chinesischen Internetkonzerne, zu denen außerdem die Suchmaschine Baidu und der Social-Media-Konzern Tencent gehören. Zusammen sind sie derzeit mehr als eine Billion Dollar wert.

Charismatische und extrovertierte Persönlichkeit

Im Gegensatz zu Baidu-Gründer Robin Li und Tencent-Chef Pony Ma fiel der gelernte Englischlehrer Jack Ma seit Beginn seiner Karriere als charismatische und extrovertierte Persönlichkeit auf. Er verkörpert chinesische Unternehmertugenden wie Fleiß und Beharrlichkeit, trug aber immer auch einen selbstironischen, ja clownesken Zug. Auf den legendären Alibaba-Jahresversammlungen, zu denen er vorzugsweise westliche Prominente wie Arnold Schwarzenegger oder Bill Clinton einlud, trat er selbst einmal mit Irokesenschnitt und einmal als Michael Jackson auf.

Berühmt ist er außerdem für eine Reihe von Sinnsprüchen, die in den chinesischen Wortschatz eingegangen sind. "Ebay mag ein Haifisch im Ozean sein", sagte er einmal über seinen damaligen Konkurrenten, "aber ich bin ein Krokodil im Yangtse." Und über das Verhältnis chinesischer Unternehmer zum allmächtigen Staat prägte er die Sätze: "Mach nie Geschäfte mit den Regierenden. Liebe sie. Heirate sie nicht."

Auffällige Nähe zur Staatsführung

In Wahrheit hat Alibaba wie alle chinesischen Internetunternehmen davon profitiert, dass Peking den riesigen chinesischen Markt seit Jahren systematisch gegen ausländische Konkurrenten abschirmt. Kein bedeutender chinesischer Unternehmer, auch nicht der superreiche Jack Ma, hat sich je ernsthaft mit seiner Regierung angelegt.

Im Gegenteil, Ma war der erste Chinese, der sich kurz nach der Wahl Donald Trumps 2016 in New York mit dem neuen US-Präsidenten traf. Er wirkte dabei weniger wie der Botschafter seines Unternehmens denn als inoffizieller Gesandter der chinesischen Regierung. Die genauen Beweggründe seines Rückzugs sind auch deshalb vorläufig unklar.

"Keiner will als der Reichste auf dem Friedhof liegen"

Ma selbst hat mehrfach angedeutet, dass er das philanthropische Engagement des Microsoft-Gründers Bill Gates bewundere, zuletzt in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg vergangene Woche. Damit folgt er einem Trend unter chinesischen Wirtschaftsführern, die ihre Laufbahnen eher nach amerikanischen als europäischen Vorbildern ausrichten.

Es sei wichtig, erworbenen Reichtum zur Förderung der Wissenschaft einzusetzen, sagte die wie Ma aus bescheidenen Verhältnissen stammende Immobilienunternehmerin Zhang Xin vor zwei Jahren: "Keiner hier will eines Tages als der Reichste auf dem Friedhof liegen."

mit rtr



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Ein_denkender_Querulant 08.09.2018
1. Alles richtig gemacht!
Und jetzt hat er 50 Jare Zeit, um Reichtum und Wohlstand zu verprassen.
Kritik 08.09.2018
2.
Bernhard Zand, warum bezeichnen Sie Jack Ma als Clown? welche Beleidigungen darf man denn über sie hier bei Spon verbreiten? Oder wird das wegzensiert? Nun, wenn Sie den Artikel gelesen hätten, wären Sie sicherlich über die Textpassage gestolpert: "Er verkörpert chinesische Unternehmertugenden wie Fleiß und Beharrlichkeit, trug aber immer auch einen selbstironischen, ja clownesken Zug. Auf den legendären Alibaba-Jahresversammlungen, zu denen er vorzugsweise westliche Prominente wie Arnold Schwarzenegger oder Bill Clinton einlud, trat er selbst einmal mit Irokesenschnitt und einmal als Michael Jackson auf." Der "Clown" hat also nichts mit Respektlosigkeit zu tun. Danke und mfG, Redaktion Forum
drquincy 08.09.2018
3.
@Kritik: Sofern man sich die Mühe macht, den kompletten Artikel zu lesen, wird schnell klar, dass der Begriff "Clown" hier ganz sicher nicht despektierlich benutzt wird. Aber spontane, unreflektierte Empörung entspricht leider dem allgemeinen Zeitgeist....
labjmh 08.09.2018
4. Eine andere Übersicht wäre angebracht.
Clown ist ein schöner Beruf. Diese Bezeichnung für eine Persönlichkeit bedeutet in der deutschen Sprache aber leider fast immer was Negatives. Herr Ma ist kein perfekter Unternehmer. Ja, er hat Nähe zum Regime Chinas. Aber Herr Zetsche hat ebenfalls seine eigene Nähe. Man erinnert sich an seine Prophezeiung kurz nach Merkels Entscheidung im September 2015: Deutschland werde ein zweites Wirtschaftswunder erleben! Tja, wenn das keine Staatsnähe ist, was denn?
Rudra 08.09.2018
5. Clown tritt ab?
Ich finde die Überschrift nicht sehr treffend für diesen Mann. Aber wenn man dabei bleiben will, kann man nur hoffen, dass wir irgendwann solche „Clowns“ (Visionäre) auch in Deutschland haben werden.
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