Kriselnde Kultmarke Hedgefonds übernehmen Jack Wolfskin

Der Hersteller von Funktionsbekleidung Jack Wolfskin kommt seit Jahren nicht aus der Krise. Nun hat eine Gruppe von Investoren das Unternehmen übernommen - und verschafft dem Outdoor-Ausrüster finanziell Luft.

Jack-Wolfskin-Geschäft 2016 in Wien
REUTERS

Jack-Wolfskin-Geschäft 2016 in Wien


Der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin gehört ab sofort einer Gruppe von Hedgefonds. Mit dem Eigentümerwechsel baut das Unternehmens aus dem hessischen Idstein, das 2011 vom US-Finanzinvestor Blackstone übernommen worden war, auch Schulden ab.

Die Investoren wandeln Darlehen, die sie dem Unternehmen gewährt hatten, in Beteiligungen um. Der Umfang der Verbindlichkeiten von Jack Wolfskin sinkt dadurch, im Gegenzug wurden die Fonds neue Hauptgesellschafter. Die Schulden reduzieren sich damit um 255 Millionen auf 110 Millionen Euro. Sie müssen erst 2022 zurückgezahlt werden, wie Jack Wolfskin mitteilte.

Der Hersteller von Funktionsbekleidung bekommt von seinen neuen Eigentümern zudem eine Kapitalspritze in Form eines Gesellschafterdarlehens in Höhe von 25 Millionen Euro. "Das Unternehmen verfügt nun über eine solide Basis und das erforderliche Kapital, um sein Geschäft weiter auszubauen", sagte Geschäftsführerin Melody Harris-Jensbach.

"Mit dem jetzt erzielten Abschluss der Restrukturierung sind wir gut dafür aufgestellt, das Unternehmen in den kommenden Jahren erfolgreich weiterzuentwickeln", teilte Bain Capital Credit im Namen der Hauptgesellschafter mit. Bisher gehörte das Unternehmen dem US-Investor Blackstone.

Blackstone hatte bei Jack Wolfskin auf eine massive Expansion ins Ausland gesetzt und dem Unternehmen hohe Schulden aufgeladen. Doch die Erfolge auf dem chinesischen Markt blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Jahr rechnet Jack Wolfskin mit einem gerade mal noch 30 Millionen Euro Gewinn - vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Seit Monaten verhandelt das hoch verschuldete Unternehmen mit seinen Kreditgebern. Zuletzt hatte Jack Wolfskin die Ergebnisziele verfehlt, die in den Kreditverträgen festgeschrieben sind.

Blackstone verliert mit dem Ausstieg seinen kompletten Eigenkapitaleinsatz von mehr als 300 Millionen Euro. Das operative Geschäft laufe inzwischen wieder besser, sagte Harris-Jensbach. Jack Wolfskin sehe "langsam wieder Wachstum" in den Kernmärkten Deutschland, Österreich und Schweiz.

Die Hedgefonds waren zunächst als Gläubiger eingestiegen, hatten es aber von vornherein auf einen Tausch der Schulden in Eigenkapital abgesehen. Der Kreditfonds Sankaty (Bain Capital Credit), H.I.G. Capital und CQS halten allein mehr als 50 Prozent der Anteile, der Rest liegt bei mehr als zehn weiteren Fonds. Laut Insidern wollen sie das Unternehmen auf Rendite trimmen - und hoffen, Jack Wolfskin nach einigen Jahren mit Gewinn an einen Käufer aus der Textil- oder Sportbranche weiterreichen zu können.

Darauf müssen auch die Banken hoffen, die Jack Wolfskin mehr als 200 Millionen Euro geliehen hatten. Denn die Kredite wurden formal nicht erlassen, sondern auf eine Holding der neuen Eigentümer verschoben. Mit einer Rückzahlung dürfen die Kreditgeber aber nur im günstigsten Fall rechnen, sagte ein Insider. "Ein reiner Hoffnungswert."

apr/Reuters/dpa



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Dumme Fragen 06.07.2017
1. Umbenennen oder weitere Kette gründen!
JW hat einen Ruf als uncoole Rentnerkette... Und ich glaub nicht, dass sie das noch einmal geändert bekommen...
ptb29 06.07.2017
2. Laut Insidern wollen sie das Unternehmen auf Rendite trimmen
Und wenn das nicht in 12 Monaten klappt, wird der laden geschlossen.
Björn L 06.07.2017
3. Jack Wolfskin hat sich verzettelt und es ist mir als zufriedener Kunde
...vollkommen Schleierhaft, wie man in derartige Schieflage geraten konnte, ohne dies kommen zu sehen. J.W. hat zwar bei Outdoorbegeisterten noch ein gutes Image, aber das wird sich bald ändern. Hedgefonds sind stets darum bemüht ihre eigenen Interessen kurzfristig erfüllt zu wissen. An der Marke, den Mitarbeiter sind sie nicht intressiert. Es ist schade den Niedergang einer einst deutschen Marke zu verfolgen. Die bis 2001 gefertigten Produkte waren definitiv ihr Geld wert. Aufgrund dieser Entwicklung, werde ich keinesfalls mehr Produkte aus derem Hause kaufen. Im Outdoorbereich gibt es mittlerweile zahlreiche Anbieter, die qualitativ hochwertig, aber preislich deutlich günstiger und imagemässig noch nicht besudelt sind. Das Firmen-Motto "Draußen zu Hause" bekommt mit dieser Entwicklung nun ein vollig andere Bedeutung.
dichris 06.07.2017
4. JW in China...
...dass ich nicht lache. Da waren wieder ganz eifrige Betriebswirtschaftler am Werk. Gut gemacht, Jungs. "Schuster, bleib bei deinen Leisten", fällt mir dazu nur ein. Und hier hat das Zeug doch jeder zweite an, und zwar nicht nur Rentner. Also, wenn das nicht reicht, dann weiß ich auch nicht.
syd_ 06.07.2017
5.
Kommt davon wenn man kleine Omas verklagt die Bärentatzen auf Ihre Waschlappen häkeln. Denke aber auch nicht das es die noch lange geben wird jetzt wo die Heuschrecken schon Ihre Brut eingebracht haben. In 12-18 Monaten wird der Laden versilbert und der Name an irgendeinen billig Produzenten verkauft.
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