Jahrelanger Rechtsstreit: Deutsche Bank lässt Vergleich mit Kirch-Erben platzen
Der jahrelange Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bank und den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch eskaliert. Das Kreditinstitut hat den Vorschlag für einen 800 Millionen Euro schweren Vergleich abgelehnt. Nun müssen wohl doch die Gerichte entscheiden.
Frankfurt am Main - Der Rechtsstreit dauert schon fast zehn Jahre, nun ist eine gütliche Einigung in weite Ferne gerückt. Die Deutsche Bank hat einen Vergleich mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch platzen lassen. Der Vorstand habe den Vorschlag nach intensiver Prüfung einvernehmlich abgelehnt, teilte das Geldhaus mit. Der kürzlich ausgearbeitete Kompromissvorschlag hätte eine Zahlung der Bank an die Erben in Höhe von gut 800 Millionen Euro vorgesehen.
Zu den Gründen der Ablehnung teilte die Bank mit: "Auf der Basis dieser Prüfung, auch unter Berücksichtigung internen und externen Rechtsrats, hat der Vorstand einvernehmlich entschieden, den Vergleichsvorschlag nicht anzunehmen." Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hatten Anwälte Zweifel geäußert, ob ein solch teurer Vergleich den Klagen anderer Aktionäre standhalte.
Dabei schien eine Einigung zuletzt in Sicht. So hatten sich der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die Witwe des im Juli 2011 verstorbenen Leo Kirch geeinigt. Im Vorstand war dafür offenbar keine Mehrheit zu finden. "So nah wie dieses Mal war man sich aber noch nie", sagt ein Beteiligter.
Kirch hatte die Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich gemacht und einen viel beachteten Rechtsstreit begonnen. Seine Erben führen die Auseinandersetzung seit dem Tod des Unternehmers fort.
Der Streit begann im Jahr 2002. Leo Kirch hatte noch zu Lebzeiten auf Schadensersatz in Milliardenhöhe geklagt, weil der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer in einem Interview die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns angezweifelt hatte. Damit sei Breuer für die Pleite des Medienkonzerns verantwortlich, argumentiert die Kirch-Seite.
In dem spektakulären Verfahren hatte es im vergangenen Jahr etliche Zeugenaussagen von Prominenten geben. Erstmals waren dort - wenige Wochen vor Kirchs Tod - auch der Medienunternehmer und Rolf Breuer vor Gericht aufeinandergetroffen.
Schon mehrfach hatten die Deutsche Bank und die Anwälte von Kirch versucht, ihren milliardenschweren Streit außerhalb von Gerichtssälen beizulegen. Zuletzt lautete der Vorschlag, die Bank solle 812 Millionen Euro zahlen - ohne Anerkennung der Schuld. Die Kirch-Seite sollte im Gegenzug auf alle weiteren Ansprüche verzichten.
Daraus wird nun wohl nichts.
mmq/dpa/Reuters
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