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Jahrelanges Verfahren beendet: Deutsche Bank legt Kirch-Rechtsstreit bei

Von manager-magazin-Redakteur Ulric Papendick

Einer der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist still und leise beendet worden. Nach Informationen des manager magazin hat sich die Deutsche Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt.

Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Er hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt Zur Großansicht
DPA

Ex-Deutsche-Bank-Chef Breuer: Er hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt

Hamburg - Jahrelang stritten Leo Kirch und die Deutsche Bank vor Gericht. Nun haben sich die Anwälte des im Sommer verstorbenen Medienunternehmers mit dem Institut auf einen Vergleich geeinigt. Die Deutsche Bank zahlt der Kirch-Seite also eine Millionensumme, die sich an einem Vorschlag des zuständigen Münchner Richters Guido Kotschy orientieren soll: Der hatte den beiden Parteien einen Vergleich von 775 Millionen Euro vorgeschlagen. Bei einem Vergleich ergeht kein Urteil, das heißt, weder die Deutsche Bank noch die Kirch-Seite können einen Sieg für sich beanspruchen.

Die Einigung muss noch vom Vorstand der Deutschen Bank beschlossen werden; dies soll heute oder morgen geschehen. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte die Informationen zunächst nicht kommentieren.

Mit dem Vergleich endet ein Rechtsstreit, der vor zehn Jahren begann. Anlass war ein Interview des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer. Dieser hatte darin die Kreditwürdigkeit Kirchs angezweifelt; als dessen Medienkonzern später in die Pleite rutschte, machte Kirch den Bankchef dafür verantwortlich.

Im Dezember wurde das Verfahren gegen Breuer eingestellt. Der Manager musste 350.000 Euro zahlen, er ist aber nicht vorbestraft. Ein solches Vorgehen ist in Wirtschaftsprozessen durchaus üblich, wenn die Schuld des Angeklagten gering ist.

Ursprünglich forderte der Medienunternehmer Kirch bis zu 3,6 Milliarden Euro Schadensersatz. 2006 hatte der Bundesgerichtshof festgestellt, dass im Grundsatz eine Schadensersatzpflicht der Bank bestand. Im vergangenen November durchsuchten Staatsanwälte im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess die Büros von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderen Top-Managern der Bank. Die Staatsanwaltschaft wirft Ackermann Prozessbetrug vor.

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1. .
Methados 13.02.2012
Zitat von sysopDPAEiner der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist still und leise beendet worden. Nach Informationen des manager magazin hat sich die Deutsche Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814931,00.html
ergo die bank ist sich ihres fehler bewusst und vermeidet so einen wesentlich höeren schaden.
2. Schon lustig
patnick 13.02.2012
Zitat von sysopDPAEiner der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist still und leise beendet worden. Nach Informationen des manager magazin hat sich die Deutsche Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814931,00.html
Die "geringe Schuld" des damaligen Vorstandsvorsitzenden Breuer ist dann immerhin etwa 750 Mio. wert.
3. Prozessausgang: Kläger erhalten wegen Rufschädigung 775 Mio Euro Schadensersatz von D
MKasp 13.02.2012
Wer "legt bei"? Der Aktive, der der das "Heft in der Hand" hält ... Das sind typisch gewordene Übernahmen aus Pressemitteilungen, also der Marketing-Abteilung der Deutschen Bank? So passiert es den Journalisten ständig, dass sie unbeholfen in die Marketingfallen der professionellen Werber tappt ... so "beendete facebook" einen Rechtsstreit mit der us-amerikanischen Datenschutzaufsicht, "erzielte Google eine Einigung mit" .... Die Unternehmen legen, mit gutem Grund, wert darauf, als die "Akteure" darzustehen. Als eben die, die das Heft in der Hand halten. Das sind sie ihrem "Auftritt". Sie sind ja "Elite". "Führend". In einem Prozess, in welchem die Deutsche Bank die Beklagte war, davon zu sprechen, die Deutsche Bank "lege bei", ist ein gern gesehener journalistischer Liebesdienst gegenüber der Deutschen Bank. Selbstverständlich ist das nämlich (auch hier) falsch. Nicht die Deutsche Bank hat "beigelegt" sondern beide Streitparteien: Die Kläger verzichten auf einen Teil ihrer Forderungen, begnügen sich offenbar mit 775 Mio. Euro und die Deutsche Bank .... ähm ... "legt bei"? Die Überschrift hätte richtig lauten müssen: "Prozessausgang: Kläger erhalten wegen Rufschädigung 775 Mio Euro Schadensersatz von Deutscher Bank." Im Übrigen sollte man das Verfahren nutzen, um sich klar zu machen: Von wegen "Elite" und von wegen "die extremen Vorstandsgehälter sind Ausfluss des freien Marktes für Führungskräfte ... nein, es wird auch dort nur mit heißem Wasser gekocht, sowohl Bildung als auch Intellligenz entsprechen knapp dem Durchschnitt, andere Merkmale zählen mehr ...
4. Wer bezahlt das?
Nörgelkopf 13.02.2012
Die Deutsche Bank kann gut bezahlen. Hat sie doch dieses Geld ihren Kunden aus den Taschen gezogen. Hier müssten die Verursacher diesen Schaden bezahlen. Wie war das Herr Koppers?
5. Schwerwiegender als die kriminellen Handlungen
peterhausdoerfer 13.02.2012
Zitat von sysopDPAEiner der spektakulärsten Prozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte ist still und leise beendet worden. Nach Informationen des manager magazin hat sich die Deutsche Bank mit der Familie des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch auf einen Vergleich geeinigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814931,00.html
die Breuer und Börsig vorgeworfen wurden ist die Tatsache das die Medien der Kirch Gruppe durch ihr Wirken zum grossen Teil letztlich in den Besitz von "Investoren" ausserhalb Europas wechselten. sind Schlüsselindustrien die mit nationalen Interessen unzertrennlich verknüpft sind, weshalb Fingerspitzengefühl angebracht gewesen wären. Wie wäre denn die Resonanz wenn ein deutscher Investor CNN oder ähnliche Schwergewichte kaufen würde ?
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Aufstieg und Niedergang des Kirch-Imperiums
Der Aufbau des Kirch-Imperiums
Mit geliehenem Geld kaufte der Student Leo Kirch 1956 die Rechte für Federico Fellinis Film "La Strada". In den folgenden Jahren baute er eines der größten Medienimperien in Europa auf.

1956: Kirch eröffnet ein Filmhandelsgeschäft. Für ARD und ZDF wird er zum wichtigen Filmlieferanten.

1985: Kirch gründet mit mehreren Verlagen den ersten Privatsender Sat.1.

1997: Kirchs Sender ProSieben geht an die Börse.

1999: Silvio Berlusconi stiegt beim Film- und Sportrechtehandel KirchMedia ein.

2000: Rupert Murdoch steigt bei Kirchs defizitärem Abosender Premiere ein. ProSiebenSat.1 geht an die Börse.

Sommer 2001: Kirch kauft die Formel-1-Rechte.

Der Niedergang des Kirch-Imperiums
Verluste beim Pay-TV trieben den Konzern 2002 in die Pleite.

Dezember 2001: Spekulationen über akute Geldnöte Kirchs; Murdoch bestreitet Pläne für eine feindliche Übernahme.

Januar 2002: Die Dresdner Bank fordert einen 460-Millionen-Euro-Kredit zurück. Springer will ProSiebenSat.1-Anteile für 770 Millionen Euro zurückgeben. Der Kirch-Konzern beziffert seine Schulden auf 6,1 Milliarden Euro.

Februar 2002: Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer bezweifelt Kirchs Kreditwürdigkeit. ProSiebenSat.1 meldet einen Gewinneinbruch. Murdoch kündigt seinen Ausstieg bei Premiere an und fordert 1,6 Milliarden Euro zurück.

8. April 2002: KirchMedia meldet Insolvenz an.

(Quelle: dapd)



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