Jahrestreffen in Washington: IWF kann Währungsstreit nicht entschärfen

Der IWF hat sich vorgenommen, künftig eine größere Rolle bei der Bewältigung von Währungskonflikten zu spielen. Den aktuellen Konflikt über künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse konnte die Organisation bei ihrem Jahrestreffen aber nicht lösen.

IWF-Direktor Strauss-Kahn (l.) im Gespräch: Einigung in "Tagen oder Wochen" Zur Großansicht
REUTERS

IWF-Direktor Strauss-Kahn (l.) im Gespräch: Einigung in "Tagen oder Wochen"

Washington - Beim Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist es nicht gelungen, die Differenzen über die Währungspolitik beizulegen. Zum Abschluss zweitägiger Beratungen in Washington sagte der IWF am Samstag in einem Kommuniqué zu, seine Arbeit auf dem Gebiet der Währungsschwankungen zu "vertiefen" und unter anderem Studien zu dem Thema anzustellen.

Die Erklärung überspielte im Wesentlichen die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten besonders zwischen den USA und China. Zuvor hatten die Teilnehmer darüber beraten, der Organisation mehr Befugnisse über die nationale Währungspolitik zu geben. Damit sollen wachsende Spannungen wegen des Vorgehens von Ländern wie China abgebaut werden, die mit einer bewusst schwach gehaltenen Währung riesige Handelsüberschüsse erzielen.

Angesichts der Angst vor einem "Währungskrieg" wird der Ruf nach einer besseren globalen Abstimmung immer lauter. Künftig soll der Internationale Währungsfonds (IWF) entsprechend eine größere Rolle bei der Bewältigung solcher Konflikte spielen.

Eine konkrete Empfehlung zur Entschärfung der aktuellen Auseinandersetzung um künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse gab der Finanz- und Währungsausschuss des Fonds (IMFC) auf seiner Jahrestagung allerdings nicht ab. Immerhin war man sich in einem einig: "Wir sind alle zu dem Schluss gekommen, dass der IWF der Ort ist, um Dinge wie Wechselkurse zu behandeln", sagte der Vorsitzende des Gremiums, der ägyptische Finanzminister Youssef Boutros-Ghali. Man werde dieses Thema "auf multilaterale, systematische Weise angehen".

Boutros-Ghali sieht "bedeutsame Fortschritte"

Im Ringen um eine Neuordnung der Machtverhältnisse beim IWF sah der Lenkungsausschuss derweil Fortschritte. "Die verschiedenen Seiten nähern sich in Richtung eines gemeinsamen Pakets an", sagte Boutros-Ghali. IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn sagte, die Gespräche seien noch nicht zu Ende. Er rechne aber erst in "Tagen oder Wochen" mit einer Einigung. Die Reform muss bis zum Ende dieses Jahres vollzogen sein.

Deutschland rechnet trotz aller Differenzen mit einer Einigung. "Wir haben Fortschritte erzielt, aber noch keinen Durchbruch", sagte Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen. "Ich habe nicht nur die Hoffnung, dass wir es schaffen, sondern ich gehe davon aus", sagte Asmussen, der den erkrankten Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vertrat. Es sei nicht so, dass die Hürden unüberwindbar seien.

Zuvor hatte sich US-Finanzminister Timothy Geithner für eine deutlichere Rolle des IWF bei Währungskonflikten ausgesprochen. "Der IWF muss seine Überwachung der Wechselkurspolitik und des Aufbaus von Devisenreserven stärken." Geithner stellte sich mit seiner Forderung nach einer prominenteren Rolle des Weltwährungsfonds bei der Schlichtung von Wechselkurskonflikten hinter Strauss-Kahn, der seine Organisation als den "richtigen Ort" dafür bezeichnet hatte. Zugleich schlug der Franzose eine "Stabilitätsinitiative" vor, um Währungsdispute zu entschärfen. So sollen die Risiken eines anhaltenden Abwertungswettlaufs verringert werden.

Forderungen nach internationaler Zusammenarbeit nehmen zu

An die Adresse von Schwellenländern wie China gerichtet sagte Geithner, der Aufbau von Devisenreserven sei bis zu einem bestimmten Punkt "angemessen". "Ein Übermaß von Reserven weltweit führt aber zu ernsthaften Störungen des internationalen Währungs- und Finanzsystems."

Nach jüngsten IWF-Zahlen hat China rund 2,5 Billionen Dollar an Reserven aufgehäuft, so viel wie kein anderes Land und fast 30 Prozent des weltweiten Bestandes. Die USA werfen Peking vor, mit dem Ankauf großer Mengen Dollar den Yuan künstlich niedrig zu halten und sich dadurch unfaire Handelsvorteile zu verschaffen. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn sagte, es sei wichtig, dass China rasch eine flexiblere Wechselkurspolitik einschlage.

Der kanadische Finanzminister Jim Flaherty hatte zuvor angedeutet, dass er die Schuld für die festgefahrenen Positionen im Währungsstreit in beiden Lagern sehe. China sei einerseits seit seinem Bekenntnis zu einer Freigabe des Yuan gegenüber dem Dollar im Juni nur zu einer "minimalen, geringen Flexibilität" bereit gewesen. Die Zustimmung des US-Repräsentantenhauses zu Strafzöllen auf chinesische Importe als Antwort nannte der Finanzminister unterdessen eine "protektionistische Maßnahme" der USA.

Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega machte sich für eine engere internationale Zusammenarbeit stark, um Wechselkurskonflikte abzuwenden. Er erneuerte auch seine Warnung vor einem "nicht erklärten Währungskrieg". "Alle Länder werden für diesen Wechselkursdisput einen Preis zahlen", mahnte er am Freitag. Er warf den Industrienationen vor, ihre Konjunkturprobleme durch expansive Geldpolitik auf dem Rücken anderer kurieren zu wollen.

luk/dpa/dapd/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Konjunktivpopulisten in Washington.
Geonom 09.10.2010
---Zitat--- Künftig soll der Internationale Währungsfonds [...] eine größere Rolle bei der Bewältigung solcher Konflikte spielen. [...] Eine konkrete Empfehlung zur Entschärfung der aktuellen Auseinandersetzung um künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse gab der Finanz- und Währungsausschuss des Fonds (IMFC) auf seiner Jahrestagung allerdings nicht ab. [...] Immerhin war man sich in einem einig: "Wir sind alle zu dem Schluss gekommen, dass der IWF der Ort ist, um Dinge wie Wechselkurse zu behandeln", sagte der Vorsitzende des Gremiums, der ägyptische Finanzminister Youssef Boutros-Ghali. ---Zitatende--- http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,722278,00.html[/QUOTE] Gratulation von hier aus!
2. Chimerica - oder der Krampf der Giganten
Ylex 10.10.2010
Zitat aus dem Artikel: „Angesichts der Angst vor einem "Währungskrieg" wird der Ruf nach einer besseren globalen Abstimmung immer lauter.“ Ein Währungskrieg zwischen den USA und China wird mit Sicherheit nicht stattfinden. Die ideologischen Feinde verharren in einer ökonomischen Zwangsumarmung, aus der sie sich nicht so ohne Weiteres befreien können, ohne umzufallen - wenn überhaupt, dann geht das nur sukzessive. Strafzölle bringen nichts, sie wären zwar ein vordergründiger Ausweg aus dem Handelbilanzdefizit, aber der Anfang vom amerikanischen Staatsbankrott. Denn würde China die ca. 800 Milliarden Dollar US-Treasuries auf den Markt werfen, dann wäre der Markt sofort kaputt, und der latente finanzielle Ruin der Vereinigten Staaten hätte sich über Nacht in den tatsächlichen verwandelt. China finanziert das gigantische amerikanische Staatsdefit zu einem Gutteil, doch China wäre bei einer Aufkündigung des Status quo genauso schlimm dran, weil es mit der Auskehr der amerikanischen Schuldtitel nichts Werthaltiges erlösen könnte, im Gegenteil – die Exporte würden zusammenbrechen, und die chinesische Immobilienblase würde platzen. Dazu wird es sowieso irgendwann kommen, bloß gibt es in China keine Mittelstands-Säule, deren Konsum die Folgen auch nur annähernd ausgleichen könnte. Das Hauptthema beim IWF-Jahrestreffen war also das sogenannte „Chimerica“, der ebenso zwanghafte wie krankhafte Defizitkreislauf zwischen China und den USA. Zwar ist Japan Mitte September mit dem überraschenden Verkauf von 1,8 Billionen Yen (16 Milliarden Dollar) gegen die Aufwertung seiner Währung vorgegangen, aber das war vergleichsweise nur ein Symptom für den morbiden Gesamtzustand des Weltwährungssystems. Was übrigens manche nicht wissen: Das anhaltende Problem Chimerica stellt mit die Basis für den deutschen Konjunkturaufschwung dar, der besonders auf die hohen Exporte nach Asien, sprich China und Südkorea, zurückzuführen ist. China finanziert seine Importe aus Europa nämlich zu einem beträchtlichen Teil durch seine Exporte in die USA. Es hängt alles zusammen in den Zeiten der Globalisierung – ob das alles noch lange funktioniert, muss allerdings bezweifelt werden.
3. ups...
minimatz 10.10.2010
Zitat von sysopDer IWF hat sich vorgenommen, künftig eine größere Rolle bei der Bewältigung von Währungskonflikten zu spielen. Den aktuellen Konflikt über künstlich niedrig gehaltene Wechselkurse konnte die Organisation bei ihrem Jahrestreffen aber nicht lösen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,722278,00.html
interessiert sich wirklich keiner für dieses Thema? Warum wird die Bewertung einer Währung eigentlich so wichtig genommen? Ganz offensichtlich ist ein solcher Schritt doch eh nur kurzfristig effektiv. Sinkt der Weltmarktpreis einer Währung (zum Beispiel durch drucken von Geld), werden in diesem Land die Kosten für Rohstoffe wie zum Beispiel Öl höher, folglich verpufft der Effekt doch spätestens mittelfristig. Der einzige Weg, nachhaltig den Wert einer Währung zu steigern, ist die Produktivität zu erhöhen. Folglich sind alle Versuche der Manipulation spätestens mittelfristig sinnlos - alle Bemühungen dahingehend können auch nur ein verzweifeltes Aufbäumen der Inhaber dieser "Staatsschuldscheine" sein, die Ihre Pfründe ins trockene bringen wollen. Jede Manipulation bringt den besitzlosen Menschen unterm Strich also kurzfristig nur Nachteile. Die Reichen profitieren - aber wie gesagt, nur kurzfristig.
4. Hofberichterstattung
Haarp 10.10.2010
& beyond http://www.heise.de/tp/blogs/8/148530
5. Abwerten wäre da eher angesagt
Silverhair, 10.10.2010
Da hat das IWF nichts zu melden ... Europa - besser Deutschland hält seine Löhne massiv niedrig damit möglichst die Währung nicht steigt - würde ja dem Export schaden - da macht man lieber mal seine Nachbarstaaten wie GR etc. pleite damit den den "Mitteleren Euro" nach unten ziehen. Und die USA stellen schon lange nichts mehr her was irgendjemand interessiert - das deren Währung wie keine andere frei nur noch aus "Wohlwollen" gegenüber der alten Lady USA akzeptiert wird sollte eigentlich die USA am meisten freuen - eine massive Abwertung wäre realistischer! Warum sollte also China für die Versäumnisse dieser zwei Blöcke sich einen schlechteren Export einhandeln? Sollen doch richtig nach schöner Manier diejenigen denen die Chin. Währung zu hoch ist einfach abwerten! Nicht Chinas Währung ist zu niedrig - die von EU+USA sind schlichtweg zu hoch .. sollen die doch ruhig mal etwas von ihrem eingebildeten Wohlstand abgeben - die Chin.AN haben lange genug dafür geschuften überhaupt mal aus dem Tal rauszukommen! Das IWF entpupt sich immer mehr als eine reine Standesvertretung der USA und Europas .. Lobbyismus pur, dazu illusorische Prognosen - und ein "Herrschergebahren" ohne Ende .. Glücklicherweise ist China durch die Dummheit der USA und Europas längst nicht mehr davon abhängig was diese beiden sagen ..
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema IWF
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 17 Kommentare