Brite James Dyson: "Man kann alles neu erfinden"

Von Julian Kutzim

James Dyson mit dem händetrocknenden Wasserhahn: "Fehler bringen mich weiter" Zur Großansicht
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James Dyson mit dem händetrocknenden Wasserhahn: "Fehler bringen mich weiter"

Der beutellose Staubsauger machte ihn zum britischen Volkshelden und zum Milliardär: Nun präsentiert Erfinder James Dyson seinen neuesten Coup - einen händetrocknenden Wasserhahn. Porträt eines Mannes, der das Rad ständig neu erfindet. Zumindest scheinbar.

Hamburg - James Dyson spricht über digitale Pulstechnologie wie andere Männer über Fußball. Er steht auf der Bühne im Hamburger Stilwerk und schwärmt. Davon, wie die Technologie den kleinen 1600-Watt-Motor in nur 0,7 Sekunden auf mehr als 90.000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt, wie die Luft mit fast 700 Stundenkilometern aus den Edelstahlarmen schießt, wie sich der Motor 6000-mal pro Sekunde selber reguliert. Dyson lässt keinen Zweifel daran, wer er ist: ein Technikfreak, ein Designer, ein Erfinder.

Die digitale Pulstechnologie, von der Dyson so schwärmt, sie ist eines der Herzstücke seiner neuesten Erfindung - dem Airblade Tap. Nach Staubsaugern ohne Beutel und Ventilatoren ohne Rotorblätter hat der Brite nun einen Wasserhahn entwickelt, der die nassen Hände auch noch trocknet. Ohne Handtuch, nur mit Luft. Das Konzept ist zwar nicht brandneu, es basiert auf den Dyson-Händetrocknern, die bereits an mehr als 350.000 Orten dieser Welt hängen. Doch das spielt für Dyson "Düsentrieb" keine Rolle. Es gehört zu seiner Erfolgsstrategie, das Rad ständig neu zu erfinden - zumindest scheinbar.

"Man kann alles neu erfinden", sagt der 65-Jährige, der einem simplen Konzept folgt: Er nimmt etwas, das bereits existiert, dann macht er es kleiner, schneller, stärker, effizienter. So war es, als er Mitte der achtziger Jahre den Staubsauger ohne Beutel in seiner Heimwerkstatt entwickelte. So ist es auch heute noch. Nur dass inzwischen etwa 4500 Menschen für Dyson arbeiten, sein Konzern 385 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet und er selbst laut dem Magazin "Forbes" ein Privatvermögen von umgerechnet 3,6 Milliarden Euro besitzt.

Ein Leben voller Fehler

Dyson selbst sagt, sein Leben sei eines voller Fehler. Was resignierend klingt, könnte nicht positiver gemeint sein. "Fehler muss man machen, sie bringen einen weiter", sagt der Erfinder. Bis der erste beutellose Staubsauger funktionierte, musste er nach Unternehmensinformationen 5000 Prototypen bauen, an dem digitalen Motor des Wasserhahns werkeln er und seine Ingenieure seit mehr als 15 Jahren. Zusammengerechnet steckte Dyson 123 Millionen Euro in Forschung, Design und Entwicklung des Motors.

Wenn man James Dyson fragt, was ihn antreibt, dann sagt er: "Wut, Frust und Enttäuschung über Dinge, die nicht funktionieren, wie sie sollen." So sei es auch mit seinem Staubsauger gewesen. Er habe es gehasst, Beutel zu kaufen, gehasst, dass sie ständig verstopften. Schließlich habe er es so sehr gehasst, dass er sich dazu entschied, einen Staubsauger ohne Beutel zu erfinden. Die Geräte finden allerdings nicht nur Freunde. Die Stiftung Warentest kritisierte, dass der mit Zentrifugalkraft arbeitende Sauger einen unangenehm hohen Ton produzieren könne. Außerdem sei das Entleeren und Auswaschen der Staubbox unhygienisch.

Dyson selbst war ursprünglich gar kein Erfinder. Er studierte Möbeldesign und Innenarchitektur am Royal College of Art in London, erst während dieser Zeit entstand sein erstes Produkt, das Frachtboot Sea Truck. Danach entwickelte er eine Schubkarre, bei der er das Rad durch einen Ball ersetzte und so verhinderte, dass die Schubkarre im Boden einsinken konnte. Dann kam der Staubsauger. Und sein Durchbruch.

Inzwischen ist Dyson ein britischer Volksheld, weltweit bekannt und immer noch ein Technikfreak. Seinen Arbeitstag verbringe er am liebsten in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, erzählt er. Denn dort, in der Firmenzentrale im idyllischen Dörfchen Malmesbury, könne er mit seinen Ingenieuren ungestört tüfteln. Irgendwann in Rente zu gehen - für Dyson unvorstellbar. "Dafür erfinde ich viel zu gerne", sagt er. "Aber sagen Sie das bloß nicht meiner Frau!"

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insgesamt 49 Beiträge
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1.
wind_stopper 02.03.2013
Dyson Staubsauger sind grandios überteuert und nicht einmal wirklich gut oder wenigstens haltbar. Der Mann hat es schon richtig gemacht, verkauft vielen Menschen durchschnittliche Ware für viel Geld - ist halt Apple unter den Haushaltsgeräten.
2. Dyson Staubsauger
nandolino 02.03.2013
Sind mit Abstand die besten was Saugkraft und Handlung betrifft. Probieren sie mal den kleinen Handstaubsauger. Mit drei Hunden im Haus weiß ich wovon ich rede. Hatte übrigens auch schon einen Vorwerk, auch nicht schlecht aber kein Vergleich, und die kosten bei weitem mehr.
3. Haltbar
erkelenzer 02.03.2013
Zitat von wind_stopperDyson Staubsauger sind grandios überteuert und nicht einmal wirklich gut oder wenigstens haltbar.
Also mein Einsteiger-Dyson für damals 250 EU im Angebot geht jetzt in sein siebtes Betriebsjahr, wird mit Sicherheit alle 2 Tage wg. Hund und Katze im Haus benutzt. Wenn ich überlege, was ich da an Beuteln gespart habe...allemal rentiert. Kann allerdings bestätigen, dass er nun beginnt, einen hohen Ton zu produzieren. Vielleicht wird's ja bald Zeit für einen dieser Akku-Dinger :-)
4. Glückwunsch
karlsiegfried 02.03.2013
Endlich mal einer der ohne Beschiss, wie die Banker und andere, zu Geld gekommen ist.
5.
ponyrage 02.03.2013
Warum unbedingt beutellos? Das Argument "Beutel sind teuer" ist Quatsch. Noname-Beutel tun es auch und sind im Netz sehr günstig zu haben. Und selbst wenn man was sparen könnte ohne Beutel: Dyson ist so teuer, dass ein Dyson auf die Gesamtlebensdauer gerechnet immer noch teurer wäre als ein normaler Beutelstaubsauger. Und die Reinigung von beutellosen Staubsaugern soll ja auch nicht so prickelnd sein. Alles in allem ein Gimmick und pures Marketing - wie ein Vorredner schon sagte: Ein Apple-Produkt.
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