James Murdoch Der Kronprinz

Er ist jung, erfolgreich und wahrscheinlich der Nachfolger von Rupert Murdoch: Sohn James hat sich vom Enfant terrible zum unersetzlichen Strategen im väterlichen Medienimperium gewandelt. Im Stil ist er verbindlicher als der raubeinige Konzernchef - in der Sache genauso hart.

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REUTERS

Hamburg - Das Gesicht von James Murdoch irritiert. Hinter einer runden, unauffälligen Brille verbergen sich große, dunkelbraune Augen, mit denen er ziemlich unschuldig schaut. Die Kinnpartie ist weich, fast noch ein wenig pausbäckig, die Wangen sind sorgfältig rasiert. Es ist ein junges Gesicht, rund und ohne Kanten. Es ist kein Gesicht für einen Medienmogul.

Und doch: Er ist auf dem allerbesten Weg, einer zu werden.

Denn der 36-jährige Sohn von Rupert Murdoch ist längst im Reich seines Vaters angekommen. Er leitet das Europa- und Asiengeschäft der Holdinggesellschaft News Corp., hat davor den britischen Anbieter des Bezahlfernsehens BSkyB auf Vordermann gebracht und sich in Hongkong als Manager von Star TV bewährt, dem asiatischen Satellitensender von News Corp. Trotzdem gibt sich der Junior auffallend wortkarg, wenn man ihm die Frage stellt, ob und wann er seinen Vater als Chef von News Corp. beerben wird. "Ich kümmere mich nicht um die Frage, wer der Nachfolger meines Vaters wird. Das ist die Sache der Eigentümer", sagt er im SPIEGEL-Interview.

Die Einsilbigkeit ist erstaunlich - der jüngste Sohn aus Murdochs zweiter Ehe war früher durchaus für auffällige Auftritte bekannt. Mutter Anna beklagte sich einst über ein Interview ihres Sohnes, in dem er zu häufig das Wort "Fuck" benutzte. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der damals 15-Jährige durch ein Foto bekannt, das ihn als Praktikant des "Sydney Daily Mirror" schlafend bei einer Pressekonferenz zeigte.

Wenig übrig vom "Enfant terrible"

Tatsächlich hat der Mann, der inzwischen mit kurzgeschorenem Haar und perfekt sitzenden Business-Anzügen einen großen Teil der Geschäfte bei News Corp. lenkt, wenig mit dem Enfant terrible zu tun, als das er einst galt. Als er Anfang 20 war, provozierte er mit blond gefärbten Haaren und Tatoos, legte sich mit seinen Professoren in Harvard an und verließ die Elite-Uni nach nur zwei Jahren ohne Abschluss, um mit zwei Kommilitonen das Hip-Hop-Label Rawkus Records zu gründen. Fortan zog er nächtelang kettenrauchend durch die angesagtesten Clubs, immer auf der Suche nach Talenten.

Das Label brachte ihm Erfolg, so viel, dass Vater Rupert Murdoch 1996 die Plattenfirma schließlich kaufte. So band er den Sohn an das eigene Unternehmen, in dem zu diesem Zeitpunkt auch die Geschwister Elisabeth und Lachlan arbeiteten.

Als möglicher Nachfolger für den umstrittenen Medien-Unternehmer wurde er da noch nicht gehandelt, im Gegenteil. Vor allem der nur ein Jahr ältere Lachlan galt intern als Kronprinz. Doch dieser verließ 2005 den Konzern - offiziell aus privaten Gründen, tatsächlich aber wohl, weil sein Vater den damaligen News-Corp.-Chef Peter Chernin zum Nachfolger ausgerufen hatte. Alle seine Kinder müssten sich erst noch beweisen, ließ der grantelnde Alte damals wissen.

Wer bleibt für das "Empire"?

Weil sich auch Schwester Elisabeth vom Unternehmen verabschiedet hat und ihre eigene Produktionsfirma führt, ist nun nur James übrig, um das "Empire" zu führen, wie der Konzern familienintern genannt wird. Prudence, die älteste Tochter aus Rupert Murdochs erster Ehe, hat sich von Anfang an aus dem Konzern herausgehalten, die beiden jüngsten Töchter aus der dritten Ehe mit Wendi Deng sind noch zu jung.

James hatte sich über die Jahre im Konzern seine Sporen verdient - anfangs wurde er belächelt, dann kritisiert, aber schließlich ernst genommen. Zuerst bewährte er sich als Krisenmanager beim asiatischen Satellitensender Star TV, steigerte in nur vier Jahren Reichweite und Effizienz und führte das defizitäre Medienunternehmen in die schwarzen Zahlen. Danach folgte gegen den heftigen Widerstand von Aktionären und Analysten der Chefposten beim britischen Bezahlsender BSkyB. Auch hier vergrößerte er innerhalb weniger Jahre Umsatz und Gewinn und sorgte dafür, dass der Sender inzwischen rund zehn Millionen Abonnenten hat.

Als Chef des Europa- und Asien-Geschäfts ist er jetzt auch für den nächsten Sanierungsfall zuständig. Er soll Sky Deutschland, ehemals Premiere, aus den roten Zahlen holen.

Wie sehr Vater Murdoch seinen Sohn inzwischen schätzt, zeigte sich zuletzt in den Verhandlungen mit der Bancroft-Familie, von der Murdoch nach monatelangen Verhandlungen im August 2007 das alterwürdige "Wall Street Journal" übernahm. Gezielt habe der alte Murdoch seinen Sohn mit zu den Verhandlungen gebeten, damit dieser durch sein charmantes und gewinnendes Auftreten die Bedenken der Eigner gegenüber Murdochs Angebot zerstreue, wurde später berichtet.

Kopien für die Journalisten

Denn im Gegensatz zu seinem mitunter als starrköpfig und raubeinig bekannten Vater gilt James Murdoch als verbindlich, einnehmend - und extrem kontrolliert. Nur das leichte Zittern seines Hosenbeines verrate, dass er im Takt mitwippe, schrieb vor zehn Jahren die Zeitschrift "GQ" über einen Konzertbesuch von James.

Schon als Kind habe er es gehasst, am Tisch als Jüngster sein Essen zuletzt zu bekommen, erzählte Mutter Anna einst in einem Interview. Deshalb habe er immer wieder seinen Platz gewechselt, in der Hoffnung, die Reihenfolge ändern zu können. Das strategische Element in seinem Handeln hat sich bis heute gehalten.

Ungefragt loben ihn seine Mitarbeiter als äußerst angenehmen Chef, der entspannt, aber ernsthaft seiner Arbeit nachgehe. So setzte sich James anfangs selbst im Call-Center ans Telefon, um genau zu erfahren, was die Kunden wollen. Auch auf Interviews bereitet er sich akribisch vor: Wer ihm in seinem hellen verglasten Büro Fragen stellt, sieht mit Erstaunen, wie er sich erst mal Notizen macht und dem Interviewer schließlich Kopien mit Zitaten anderer Medien überreicht - um seine Argumentation zu stützen.

Schon sein Büro zeigt, wie sehr sich Murdoch auf das Geschäft konzentriert. Ganz im Londoner Osten sitzt er mit seinem Team, in einem schmucklosen Achtziger-Jahre-Bau, den mit seinen künstlichen Springbrunnen und Hydrokulturen im Eingangsbereich so gar nichts mit dem Internetzeitalter zu verbinden scheint. Einzig ein riesiger Flachbildschirm, auf dem natürlich der Nachrichtensender "Sky News" läuft, erinnert in dem ansonsten schlichten Büro daran, dass hier einer der mächtigsten Medienmanager der Welt sitzt.

Geregeltes Leben - ohne Öffentlichkeit

Und ein Mensch, der im Gegensatz zu den Geschwistern wenig von seinem Privatleben preisgibt, Fotos und öffentliche Auftritte vermeidet. Mit Ehefrau Kathryn Hufschmid, einem ehemaligen Model, seinen zwei kleinen Kindern und zwei Hunden lebt Murdoch in der Nähe von London ein sehr geregeltes Leben, treibt Sport und setzt sich - vor allem auch im eigenen Unternehmen - für mehr Klimaschutz ein. Nur die Tatsache, dass er Karate macht, gerne Mandoline spielt und auf Hotelterrassen schon mit Büchern über griechische Mythologie gesehen wurde, passt nicht so ganz zu seinem glatten Auftreten.

Besonders einsilbig wird James, wenn es um die Beziehung zu seinem Vater geht. Das Verhältnis sei gut, solange mindestens ein Kontinent zwischen den beiden liege, frotzelte vor kurzem die "Financial Times".

Die beiden telefonieren jedenfalls "mindestens mehrmals die Woche, oft häufiger". Denn wenn es ums Geschäft geht, dann ist James der, der seinem Vater die Zukunft erklärt. Zwar beteuert er im Interview, dieser kümmere sich "intensiv um neue Technik und Produkte" - aber es ist klar, dass James der Internetwelt sehr viel näher ist als sein Vater. "Ich bin im Nachrichtengeschäft tätig, und da ist es egal, ob diese Information in einer Zeitung gedruckt und per Lastwagen in die Welt gebracht oder ob sie digitalisiert und durch eine Telefonleitung geschickt wird", sagte er schon vor zehn Jahren. "Es ist immer das gleiche Geschäft."

Das Grundprinzip hat der Junior verinnerlicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er es endgültig umsetzen darf.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Murat Bezel 29.10.2009
1. Was für eine Lobeshymne
Mal wieder der Spiegel als Königsmacher. Wenn man sich aber mal anschaut, was im Hause Murdoch gerade vor sich geht, und eine Ahnung davon hat, was für Umwälzungen der eigentliche Grund dafür sind, dann sollte man auch wissen, dass diese Königsfiguren längst abgedient sind. Genau dazu fehlt auch dem "unersetzlichen Stragegen" nichts mehr ein. Von irgendeiner Strategie ist ja bislang nichts zu sehen.
Hovac 29.10.2009
2. Wohl kaum,
Jung,erfolgreich..? Wenn Sky in 4 Jahren nicht Pleite ist können sie den Satz im Artikel widerholen.
oberhuber, 29.10.2009
3. Hofberichterstattung
Mehr nicht.
philosoph123 29.10.2009
4. Langweiliges Porträt
Der Artikel ist so glatt und poliert wie die Chrom-Oberfläche eines Rolls-Royce. Der Spiegel macht leider keine Ausnahme in den absolut floskelhaften Beschreibungen von Personen. Es sind die immer gleichen Floskeln in allen Magazinen und Der Spiegel macht da leider auch keine Ausnahme. Kostprobe: kurzgeschorenem Haar und perfekt sitzenden Business-Anzügen einen großen Teil der Geschäfte bei News Corp. Das ist der absolute Standard, der in wirklich keiner Zeitung bei einem Porträt (und hier ist sogar die Bild-Zeiutng mit dabei) fehlen darf: Ein Kommentar über den Haarschnitt, gefolgt von einem Kommentar über den Anzug. Die Einschätzung des Haarschnitts darf nicht länger als einen Satz entfernt von der Begutachtung des Anzuges stehen. Das Schreiben nach Zahlen. Ich könnte jedesmal brechen wenn ich diese Floskeln lese.
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