US-Notenbankchefin Yellen Keine Angst mehr vor dem Zinsruck

Nach sechs Krisenjahren peilt die US-Notenbank erstmals eine Erhöhung der Nullzinsen an. Fed-Chefin Janet Yellen verkündete den Kurswechsel mit einem Wort - und stürzte sich zugleich in den Währungskrieg mit Europa.

Nicht länger geduldig: Fed-Chefin Yellen bei ihrer jüngsten Pressekonferenz
AP/dpa

Nicht länger geduldig: Fed-Chefin Yellen bei ihrer jüngsten Pressekonferenz

Von , New York


Ein Wort. Ein einziges Wort nur: Darauf warteten die Kaffeesatzleser der Wall Street, als Janet Yellen, die Vorsitzende der US-Notenbank, an diesem Mittwoch vor die Presse trat.

Beziehungsweise: Sie warteten auf ein Wort, das sie nicht sagen würde.

Dieses Schlüsselwort war "patient" - geduldig. Damit hatte die Federal Reserve bislang ihre abwartende Haltung zu einer Erhöhung der US-Leitzinsen umschrieben: So lange man "geduldig" sei, so hatte Yellen es erläutert, werde man die langjährige Zinsbremse vorerst nicht lockern.

Klartext: Sobald das Wort wegfällt, wäre der Weg dafür frei.

Und genau das ist jetzt geschehen. Statt "patient" zu sein, gab Yellen bei ihrer fünften, folgenschwersten Pressekonferenz seit ihrem Amtsantritt die bisher konkreteste Wegbeschreibung für einen Kurswechsel: Beim nächsten Treffen im April sei eine Erhöhung der Zinsen zwar noch "unwahrscheinlich" - doch danach wolle man einen solchen Schritt, sofern Arbeitsmarkt und Inflation das zuließen, "nicht ausschließen".

Eine Nachricht, die einschlug: Die erste US-Zinserhöhung seit 2006 und das Ende der faktischen Nullzinsen, die die Fed 2009 einführte, um Rezession und Finanzkrise zu bekämpfen, könnte im Juni kommen.

Trotzdem versah Yellen das mit einer Fußnote. Die Konjunkturdaten seien noch nicht da, wo man sie gerne hätte: "Nur weil wir das Wort 'geduldig' aus dem Statement entfernt haben, heißt das nicht, dass wir ungeduldig werden." So dürften die Zinsen ab dem Sommer nur langsam steigen.

Rückkehr zur Normalität: Zentrale der Federal Reserve Bank in Washington
Getty Images

Rückkehr zur Normalität: Zentrale der Federal Reserve Bank in Washington

Damit läutet Yellen die Rückkehr zur finanzpolitischen Normalität ein, nach Jahren staatlicher Intervention. Zugleich stürzt sie sich indirekt in einen Währungskrieg, der gerade auf eine Entscheidung zusteuert.

Es geht um den Krieg zwischen dem immer stärkeren Dollar und dem kollabierenden Euro. Denn nicht lange könnte es mehr dauern, bis die beiden Währungen Parität erreicht haben. Ein Dollar, ein Euro: Zuletzt gab es das im November 2002 und davor im Euro-Geburtsjahr 1999.

Das ist zum einen eine Folge des Billionen-Gelddruck-Stimulusprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB), aber auch der entgegengesetzten Konjunkturen Amerikas und Europas. "Die Stärke des Dollars reflektiert auch die Stärke der Konjunktur", sagte Yellen typisch-vorsichtig. "Wir ziehen die internationalen Entwicklungen in Betracht."

Will heißen: Die Währungsturbulenzen stellen die Fed vor ein ganz neues Problem, auch wenn Yellen das herunterspielt. Sicher: Europareisen werden billiger, US-Touristen freuen sich. Doch vieles wird teurer - und treibt damit die Inflation voran, einem Lieblingsärgernis der Notenbanker.

Bald Währungsparität: Euro vs. Dollar
REUTERS

Bald Währungsparität: Euro vs. Dollar

Andere sind weniger diplomatisch. Der Euro-Sturz stelle einen "bedeutenden Gegenwind für die USA" dar, schimpft Jason Furman, der Chefökonom des Weißen Hauses. "Diese Entwicklungen könnten uns schaden", sekundiert Chad Moutray vom US-Herstellerverband NAM.

Schon warnen US-Konzerne mit Euro-Connections, dass ihnen die Währungskapriolen die Bilanzen verhageln. Allen voran Procter & Gamble, der weltgrößte Konsumgüterproduzent (Ariel, Gilette, Pampers), Walmart, der größte Einzelhändler, und Caterpillar, die Nr. 1 in Baumaschinen.

In erster Linie wegen der Exporte, denn die leiden unter einer starken - teuren - Heimatwährung. In einer Umfrage der Duke University klagen zwei Drittel der größten US-Exporteure über "negative Folgen" der Währungskrise; jeder vierte hat bereits die Kapitalaufwendungen gekürzt.

"Wir stecken mitten in einem hässlichen Wettbewerb, ob die Eurozone, Japan oder Kanada gegenüber dem Dollar am meisten abwerten können", hat Duke-Ökonom Campbell Harvey beobachtet. "US-Exporteure werden von diesen konkurrierenden Abwertungen bestraft, was zu niedrigeren Gewinnen und Beschäftigungsverlusten führen wird."

Eine andere Folge: US-Konzerne erhöhen in Europa die Preise. Zum Beispiel Apple: Sein neues MacBook Pro mit 13-Inch-Retina-Display (128 GB) kostet in den USA 1299 Dollar, in Europa 1449 Euro. Euro-Produkte hingegen werden hier immer billiger und wettbewerbsfähiger - Autos aus Deutschland, Wein aus Spanien, Luxus aus Frankreich. Die Folge: Amerikas enormes Handelsdefizit droht noch größer zu werden.

Trotzdem, nicht alles ist düster. "Wenn Sie sich immer schon mal eine Villa in der Toskana kaufen wollten", schreibt Kolumnistin Anita Balakrishnan auf der Website des Wirtschaftssenders CNBC, "jetzt ist Ihre Chance."

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Rookie 18.03.2015
1. Wo liegt Kapan?
"Wir stecken mitten in einem hässlichen Wettbewerb, ob die Eurozone, Kapan oder Kanada gegenüber dem Dollar am meisten abwerten können". Die Kapanische Währung hat bestimmt noch viel Aufholpotential!
cappaceti 18.03.2015
2. Inflationsgefahr in den USA
"Will heißen: Die Währungsturbulenzen stellen die Fed vor ein ganz neues Problem, auch wenn Yellen das herunterspielt. Sicher: Europareisen werden billiger, US-Touristen freuen sich. Doch vieles wird teurer - und treibt damit die Inflation voran, einem Lieblingsärgernis der Notenbanker." Der starke Dollar bringt aus Sicht der USA natürlich KEINE Inflationsgefahr!
fou81 18.03.2015
3.
"Nach sechs Krisenjahren peilt die US-Notenbank erstmals eine Erhöhung der Nullzinsen an. [...] und stürzte sich zugleich in den Währungskrieg mit Europa." Ach deswegen hat der Euro (für Devisen absolut ungewöhnlich) innerhalb weniger Minuten um 3% aufgewertet. Weil der Dollar demnächst interessanter für Anleger ist. Ja, macht Sinn....
Inselbewohner, 18.03.2015
4. Juhu!
Nullzinzpolitik als Motor für die Erhöhung der Wirtschaftskraft und gleichzeitig Enteignung der Sparer. Der Rest ohne Worte. Gruß HP
Ichbines2 18.03.2015
5. @fou81
." Ach deswegen hat der Euro (für Devisen absolut ungewöhnlich) innerhalb weniger Minuten um 3% aufgewertet. Weil der Dollar demnächst interessanter für Anleger ist. Ja, macht Sinn.... Dieser Kommentar hätte von mir stammen können.... Man sieht: Alles Getrickse, Lug und Betrug.....
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