Japan 50 von 54 Atomreaktoren sind abgeschaltet

Es wirkt wie ein schleichender Atomausstieg: Die Fukushima-Betreiberfirma Tepco nimmt erneut einen Reaktor für Wartungsarbeiten vom Netz. Damit sind nur noch vier von 54 japanischen Atomanlagen aktiv. Die Regierung stellt sich darauf ein, dass im Sommer gar kein Reaktor mehr arbeitet.

Ab Mittwoch vom Netz: Kontrollraum im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa
REUTERS

Ab Mittwoch vom Netz: Kontrollraum im Kraftwerk Kashiwazaki-Kariwa


Tokio - Der japanische Energieversorger Tepco hat angekündigt, seinen vorletzten noch aktiven Reaktor herunterzufahren. "Kashiwazaki-Kariwa 5" an der japanischen Westküste werde am Mittwoch zu Wartungsarbeiten abgeschaltet, für mindestens fünf Monate, teilte das Unternehmen mit. Dann ist nur noch ein Reaktor der Fukushima-Betreiberfirma aktiv, 16 Kraftwerke stehen still - wie die meisten Atomanlagen in Japan.

Geht es nach dem aktuellen Wartungsplan, könnten bis Mai sämtliche Reaktoren in Japan abgeschaltet sein - zumindest vorübergehend. Im ganzen Land gibt es 54 Atomanlagen, davon waren bislang nur noch fünf am Netz. Am Freitag fährt auch das Unternehmen Chugoku Electric seinen Reaktor "Shimane 2" herunter - dann produzieren nur noch drei Atomkraftwerke in Japan Strom.

Wann abgeschaltete Anlagen wieder ans Netz gehen, ist ungewiss. Eigentlich schreiben die japanischen Behörden lediglich vor, Reaktoren zu Kontrollzwecken alle 13 Monate für einige Wochen herunterzufahren. Japans Industrieminister Yukio Edano sagte jedoch vergangene Woche, es müssten Maßnahmen getroffen werden, falls im Sommer keine Atomanlage zur Stromerzeugung mehr in Betrieb sei. Japans Energieversorger wollen zum Ausgleich wieder mehr konventionelle Kraftwerke zuschalten.

Am 11. März vergangenen Jahres hatte ein schweres Erdbeben einen riesigen Tsunami ausgelöst, der weite Teile des Nordostens des Landes verwüstete. Mehr als 19.000 Menschen starben. Durch die Naturkatastrophe wurde mit der Beschädigung des Atomkraftwerks Fukushima das schwerste Atomunglück seit der Katastrophe von Tschernobyl ausgelöst.

usp/AFP



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TheBlind 24.01.2012
1. Wow
Zitat von sysopEs wirkt wie ein schleichender Atomausstieg: Die Fukushima-Betreiberfirma Tepco nimmt erneut einen Reaktor für Wartungsarbeiten vom Netz. Damit sind nur noch vier von 54 japanischen Atomanlagen aktiv. Die Regierung stellt sich*darauf ein, dass im Sommer gar kein Reaktor mehr arbeitet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811196,00.html
Strom-Blackout, die Japaner frieren sich den Arsch ab und sitzen im Dunkeln... wie, wo, was, nicht, warum nicht? Und warum soll das dann bei uns passieren? Das Atomforum, regierung und Stromkonzerne verarschen uns. Die wollen Knete haben, damt WIR mal WIEDER in das Stromnetz investieren und die Konzerne wieder abkassieren können und die Groupies des Atoms weinen ihren Spielzeug ja gerne nach... Cu.
felyxorez 24.01.2012
2.
Zitat von TheBlindStrom-Blackout, die Japaner frieren sich den Arsch ab und sitzen im Dunkeln... wie, wo, was, nicht, warum nicht? Und warum soll das dann bei uns passieren? Das Atomforum, regierung und Stromkonzerne verarschen uns. Die wollen Knete haben, damt WIR mal WIEDER in das Stromnetz investieren und die Konzerne wieder abkassieren können und die Groupies des Atoms weinen ihren Spielzeug ja gerne nach... Cu.
Ohje, das ewige rumgeeier. Es bestreitet niemand, das Strom auch ohne Kernkraft möglich ist, allerdings steht in dem Artikel auch, das mehr konventionelle Kraftwerke genutzt werden. (ergo Kraftwerke, die durch Verbrennung pöhses CO2 Austossen.) Da es was das angeht heir keinen Konsens gibt (Klimawandel pfui!), macht es anders. Wie auch immer. Der Fukushima-Betreiber, interessanter Ausdruck... Ist Porsche jetzt auch der Baden-Würtenberg Hersteller ?
ostap 24.01.2012
3. die Japaner lernen schnell
Zitat von sysopEs wirkt wie ein schleichender Atomausstieg: Die Fukushima-Betreiberfirma Tepco nimmt erneut einen Reaktor für Wartungsarbeiten vom Netz. Damit sind nur noch vier von 54 japanischen Atomanlagen aktiv. Die Regierung stellt sich*darauf ein, dass im Sommer gar kein Reaktor mehr arbeitet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,811196,00.html
Die Japaner haben schon nach dem 2. Weltkrieg gezeigt, dass sie schnell lernen können, sehr schnell. Jetzt haben sie nach Jahrzehnten der Atomgläubigkeit gemerkt, dass sie damit im Begriff sind, ihr Land zu ruinieren. Nun schwenken sie um, weg vom Atomwahn zu nachhaltiger Energiewirtschaft. Und sie werden es schaffen - fließig und intelligent wie sie sind. Wir dagegen werden uns weiter von der Viererbande als Deppen vorführen lasse. Stichwort: black-out. Wir brauchn mehr Wutbürger aus Stuttgart!
amerlogk 24.01.2012
4.
Zitat von TheBlindStrom-Blackout, die Japaner frieren sich den Arsch ab und sitzen im Dunkeln... wie, wo, was, nicht, warum nicht? Und warum soll das dann bei uns passieren? Das Atomforum, regierung und Stromkonzerne verarschen uns. Die wollen Knete haben, damt WIR mal WIEDER in das Stromnetz investieren und die Konzerne wieder abkassieren können und die Groupies des Atoms weinen ihren Spielzeug ja gerne nach... Cu.
Ihr Kenntnissstand über Japan.... ist ausbaufähig. Ich will aber Knete wenn ich Menschen wie ihnen was darüber beibringe. Pech. MfG ein Japankundiger
Dumme Fragen 25.01.2012
5. Beeindruckend!
Wie ein so großes Industrieland, ohne viele Möglichkeiten, sich Strom von "hinter der Grenze" zu holen, innerhalb von wenigen Monaten den kompletten Totalausstieg aus der Atomkraft hinbekommt. Nebenbei: ich hab ein Haus im Wald, mit oberirdischer Strom- und Telefonleitung, und habe ca. 2-3x im Jahr einen "black out", d.h. dann hat unser Dorf keinen Strom. Ist aber nicht so schlimm, da man damit ja rechnet und immer Taschenlampe und Kerzen bereitliegen hat... Es gibt echt schlimmeres, wobei ich verstehe, dass das in Industrieunternehmen nicht ganz so einfach ist, damit umzugehen.
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