Japan Roboter-Hotel schmeißt Roboter raus

Roboter sollten menschlichen Angestellten in einem japanischen Hotel die Arbeit erleichtern - stattdessen verärgerten sie Gäste und verursachten mehr Aufwand für das Personal. Nun hat das Management gehandelt.

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Dino-Roboter an der Rezeption, Maschinen, die das Gepäck aufs Zimmer bringen und ein smarter Assistent, der auf Fragen und Wünsche der Gäste eingeht: Als das Roboter-Hotel Henn-na 2015 im westjapanischen Sasebo öffnete, machte es weltweit Schlagzeilen. Jetzt musste der Betreiber laut "Wall Street Journal" ("WSJ") mehr als die Hälfte der 243 Roboter stilllegen. Sie verursachten demnach mehr Arbeit, als sie den menschlichen Angestellten abnahmen.

So sei beispielsweise der persönliche Assistent "Churi" auch mitten in der Nacht aktiviert worden. Mit den Worten "Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden. Können Sie Ihre Frage wiederholen?" habe der Roboter den Gast geweckt. Offenbar hatte er auf zu laute Schnarchgeräusche reagiert.

Die Puppe sollte per Sprachsteuerung beispielsweise Licht und Heizung regulieren, aber auch auf die Wünsche der Gäste eingehen - ein Telefon gab es daher nicht mehr auf den Zimmern. Ein Gast habe nach einer wütenden Auseinandersetzung mit "Churi" mit seinem Handy die Hauptleitung des Hotels angerufen, um mit einem menschlichen Mitarbeiter verbunden zu werden.

"Churi" gehört dem Bericht zufolge jetzt zu den Robotern, die ihren Job in dem Hotel verloren haben - und auch in weiteren Hotels der Kette keine Anstellung mehr finden.

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Nicht effizient genug: Japanisches Roboter-Hotel entlässt Roboter

Immer wieder wird diskutiert, ob Roboter den Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen. Laut dem Bericht "The Future of Jobs", den das Weltwirtschaftsforum (WEF) Mitte September veröffentlichte, werden bis 2025 nur noch 48 Prozent der Arbeitsstunden von Menschen verrichtet. Den Großteil der Arbeit erledigen dann Maschinen und Algorithmen. Bis 2022 könnten weltweit rund 75 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, heißt es weiter.

Doch es gibt Hoffnung für die Menschen: Der Studie zufolge sollen in den kommenden fünf Jahren 133 Millionen neue Stellen geschaffen werden. Für die würden teilweise aber ganz neue Fachkenntnisse nötig sein. Die Betreuung von Robotern könnte eine sein.

Concierge und Gepäckträger ausgemustert

Dem "WSJ" zufolge ist in dem japanischen Hotel auch der als Concierge eingesetzte Roboter ausgemustert worden. Er habe die Anfragen nach Flugverbindungen und Touristenattraktionen nicht beantworten können. Jetzt hat ein menschlicher Angestellter seinen Job übernommen.

Ähnlich erging es dem Bericht zufolge den automatischen Gepäckträgern: Sie hätten nur rund zwei Dutzend der mehr als einhundert Hotelzimmer erreichen können. Die Roboter funktionierten demnach nur auf ebenen Böden und versagten, wenn sie nass wurden. "Sie waren wirklich laut und langsam", zitiert das "WSJ" einen Gast.

Die am Empfang eingesetzten Roboter-Dinosaurier brauchten dem Bericht zufolge regelmäßig menschliche Hilfe, wenn sie bei ausländischen Gästen die Pässe einscannen mussten.

Technische Entwicklung bringt Roboter an ihre Grenzen

Gestartet war das Hotel mit 80 Robotern, nach anfänglichen Erfolgen wurden weitere nichtmenschliche Angestellte zur Unterhaltung der Gäste angeschafft. Damit hätten sich die Probleme zu häufen begonnen, zitiert die Zeitung den Chef des Hauses, Takeyoshi Oe. Die menschlichen Mitarbeiter mussten Überstunden leisten, um die zusätzliche Arbeit zu erledigen, die die Roboter verursachten.

"Jetzt ist es einfacher, wenn wir nicht mehr ständig von Gästen angerufen werden, um bei Problemen mit den Robotern zu helfen", sagte ein Mitarbeiter der Zeitung.

Im "WSJ"-Video: Eröffnung des Henn-na-Hotels

Offenbar wurden die Automaten von der rasanten technischen Entwicklung überholt. Das Hotel habe daran gedacht, die Roboter regelmäßig technisch zu verbessern, musste aber die hohen Kosten bedenken. So sei "Churi" vier Jahre lang im Einsatz gewesen. "Viele Menschen holen sich alle paar Jahre ein neues Telefon, vier Jahre scheint ziemlich alt zu sein", sagt Oe dem "WSJ".

Traum vom roboterbetriebenen Hotel lebt weiter

Doch nicht alle Roboter fielen durch. So wird ein automatischer Greifarm auch in anderen Hotels der Kette weiterhin eingesetzt. Er deponiert das Gepäck der Gäste zur Aufbewahrung in Fächern.

Aufgeben wollen die Betreiber die Idee von einem vollständig roboterbetriebenen Hotel auch deshalb offenbar noch nicht: Er habe jedoch gelernt, dass viele Aufgaben derzeit nur für den Menschen geeignet seien, wird Hideo Sawada, Chef des Reiseveranstalters, dem die Kette gehört, zitiert. "Wenn du Roboter tatsächlich nutzt, erkennst du, dass es Plätze gibt, wo sie nicht gebraucht werden - oder Menschen einfach nur nerven."

brt

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
käthe 16.01.2019
1. Ki Ade
Sehr amüsant, der Artikel. Und auch hoffnungsvoll: So sehr Roboter und die Künstliche Intelligenz gehypt werden, so sehr mache ich mir Sorgen um die vielen "einfachen" Arbeiten, bei denen Menschen durch Roboter ersetzt werden sollen. Insofern empfinde ich etwas wie Schadenfreude, wenn so etwas schiefgeht wie hier im Beispiel. Mal im Ernst: wer möchte im Alter von einem Pflegeroboter den Hintern abgeputzt bekommen? Ich glaube nicht, dass Roboter echte menschliche Arbeit ersetzen können. Man sieht es ja schon an Staubsaugerrobotern, die sich an Teppichfransen verschlucken. Und was soll das, wenn menschliche Arbeit darin besteht, die Fehler der Roboter zu beheben? Dann kann der Mensch die Arbeit auch gleich selbst erledigen. Wie neulich in meiner Heimatstadt: Ein selbstfahrender Elektrobus auf einer kurzen Teststecke - aber eine Person muss zur Aufsicht trotzdem mitfahren. Dann kann doch gleich ein Fahrer in dem Bus sein! Gefallen lasse ich mir die Unterstützung durch Roboter nur da, wo es z.B. um das Heben und Transportieren von schweren Lasten geht.
Alfons Emsig 16.01.2019
2. KI ist eben eine Zukunftstechnologie
In der Gegewart sieht es realiter noch längst nicht so toll aus, wie die Tech-Konzerne es uns - und noch viel mehr ihren Investoren - weismachen wollen. Ich kann gut nachvollziehen, wie es den Hotelgästen ergangen sein mag, denn ich habe eine Alexa zu Hause.
Sleeper_in_Metropolis 16.01.2019
3.
Das Roboterhotel und auch die Idee dahinter finde ich sehr interessant und unterhaltsam. Aber der Artikel zeigt eben auch genau die Probleme auf, die man im Alltag mit Robotern vermutlich noch lange haben wird (wenn sie denn aktuelle wirklich irgendwo in nennenswertem Umfang eingesetzt würden außer in der Produktion) : Die kleinen Zwischenschritte, die Sonderwünsche, das nicht richtige abwägen von Zwischentönen, was die Einflüsse der Umwelt anbelangt. Da hakt es eben noch. Und der Vergleich mit Alexa passt schon : Obwohl das System von vielen Leuten total gehyped wird, finde ich es nach einem Test sehr ernüchternd : Alles, was simple Anfragen übersteigt oder etwas umfangreichere Auskünfte erfordert, ist für Alexa schon zuviel. Und bis ich akustisch nicht verstandene Anfragen wiederholt habe, habe ich die gleiche Frage schon längst eingetippt und von google (ganz altmodisch schriftlich) beantworten lassen.
h.hass 16.01.2019
4.
So etwas wie künstliche Intelligenz gibt es eben nicht. Es gibt nur stupide, strohdumme Maschinen, die das tun, für was sie programmiert sind, und schnell an ihre Grenzen stoßen. Vermutlich wird es auch in 100 oder 300 Jahren noch nicht möglich sein, das hochkomplexe menschliche Gehirn technisch nachzubilden, weshalb die Maschinen auch dann noch so dumm sein werden wie heute.
smickey 16.01.2019
5. Wieso Roboter im Dienstleistingssektor einsetzen?
Man sollte Roboter da einsetzen, wo z.B. physische Kraft notwendig ist. Aber in Hotels sollte man am besten standard sachen wie check in oder check out über apps ersetzen und nicht über dino roboter. Die Dinger sind am Ende des Tages wartungsintensiv, was sich auf die Kosten niederschlägt, ganz geschweigen von der physischen entsorgung. Virtuell sollte das ganze werden, hologrammtechnik wäre hier angesagt.
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