Folge von Fukushima: Japan verstaatlicht Atomkonzern Tepco

Knapp eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat der Staat die Mehrheit am Kraftwerksbetreiber Tepco übernommen. Die Regierung will so die Insolvenz des Unternehmens verhindern.

Arbeiter am havarierten AKW Fukushima: Drohende Insolvenz Tepcos abwenden Zur Großansicht
REUTERS

Arbeiter am havarierten AKW Fukushima: Drohende Insolvenz Tepcos abwenden

Tokio - Der japanische Staat ist Mehrheitseigner des Atomkraftkonzerns Tepco. Über eine Kapitalerhöhung gab Tepco Aktien im Wert von einer Billion Yen (zehn Milliarden Euro) an einen staatlichen Fonds aus. Japan hält dadurch 50,11 Prozent an dem Unternehmen, zuvor waren es lediglich 2,7 Prozent.

Mit dem Geld will die japanische Regierung die drohende Insolvenz Tepcos abwenden. Das Unternehmen stehe nun "vorübergehend unter staatlicher Kontrolle", teilte Tepco am Dienstag mit. Der Staat kann seinen Anteil auf mehr als 75 Prozent erhöhen. Die Regierung könnte den Atomkonzern dann komplett kontrollieren und den Unternehmenskurs bestimmen. Sie könnte beispielsweise auch die Aufspaltung in mehrere Teile beschließen.

Tepco ist seit der Atomkatastrophe ruiniert. Der Konzern muss mehr als 1,5 Millionen Opfer des Reaktorunglücks entschädigen und das Atomkraftwerk Fukushima abschreiben. Hinzu kommen hohe Kosten für die Aufräumarbeiten.

Das Unternehmen ist weiter für die Energieversorgung im Westen des Landes zuständig, einschließlich der Millionenmetropole Tokio. Da kein Atomreaktor des Konzerns mehr am Netz ist, muss Tepco diese Versorgung über zum Teil recht alte Öl- und Gaskraftwerke leisten. Der Brennstoff dafür ist teuer.

Um wieder Geld in die Kasse zu bekommen, genehmigte die Regierung dem Konzern, vom 1. September an die Strompreise für Privathaushalte im Schnitt um 8,46 Prozent zu erhöhen.

stk/AFP/dpa

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1. Das gleiche Lied !
geckox 31.07.2012
Gewinne privatisieren , die Verluste werden verstaatlicht und auf die Steuerzahler verteilt (inklusive Preiserhöhung) . Dann wird das Unternehmen den Investoren zugeführt (verschenkt) ,siehe IKB-Bank. Staatschulden sind dann wieder ein wenig gestiegen.
2. ... und ATOM-Strom bleibt billig
dulz 31.07.2012
...solange niemand eine Vollkostenrechnung einfordert. Jetzt hat der japanische Staat Tecpo an der Backe, ergo auch die Entsorgungskosten der restlichen Tecpo-AKWs. Ich bin gespannt wie das in einigen Jahren bei uns mit den alten AKWs laufen wird! Sobald die Dinger stillgelegt werden (müssen), werden aus "Gelddruckmaschinen" "Kostenblöcke". Und die will jeder aus seiner Bilanz rausbekommen. Mal sehen wie das in D bewerkstelligt wird...
3. Mit Blick...
gesterngingsnoch 31.07.2012
...auf den traditionellen Filz zwischen Staat und Atomindustrie bleibt abzuwarten, ob das wirklich eine Wende zum besseren darstellt. Klar ist, daß mit diesem Schritt Taro Normalverbraucher beruhigt werden soll, und daß der Bevölkerung vorgegaukelt werden soll, die Schadenersatzansprüche an Tepco seien sicher. So sicher wie die Renten bei uns in D... In Japan Ansprüche durchzusetzen heißt allerdings, daß im Erfolgsfall bestenfalls die Enkel davon profitieren - so sie denn nicht vorher an den Folgen von Fukushima sterben...
4.
no-panic 31.07.2012
Zitat von sysopREUTERSKnapp eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat der Staat die Mehrheit am Kraftwerksbetreiber Tepco übernommen. Die Regierung will so die Insolvenz des Unternehmens verhindern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,847440,00.html
Hätte man TEPCO verstaatlicht, um die korrupte, verlogene und unfähige Konzernspitze zum Teufel zu jagen, ich hätte es begrüßt. Man verstaatlicht aber, um der Bevölkerung noch höhere Kosten aufzudrücken und das Unternehmen zu retten. Oh ja, Atomenergie ist ja so günstig........
5. Mal schauen was peterm8 und x+n jetzt schreiben
gucky2009 31.07.2012
Popcorn auspack ...
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